BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Andrew Lloyd Webber schlägt Alarm: "Es gibt kein Zurück mehr" | BR24

© Caroline Seidel/dpa

Andrew Lloyd Webber

Per Mail sharen

    Andrew Lloyd Webber schlägt Alarm: "Es gibt kein Zurück mehr"

    Der bekannteste Musical-Unternehmer der Welt fordert ein Datum zur Wiedereröffnung der Theater und schließt Abstandsregeln aus – damit sei kein Haus wirtschaftlich zu betreiben. Ansonsten sei die "extrem arbeitsintensive" Branche am Ende.

    Per Mail sharen

    Es ist ein dramatischer Hilferuf aus dem Londoner West End, einem der berühmtesten Theaterviertel der Welt: Fast alle Häuser stehen dort seit Monaten leer, lediglich zwei trauten sich bisher, mit stark eingeschränkter Kapazität aufzumachen. Wo sich sonst Touristen drängeln und mit Musicals Geld verdient wird, herrscht eine gespenstische Ruhe. Dasselbe gilt für den New Yorker Broadway, wo die Theater das laufende Jahr längst abgeschrieben haben und frühestens im Januar wieder eröffnen wollen. Doch unter welchen Bedingungen? Komponist Andrew Lloyd Webber, der mit "Jesus Christ Superstar", Cats", "Evita" und dem "Phantom der Oper" Milliarden verdiente, hält es für ausgeschlossen, die kommerziellen Spielstätten mit Abstandsregeln gewinnbringend zu betreiben. Staatliche Subventionen für Theater, wie im deutschsprachigen Raum, sind in Großbritannien und den USA nicht üblich. Allenfalls springen private Sponsoren ein. Allerdings unterstützte die britische Regierung die Kultur in der Corona-Krise einmalig mit einem Hilfsfonds in Höhe von knapp 1,6 Milliarden Pfund.

    "Vernichtend und katastrophal"

    Webber sagte dem Kulturausschuss des britischen Unterhauses, die Branche befinde sich am "point of no return", es gebe also kein Zurück mehr, wenn der Betrieb nicht baldmöglichst wieder aufgenommen werde. Dringend mahnte der Unternehmer ein Datum zur Wiedereröffnung der Theater an, sonst werde der Wirtschaftszweig eingehen und die Bühnenkunst zur reinen "Liebhaberei". Seine Spitzenmanagerin Rebecca Kane Burton schloss laut BBC aus, die Häuser mit Abstandsregeln zu betreiben: "Wir haben nicht die Absicht, die Spielstätten mit einer Auslastung von dreißig Prozent zu öffnen." Die vergangenen Monate seien "vernichtend und katastrophal" gelaufen. Theater ließen sich nicht einfach an- und ausschalten, die wichtige Weihnachtssaison sei im Grunde schon jetzt erledigt.

    © Picture Alliance

    Geschlossene Türen: West End-Theater in London

    Die Frage ist allerdings, ob die Theater überhaupt ausreichend Tickets verkaufen würden, selbst wenn sie wieder spielten. Aus der deutschsprachigen Musical-Branche heißt es jedenfalls, vor 2022 werde es keinesfalls eine Normalisierung der Umsätze geben, weil ein Großteil der Konsumenten noch viel zu ängstlich sei, um sich Aufführungen anzusehen. Besonders ältere Kulturfans hielten sich beim Vorverkauf sehr zurück, und die seien nun mal die Stammkundschaft. Sogar staatlich subventionierte Bühnen berichten hinter vorgehaltener Hand, dass der Andrang für die ohnehin wenigen Plätze nicht sonderlich groß sei.

    Drohung mit Abwanderung

    Andrew Lloyd Webber versicherte dem Londoner Unterhaus derweil, er sei "absolut zuversichtlich", dass die Luft in seinem Palladium-Theater und den anderen Spielstätten "sauberer als draußen" sei. Der Komponist scheute sich auch nicht, den Politikern damit zu drohen, seine für März 2021 geplante "Cinderella"-Uraufführung von England in ein anderes Land zu verlegen, "wo die Leute etwas hilfreicher" seien. Im Juli hatte Webber 100.000 britische Pfund für einen Pilotversuch ausgegeben, mit dem er beweisen wollte, dass Veranstaltungen trotz der Pandemie möglich sind. Damals trat die Soul-Sängerin Beverley Knight im Palladium auf.

    © Dave Rushen/Picture Alliance

    LKW transportiert Kulissen ab

    Der britische Kulturminister Oliver Dowden versicherte, die Regierung arbeite daran, dass einige Theater bis Weihnachten wieder öffnen könnten. Im Winter werden in England traditionell mit großem Aufwand "Pantomimen" inszeniert, familientaugliche Märchenstücke, die wegen der üppigen Ausstattung entsprechend hohe Einnahmen nötig machen. Dowden äußerte die Hoffnung, dass Schnelltests die Lage der Branche erleichtern könnten.

    "Mehr Schulden nicht tragbar"

    Schützenhilfe bekam Andrew Lloyd Webber von Lucy Noble, die für die Royal-Albert-Konzerthalle zuständig ist. Sie sagte den Politikern, ihre Institution sei nicht in den Genuss von Soforthilfe gekommen und habe stattdessen bereits jetzt zehn Millionen Pfund Kredite aufgenommen. Mehr Schulden seien keinesfalls tragbar.

    Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!