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"Den Hügel erklimmen": So begeisterte Dichterin bei Inauguration | BR24

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Bei der Amtseinführung des US-Präsidenten sind zwei große Stars aufgetreten: Lady Gaga und Jennifer Lopez. Aber eine andere Frau stahl ihnen gestern die Show: Die schwarze Poetin Amanda Gorman.

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"Den Hügel erklimmen": So begeisterte Dichterin bei Inauguration

Viel Beifall für die erst 22-jährige Poetin Amanda Gorman. Sie trug bei Bidens Amtseinführung ein Gedicht vor und bezog sich dabei auf eine berühmte Vorgängerin, auf die Talkshow-Legende Oprah Winfrey - und ein Musical. Das gefiel der Prominenz.

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Von
  • Peter Jungblut

Michelle Obama war voll des Lobes, und nicht nur sie: Die 22-jährige Dichterin Amanda Gorman durfte sich nach dem Vortrag ihrer Ode "Den Hügel, den wir erklimmen" zur Amtseinführung von Präsident Joe Biden über Lob von allerhöchster Stelle und einen Beifallssturm im Netz freuen. Michelle Obama forderte die jüngste "Inaugurations"-Poetin aller Zeiten auf, "weiter zu glänzen", sie könne nicht abwarten, was als nächstes komme.

Die amerikanische Talkshow-Legende Oprah Winfrey twitterte: "Ich war niemals stolzer darauf, eine weitere junge Frau aufsteigen zu sehen! Brava Brava." Winfrey gehört erklärtermaßen zu Gormans großen Vorbildern. Überschwänglich schrieb die Lyrikerin auf Twitter: "Ich wäre nirgendwo, ohne die Frauen, in deren Fußabdrücken ich tanze. Als ich mein Gedicht las, trug ich einen Ring mit einem eingesperrten Vogel - ein Geschenk von Oprah aus diesem Anlass, das an Maya Angelou erinnern soll, die früher einmal Poetin bei einer Amtseinführung war. Das ist für all die Frauen, die den Hügel vor mir erklommen haben."

"Ruhe bedeutet nicht immer Frieden"

Die 2014 verstorbene schwarze Autorin Maya Angelou hatte ihr Gedicht "On The Pulse Of Morning" (Über den Puls eines Morgens) 1993 bei der Amtseinführung von Bill Clinton vorgetragen. Bekannt wurde Angelous 1980 auf Deutsch erschienene Autobiografie "Ich weiß, dass der gefangene Vogel singt". Auf diesen Titel bezog sich demnach auch das Geschenk von Oprah Winfrey an Gorman, die 2017 bereits mit dem inoffiziellen, von der Kongress-Bibliothek vergebenen Titel einer "Nationalen Nachwuchs-Poetin" ausgezeichnet worden war.

"Wir haben gelernt, dass Ruhe nicht immer Frieden bedeutet/ Und dass die Normen und Vorstellungen/ von dem, was ist/ Nicht immer Gerechtigkeit sind", heißt es in dem Gedicht von Gorman. "Und doch ist die Morgendämmerung unser/ Bevor wir es wussten/ Irgendwie schaffen wir es/ Irgendwie haben wir es überstanden und bezeugten/Eine Nation, die nicht kaputt ist/ sondern einfach unvollendet/ Wir - die Nachfolger eines Landes und einer Zeit/In der ein dürres schwarzes Mädchen/ das von Sklaven abstammt und von einer alleinstehenden Mutter aufgezogen wurde/ davon träumen kann, Präsidentin zu werden,/ nur um sich selbst in einer Situation wiederzufinden, in der sie für einen rezitiert."

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Großes Vorbild: Briefmarke mit Maya Angelou

Auch die schwarze Schauspielerin Regina King zeigte sich tief beeindruckt von der jungen Dichterin. "Du gibst mir Hoffnung", hieß es in einem Tweet von ihr: "Du bist die personifizierte Würde. Du hast die Geschichte dieses Landes erfasst und was Demokratie im schönsten Sinne bedeutet. Danke, dass Du für Los Angeles und das ganze Land aufgetreten bist."

Anleihen bei Broadway-Musical?

Bei Instagram durfte sich Gorman über nahezu eine Million Follower freuen, auch auf Twitter kam sie bereits auf nahezu 560.000 Follower. Immerhin musste die noch sehr junge Poetin nicht nur den Vergleich mit Maya Angelou, sondern auch mit so großen Vorgängern wie Robert Frost, Miller Williams, Elizabeth Alexander und Richard Blanco aushalten.

Ihr Gedicht hatte Gorman nach eigenen Angaben am 6. Januar, nach dem Sturm von Donald-Trump-Anhängern auf das Kongress-Gebäude geschrieben. Es endet mit den Zeilen: "Die neue Morgendämmerung erblüht, während wir sie befreien/ Denn es gibt immer Licht,/ wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen/ Wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein."

Der Komponist und Texter Lin-Manuel Miranda verwies darauf, dass Gorman Anleihen bei seinem Erfolgsmusical "Hamilton" genommen habe. In dem Stück geht es um den ersten Finanzminister und Gründervater der USA, Alexander Hamilton. Miranda meinte, im Gedicht einige Parallelen zu seinem Werk entdeckt zu haben. So heißt es darin in einem Songtitel, dass die "Geschichte ihre Augen auf Dich richtet". Und auch die Zeile, wonach jeder unter seinen eigenen Wein- und Feigenbäumen sitzen sollte, deutet demnach auf eine Stelle im Musical hin. Das empfindet Miranda als große Ehre. Er schrieb an Gorman: "Perfekt geschrieben, perfekt dargeboten, und zwar alles. Brava!"

Es gibt schon eine musikalische Version

Wie zum Beweis von Mirandas "Hamilton"-Assoziation sendete ein Radiosender in Seattle nur wenige Stunden, nachdem das Gedicht erstmals öffentlich rezitiert worden war, eine Version mit musikalischer Begleitung, und zwar von der Funk-Rock-Band "Polyrhythmics" und ihrem Song "Zion". Das Branchenblatt "Variety" fand diese Kombination "belebend und tröstlich".

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