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Amerikas Herzrhythmusstörung | BR24

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Amerikas Herzrhythmusstörung

“Ruminations" ist ein Begriff aus der Psychologie und meint das Symptom, wenn man als depressiver Mensch immer nur über seine Probleme nachdenkt - nie aber über eine Lösung. Damit kennt sich Conor Oberst aus. Von Thomas Mehringer

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Anfang der Nuller Jahre lernen wir einen kleinen, blassen Hobbit mit Seitenscheitel kennen. Er ist um die 20, residiert im kalten Omaha, Nebraska und schreibt, seitdem er 13 ist, in seinem Schlafzimmer Songs über die Liebe, Vergänglichkeit und den Tod. Er heißt Conor Oberst. Gut 15 Jahre später sitzt er wieder in seiner Heimat Omaha, allein in seinem Schlafzimmer mit Piano, Gitarre und Mundharmonika und tut das, was er am besten kann: über den Tod singen.

"Die Winter in Omaha haben einen lähmenden Einfluss auf Menschen, aber das war jetzt mein Glück. Ich blieb jede Nacht lange auf, spielte am Piano und schaute durch das Fenster dem Schnee beim Stapeln zu. Das nächste, was ich weiß, ist, dass ich das ganze Feuerholz verheizt hatte und mehr als genug Songs für ein Album hatte." Conor Oberst

Ein zutiefst verunsicherter Mann

Schon im Opener von “Ruminations” legt Conor Oberst den ersten krassen Seelenstriptease hin: Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Beziehungsprobleme, Vergewaltigungsvorwürfe, die sich als unwahr herausstellen - das alles führt zu “Tachycardia”, was soviel bedeutet wie: dein Herz schlägt nicht mehr im richtigen Rhythmus. Wenn man so will, ist die ganze Platte wie eine einzige Herzrhythmusstörung.

Schwermut, keine Kapitulation

Es ist das Album eines im Herzen zutiefst verunsicherten Mannes in einer postfaktischen Welt, der den Rückzug wählt - nur Oberst, ein paar Instrumente und seine Stimme, mehr braucht es nicht, um dieses komplett zerrissene Amerika in eine Handvoll Songs zu bannen. Nur gut, dass Conor Oberst noch nicht bereit ist zu kapitulieren.