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Bildrechte: Bayerische Staatskanzlei/Henning Schacht

Schauspielerin Martina Gedeck – sie wurde mit dem Ehrenpreis für das Lebenswerk beim Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet

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Anders als sonst: Bayerische Filmpreise online vergeben

Die glamouröse Bayerische Filmwoche findet sonst Anfang Januar in München statt. Wegen Corona hat man die Preisverleihung in den April verschoben – sie wurde jetzt als Web- und TV-Aufzeichnung durchgeführt. Glückliche Preisträger gibt es trotzdem!

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Von
  • Moritz Holfelder

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Bayerischen Filmpreises 2020 stehen fest. Große Überraschungen gibt es keine, aber durchaus verdiente Gewinnerinnen und Gewinner. In der Kategorie Regie diesmal sogar doppelt: Julia von Heinz wurde für ihr Antifa-Drama "Und morgen die ganze Welt", das schon bei den Filmfestspielen in Venedig im Wettbewerb lief, ausgezeichnet – und Tim Fehlbaum für sein Science-Fiction-Abenteuer "Tides", das bei der letzten Berlinale im Februar gezeigt wurde.

Julia von Heinz' Film war Ende Oktober 2020 nur kurz im Kino zu sehen und konnte vor dem Herbst-Lockdown immerhin 30.000 Zuschauer anlocken. Jetzt ist er bei Netflix abrufbar, worüber sich Julia von Heinz besonders freut: "Dass mein Film jetzt fast überall auf der Welt gezeigt wird, ist ein wahr gewordener Traum. Aufgrund Corona wurde unser viel beachteter Kinostart im Oktober nach nur vier Tagen abgesagt."

Das Wasser steht uns bis zum Hals

Der Schweizer Tim Fehlbaum, der Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film München studiert hat, wurde 2011 mit seinem famosen Spielfilm-Debüt "Hell" schlagartig bekannt. Der Endzeitfilm mit Hannah Herzsprung und Lars Eidinger über eine dystopische Trockenheit auf unserem Planeten gewann damals den Förderpreis Deutscher Film in der Kategorie Regie. Nun also folgt das zweite Werk – und wieder inszeniert Fehlbaum eine von einer globalen Katastrophe ausgelöste Apokalypse. Diesmal steht die Erde komplett unter Wasser. Die Gezeiten lassen die Überlebenden, die sich während der Ebbephasen in sumpfartigen Schlammlandschaften auf Nahrungssuche begeben, nicht zur Ruhe kommen. "Tides" soll dieses Jahr noch in die Kinos kommen – der Film braucht mit seinen weiten Bildern die große Leinwand. Kameramann Markus Förderer hat den Bayerischen Filmpreis entsprechend in der Kategorie Bildgestaltung gewonnen.

Schach als Rettung

In der Kategorie Produktion wurden Tobias Walker und Philipp Worm für das neue Werk „Schachnovelle“ von Philipp Stölzl ausgezeichnet. Der Film basiert, wie schon sein Vorgänger, auf der gleichnamigen Novelle des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig. Um der Haft und psychischen Folter in einem Gestapo-Gefängnis standhalten zu können, flüchtet sich ein von den Nationalsozialisten inhaftierter Anwalt in die Parallelwelt des Schachs. Die Hauptrolle spielt Oliver Masucci, der in der Kategorie Darsteller für "Schachnovelle" prämiert wurde. Als beste Darstellerin gewann Nilam Farooq für "Contra" den Bayerischen Filmpreis – den neuen Film von Sönke Wortmann, eine Komödie über rassistische Diskriminierung. "Contra" soll am 28. Oktober in die deutschen Kinos kommen, "Tides" bereits am 23. September.

Publikumspreis

Nachdem die Kinos im Jahr 2020 Corona-bedingt über lange Zeit geschlossen waren, wurde der Publikumspreis des Bayerischen Filmpreis dieses Jahr unter anderen Vorzeichen vergeben. Es standen nicht die aktuell fünf besucherstärksten Filme des vergangenen Jahres zur Wahl, sondern die Publikumspreis-Gewinner der letzten zehn Jahre. Sie kämpften in einem Online-Voting um den Titel "Publikumsfilm des Jahrzehnts". Gewonnen hat die in Niederbayern spielende schräge Krimikomödie "Leberkäsjunkie" von 2019. Auf den Plätzen zwei und drei landeten "Stromberg – Der Film" sowie eine weitere Rita-Falk-Verfilmung, nämlich "Sauerkrautkoma".

Die Verleihung der Bayerischen Filmpreise ist als Aufzeichnung ab sofort in der BR Mediathek zu sehen sowie linear heute Abend um 22 Uhr im BR Fernsehen. Alle Infos auf: https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/kino-kino/bayerischer-filmpreis-verleihung-102.html

Alle Preisträger

  • Kategorie Regie: Julia von Heinz für "Und morgen die ganze Welt" und Tim Fehlbaum für "Tides"
  • Kategorie Produktion: Tobias Walker und Philipp Worm für "Schachnovelle"
  • Kategorie Darstellerin: Nilam Farooq für "Contra"
  • Kategorie Darsteller: Oliver Masucci für "Schachnovelle" und "Enfant Terrible"
  • Kategorie Drehbuch: Michael Bully Herbig, Marcus H. Rosenmüller und Ulrich Limmer für "Der Boandlkramer und die ewige Liebe"
  • Kategorie Nachwuchsregie: Leonie Krippendorff für "Kokon"
  • Kategorie Nachwuchsdarstellerin: Lena Urzendowsky für "Kokon"
  • Kategorie Nachwuchsdarsteller: Farba Dieng und Julius Nitschkoff für "Toubab"
  • Kategorie Kinderfilm: Christian Becker (Produzent) für "Jim Knopf und die Wilde 13"
  • Kategorie Dokumentarfilm: Bettina Böhler (Regie) für "Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien"
  • Kategorie Bildgestaltung: Markus Förderer für "Tides"
  • Kategorie Animationsfilm: Dirk Beinhold (Produzent) für "Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen"
  • Kategorie Sonderpreis: Trixter GmbH für "Die Känguru-Chroniken"
  • Ehrenpreis: Martina Gedeck

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