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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020 für Amartya Sen

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    Amartya Sen erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

    Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020. Er sei ein "Vordenker seit Jahrzehnten", so die Jury. Sen hatte bereits 1998 den Wirtschaftsnobelpreis bekommen.

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    • BR24 Kultur

    Der indische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Amartya Sen erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020. Das teilte der Stiftungsrat am Mittwoch in Frankfurt am Main mit.

    "Wir ehren mit ihm einen Philosophen, der sich als Vordenker seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinandersetzt und dessen Arbeiten zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Gesundheit heute so relevant sind wie nie zuvor", begründete die Jury ihre Entscheidung. Sen hebe Solidarität und Verhandlungsbereitschaft als essentielle demokratische Tugenden hervor und beweise, dass Kulturen keine Quelle des Streits um Identitäten sein müssen.

    Zu Sens wichtigsten Forderungen zähle es, "gesellschaftlichen Wohlstand nicht allein am Wirtschaftswachstum zu messen, sondern immer auch an den Entwicklungsmöglichkeiten gerade für die Schwächsten", sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins und Vorsitzende des Stiftungsrats. "Sein inspirierendes Werk ist Aufruf dazu, eine Kultur politischer Entscheidungen zu fördern, die von der Verantwortung für andere getragen ist und niemandem das Recht auf Mitsprache und Selbstbestimmung verwehrt."

    Sen erhielt 1998 Nobelpreis

    Amartya Kumar Sen stammt aus einem traditionsreichen akademischen Elternhaus: Er wurde am 3. November 1933 in Shantiniketan in Indien geboren. Heute lehrt Sen als Professor für Wirtschaftswissenschaften und Philosophie an der Harvard University in Cambridge und hat dort die Thomas W. Lamont University Professur inne. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit leistet er Beiträge etwa zur Wohlfahrtsökonomie, Sozialwahltheorie, Entscheidungstheorie, zur Analyse von Hunger und Armut sowie zur Entwicklungsökonomie.

    Für sein Wirken und seine in über 30 Sprachen übersetzten Bücher erhielt der Wirtschaftsphilosoph zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1998 den Nobelpreis für Wirtschaft, sowie über 100 Ehrendoktortitel. Er lebt in Cambridge (Massachusetts) und ist seit 1991 mit der britischen Wirtschaftshistorikerin Emma Georgina Rothschild-Sen verheiratet, die ebenfalls an der Harvard University lehrt. Sen ist Vater von vier Kindern.

    Überreicht wird der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche – in diesem Jahr ist das der 18. Oktober.

    Preis ist mit 25.000 Euro dotiert

    Der Preis würdigt seit 1950 Persönlichkeiten, die mit ihrer literarischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeit als Friedensstifter wirken. Er ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland und ist derzeit mit 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung findet traditionsgemäß im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt, und zwar in der Paulskirche, wo 1848 die erste deutsche Nationalversammlung tagte.

    Der aus Spenden von Buchhändlern und Verlegern finanzierte Preis wird von einer Stiftung betreut. Ein Stiftungsrat kürt die Preisträger, wobei jedermann zuvor Vorschläge einreichen kann. Laut Statut soll eine Persönlichkeit geehrt werden, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat".

    Bisherige Preisträger*innen

    Mit dem Preis sind bislang mehr als 60 Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler und Politiker ausgezeichnet worden, darunter Albert Schweitzer, Ernesto Cardenal und Vaclav Havel sowie Astrid Lindgren, Susan Sontag, Saul Friedländer und Liao Yiwu. Erster Friedenspreisträger 1950 war der deutsch-norwegische Schriftsteller und Verleger Max Tau.

    Umstritten war die Dankesrede des Schriftstellers Martin Walser 1998, die vom damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, als "geistige Brandstiftung" bezeichnet wurde. Darin hatte der Schriftsteller eine "Instrumentalisierung von Auschwitz" als "Moralkeule" kritisiert. Im vergangenen Jahr erhielt der brasilianische Fotograf Sebastiao Salgado den Preis.

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