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Papst verharrt beim Zölibat im Status quo | BR24

© picture alliance / ZUMAPRESS.com

Papst Franziskus bei Generalaudienz 2016

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    Papst verharrt beim Zölibat im Status quo

    Im Schreiben zur Amazonas-Synode hätte Papst Franziskus kühn sein können. Tatsächlich setzt er zur Lösung des Priestermangels auf katholische Instrumente: Beten und Missionare motivieren. Frauen als Diakoninnen sind nicht vorgesehen. Eine Analyse.

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    An einer Stelle in dem Schreiben spricht der Papst von der "Kühnheit des Geistes", der die Kultur verwandeln kann – weg von einer Kirche, in der die Kleriker dominieren, hin zur einer Kirche, die "von Laien geprägt" ist, also von allen Gläubigen. Papst Franziskus war nicht so kühn, diesen katholischen Kulturwandel zu beschleunigen. Dabei hätte er nur durch eine geöffnete Tür gehen müssen.

    Mehrheit hatte mit einer Öffnung des Zölibats gerechnet

    Die Amazonas-Synode hatte im Herbst mit Zwei-Drittel-Mehrheit eine vorsichtige Öffnung des Priesteramtes auch für verheiratete Männer ins Spiel gebracht. Viele Katholikinnen und Katholiken hatten darauf gehofft, dass Franziskus diesen Vorschlag aufgreift und Kriterien vorlegt, unter denen Ausnahmen vom Pflichtzölibat vorstellbar sind. Und die meisten Beobachter hatten damit gerechnet, dass er das auch tut. Doch das Wort Zölibat taucht in dem Text nicht einmal auf. Der Papst setzt stattdessen auf die klassischen katholischen Instrumente, dem Priestermangel zu begegnen: Für mehr Berufungen beten, junge Männer dazu motivieren, als Priester in die Amazonasregion zu gehen und die Laien stärker einbinden. Diese können predigen, unterrichten, Gemeinden leiten. Das klingt nach dem Status quo, den auch in Deutschland bekannten Methoden, den Personalnotstand in den Gemeinden in den Griff zu bekommen.

    Franziskus warnt vor "Klerikalisierung der Frauen"

    Das gleiche gilt auch für die Rolle der Frau in der Kirche. Franziskus erkennt an, dass viele Gemeinden in der Amazonasregion von Frauen geleitet, getragen, seelsorgerlich betreut werden. Deshalb hat die Synode angeregt (wieder mit Zwei-Drittel-Mehrheit), in der Kirche darüber zu diskutieren, ob Frauen nicht auch in kirchliche Ämter geweiht werden können, beispielsweise als Diakoninnen. Auch an diesem Punkt antwortet Franziskus konservativ und warnt ausdrücklich vor einer "Klerikalisierung der Frauen". Das Argument dürfte engagierte Katholikinnen kaum zufriedenstellen, verärgern wird sie dieser Satz: "Die Frauen leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben."

    Amazonas hätte katholisches Experimentierfeld werden können

    Der Papst hatte mit der Amazonassynode die Möglichkeit, behutsame Reformen in einer bestimmten Region der Kirche einzuleiten. Der Amazonas als katholisches Experimentierfeld. Die Erwartung, dass sich etwas ändert, hat er selbst geweckt. Mit der Enttäuschung müssen nun die Verantwortlichen vor Ort leben, im Amazonasgebiet und in Deutschland. Die deutsche katholische Kirche hat sich gerade auf einen "Synodalen Weg" gemacht, einen Reformprozess, in dem es auch um die Themen der Amazonassynode geht: Frauen, Kirche, Macht. Wie klein der Spielraum für Veränderungen ist, wurde heute deutlich.