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"Amadeus auf dem Fahrrad": So ist der Roman von Rolando Villazón | BR24

© Audio: BR / Bild: Barbara Gindl

Nicht nur als Sänger ist er ein großer Verehrer Wolfgang Amadeus Mozarts. Rolando Villazón, mittlerweile Leiter der Salzburger Mozartwoche, hat dem Komponisten nun auch eine literarische Hommage gewidmet: "Amadeus auf dem Fahrrad"

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"Amadeus auf dem Fahrrad": So ist der Roman von Rolando Villazón

Schriftstellernder Sänger: Mit "Amadeus auf dem Fahrrad" legt Startenor Rolando Villazón bereits seinen dritten Roman vor. Seine Mozart-Hommage ist zwar sprachlich kein großer Wurf, dafür aber voller skurriler Einfälle.

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Es ist eine Geschichte des tragikomischen Scheiterns, die Rolando Villazón in seinem Roman erzählt: Der mexikainische Ich-Erzähler Vian Mauer berichtet seinem Vater aus Salzburg, er sei auf dem besten Weg, die Karriereleiter als Opernsänger aufzusteigen. In Wirklichkeit jedoch ist Vian, von seinen Eltern nach dem französischen Autor Boris Vian benannt, gescheitert. Er probt zwar für die Salzburger Festspiele in Mozarts „Don Giovanni“ – aber nur als Komparse. Und zwar lernt er die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli kennen – allerdings nur aufgrund eines Unfalls. Seinem Vater stellt er das alles ganz anders dar. Selbst in der Liebe scheitert Vian und wird schließlich auch noch obdachlos.

Was bleibt, wenn nichts bleibt? – Mozart!

Was ihm bleibt, sind seine Mozart-Lektüre und der Komponist selbst. Von dem ist auch Rolando Villazón fasziniert. Und noch mehr, seit er dessen Briefe gelesen hat: "Wie er das Leben spüren und in Musik übersetzen konnte, ist unglaublich!", schwärmt Villazón. "Das ist so einfach und gleichzeitig unglaublich schwierig. In einem seiner Briefe notiert er: 'Ich muss Musik so schreiben, dass die Esel denken, es ist phantastisch, und die großen Musiker wissen, es ist phantastisch.'"

Als der Vater von Vians Scheitern erfährt und den Sohn in Salzburg abholt, um ihn zurück nach Mexiko zu bringen, tut Vian aus Verzweiflung verrückte Dinge. Es kommt zur großartigsten Szene des Romans, die man sofort filmisch vor sich sieht: Schon auf dem Rückweg nach Mexiko, bei einem Zwischenstopp, ergreift Vian ein herumstehendes Fahrrad und fährt, eine gepuderte Rokokoperücke auf dem Kopf, in dem Flughafengebäude herum und seinem Vater davon.

"Die Lautsprecherstimme, die die Reisenden warnt, ihr Gepäck nicht aus den Augen zu lassen, forderte die Person mit der Perücke auf, das Fahrrad zurückzugeben. Mein Herz pochte frohlockend und verwegen. Ich stellte mir Mozart vor, der noch rasender in die Pedale trat, mit noch größerem Hunger nach Freiheit in München während der Arbeit an Idomeneo, dem ersten seiner sieben Meisterwerke."
© Rowohlt

"Mozart auf dem Fahrrad" – der bereits dritte Roman des Sängers Rolando Villazón.

Villazóns Roman "Amadeus auf dem Fahrrad“ ist eine große Hommage an Mozart und dessen Geburtsstadt Salzburg. Sprachlich ist er jedoch kein großer Wurf. Würde der Ich-Erzähler Vian, ein Meister im Scheitern, perfekt schreiben, anstatt etwas antiquiert und mit unbeholfenen Metaphern, wäre das allerdings auch unglaubwürdig. Immerhin haben wir es ja hier mit Rollenprosa zu tun. Und die ist für den Leser meist dann ein Vergnügen, wenn sie von schrägen Einfällen und vom komisch-subversiven Umgang mit Sprache und Identitäten bestimmt ist. So nennt Vian eine Schnecke nach dem niederländischen Schriftsteller Nooteboom. Und diese Schnecke Nooteboom scheint wiederum Mozart zu mögen, kriecht sie doch über Abbildungen in einer Mozart-Biographie.

Antiquierte Sprache, skurrile Ideen

Mozart, ein Bruder im Geiste für Vian wie für Villazón, hätten solche Spiele wohl gefallen. Er unterschrieb nämlich gerne anstatt mit "Mozart" rückwärts mit "Trazom" – ein Scherz, mit dem schriftstellernde Sänger Villazón viel anfangen kann: "Diese spielerische Seite von Mozart ist phantastisch. Das Ziel ist nicht, Freude zu finden. Das Glück ist, Spiele zu finden. Liebe ist ein Spiel. Kunst ist ein Spiel."

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