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Amazonasbischof Erwin Kräutler will die Kirche erneuern | BR24

© picture alliance/APA/picturedesk.com

Erwin Kräutler

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    Amazonasbischof Erwin Kräutler will die Kirche erneuern

    Drei Wochen lang diskutierten in Rom katholische Bischöfe über neue Wege im Amazonasgebiet. Einer der Strippenzieher der Amazonas-Synode war Bischof Erwin Kräutler: Er setzt sich für indigene Völker, Umweltschutz und Geschlechtergerechtigkeit ein.

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    Erwin Kräutler ist mit großen Hoffnungen zur Amazonas-Synode gereist und nimmt bei Fragen zur Zukunft der Kirche kein Blatt vor den Mund. "Wir hoffen, dass die Synode nicht nur beim Reden und bei gut gemeinten Vorschlägen bleibt, weil das nichts bringt", sagt der österreichische Bischof und Ordensmann der Missionare vom Kostbaren Blut, "die Zukunft beginnt jetzt und wir brauchen für die jetzige Situation tatsächlich einen Schubs würde ich sagen."

    Kräutler: Priesterweihe für verheiratete Männer notwendig!

    Der 80-Jährige war über 30 Jahre Bischof der brasilianischen Diözese Xingu im Amazonasgebiet und war einer der Mitorganisatoren der Synode. Gleich mehrere Kirchenreformen seien in der Amazonasregion längst überfällig, findet Kräutler, etwa die Öffnung der Priesterweihe für verheiratete Männer, sogenannte "viri probati". Derzeit feierten viele Gemeinden nämlich kaum Gottesdienste aufgrund fehlender Geistlicher.

    "Sonn- und Feiertage, Weihnachten, Ostern und Pfingsten – da ist kein Priester da. Auch wenn man ihn braucht, wenn etwas passiert, ein Todesfall – er ist nicht da. Er kommt ein, zwei Mal im Jahr vorbei. Das kann es nicht sein!" Erwin Kräutler

    Kräutler ist Seelsorger mit Leib und Seele. Aus diesem Geist heraus will er die Kirche verändern, auch wenn das die Infragestellung katholischer Traditionen bedeutet. Es könne nicht sein, dass in einer Gemeinde keine Eucharistie stattfinde, nur weil kein Priester da sei. "Ich bin dagegen, wenn man den Zölibat über die Eucharistiefeier stellt, weil es eigentlich um die Eucharistiefeier und nicht den Zölibat geht", sagt Kräutler. Die Kirche müsse sich etwas einfallen lassen, wenn es keine Möglichkeit gibt, Männer zu finden, die bereit sind im Zölibat zu leben. Beim Thema "viri probati", also der Weihe von verheirateten Männern, sah Kräutler schon zu Beginn der Synode mehr als zwei Drittel der Synodenväter hinter sich. Das Ergebnis gibt ihm nun recht.

    Kräutler fordert Priesterinnen

    Ein Kirchenmann, der sich nicht scheut, den Finger in die Wunde zu legen: Kräutler spricht sich auch für die Weihe von Frauen zu Diakoninnen und Priesterinnen aus. Vorschläge, mit denen er sich in konservativen Kreisen nicht gerade beliebt gemacht hat. Mit Papst Franziskus hat der Befreiungstheologe aber einen starken Fürsprecher im Vatikan. Auch wenn die Synode seiner Forderung nach mehr Geschlechtergerechtigkeit noch nicht gänzlich gefolgt ist – für Kräutler ist die Zeit für Frauen am Altar gekommen.

    "Man spricht ja immer vom Wert der Frau, aber wir müssen das konkretisieren. Es hat ja keinen Wert, wenn wir sagen, die Frau ist wichtig, aber konkret geschieht nichts. Sie bleibt immer noch diejenige, die den Altar schmückt und wenn der Priester nicht da ist, leitet sie halt den Wortgottesdienst." Erwin Kräutler

    Kräutler als Umweltaktivist

    "Erneuerung jetzt", so heißt das Buch, das Kräutler rechtzeitig vor Beginn der Synode herausgebracht hat. Darin schildert der Österreicher auch die Notwendigkeit, sich als Kirche politisch gegen wirtschaftliche Großprojekte im Amazonasbecken zu wenden. Der Abbau von Edelmetallen, Viehwirtschaft und Riesen-Wasserkraftwerke – jahrzehntelang schon kämpft Kräutler gegen die Gier nach wirtschaftlicher Ausbeutung im Amazonas.

    Großgrundbesitzer, Holz- und Bauunternehmer haben ihm darum bereits nach dem Leben getrachtet. Bekannt wurde Kräutler auch in Brasilien durch seinen hartnäckigen Kampf gegen den Bau des Staudamms "Belo Monte". Zwar wurde das Wasserkraftwerk gebaut, Kräutler hat aber ein größeres Bewusstsein geschaffen, das bescheinigen ihm auch politische Beobachter. Sünden an der Natur seien Sünden an der Schöpfung, betonte Kräutler auf der Synode immer wieder, der Einsatz für die Umwelt folglich auch ein Auftrag aller Gläubigen.

    "Man hat immer gedacht, das ist ein Problem für die grünen Parteien und die Kirche hat nichts damit zu tun. Nein, die Kirche hat was damit zu tun: Wir beten jeden Sonntag: Ich glaube an Gott, den Schöpfer. Wir sind Geschöpfe und wir sind verantwortlich!" Erwin Kräutler

    Dabei will Erwin Kräutler sein Engagement nicht missverstanden wissen. Die Kirche sei keine NGO, die Umweltpolitik betreibe, so Kräutler: "Es ist nicht Aufgabe der Kirche Projekte zu machen, aber darauf aufmerksam zu machen, dass es so nicht weitergeht."

    Damit meint Kräutler den Traum vom endlosen Wirtschaftswachstum, von der Idee des Kapitalismus, die jedem Menschen auf Erden Wohlstand bringt. Die ökologische Krise am Amazonas beweise das Gegenteil. Im Jahr 2010 wurde er für seinen Einsatz für die Menschenrechte der Indios und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

    Anerkennung für Kräutler beim "Katakombenpakt"

    Noch mehr dürfte ihn aber eine Geste auf der Amazonas-Synode gefreut haben: Beim sogenannten "Katakombenpakt" in den Katakomben von Santa Domitilla versprachen 40 brasilianische Bischöfe, umweltbewusst, arm und mit Achtung für die Indigenen und die Laien im Amazonas zu leben. Am Ende der Messe unter der Erde legte der Generalrelator der Synode Kardinal Claudio Hummes Erwin Kräutler unter Applaus der Anwesenden eine Stola um den Hals, die vormals der verstorbene brasilianische Bischof und Vorbild der Befreiungstheologen Dom Helder Camara trug.

    Ein emotionaler Moment und eine Anerkennung für die Verdienste von Kräutler. Auch mit den Ergebnissen der Synode ist er zufrieden. Das, was nun im Abschlussdokument steht, entspreche dem, was er sich eigentlich wirklich erwartet habe, sagt Kräutler und hofft, dass die Kirche weiter den Weg der Erneuerung geht, nicht nur am Amazonas, sondern auf der ganzen Welt: "Ich denke, dass ein neuer Impuls von der Synode ausgehen wird."