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Martinsenten auf einer Obstwiese in Airischwand.
© BR/ Veronika Wawatschek

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Veronika Wawatschek
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Martinsenten auf einer Obstwiese in Airischwand.

Wenn Martin Kürzinger vor dem Gatter seiner Obstwiese in Airischwand im Landkreis Freising steht, kann er seine Flugenten beobachten - an die 200 jedes Jahr. Sie haben viel Auslauf zwischen den Obstbäumen, ein Wasserbecken zum Schwimmen und einen Unterstand für Regentage.

Zu Fressen bekommen die Flugenten neben dem Gras der Wiese und dem Obst, das von den Bäumen fällt, nur Getreide – das ist zwar nicht bio, weil das Getreide aus konventioneller Landwirtschaft stammt, aber in jedem Fall artgerecht.

Ganz ohne Geschnatter

Jeden Morgen bringt Martin Kürzinger seine Tiere vom Stall auf die Obstwiese und abends zurück - quasi im Entenmarsch. Geschnatter gibt es dabei keines. Denn anders als die Gänse beim Heiligen Martin, würden diese Tiere ihren Besitzer nicht verraten.

Laut der Legende vom Heiligen Martin, mussten die Gänse nämlich ihr Leben lassen, weil sie Martin durch ihr lautes Geschnatter verrieten. Er hatte sich im Gänsestall versteckt - als er erfuhr, dass er zum Bischof von Tours geweiht werden sollte.

Wirt wider Willen

Auch der Gastwirt und Landwirt Martin Kürzinger hat sich nicht wirklich um seine Aufgabe gerissen. Als seine Mutter krank wurde und schließlich starb, übernahm zunächst seine Schwester die mütterliche Gastwirtschaft und die Zubereitung der Martinsenten. Doch vier Enten in einem Bräter sind ganz schön schwer – eher Männersache. Deshalb fiel mit der Zeit Martin Kürzinger die Aufgabe zu.

Jetzt ist er nicht nur Landwirt, sondern eben auch Wirt und Koch. Die Enten gibt es nur im Herbst und nur sonntags auf Bestellung. Alles frisch zubereitet. Um sieben Uhr morgens geht’s los.

Seine Enten hätten Zeit zu wachsen, bekämen keinen Mais. Das würde man schmecken, sagt der Wirt wider Willen. Im Gegensatz zu Gänsen sei das Fleisch weniger fettig. Da braucht es fast nur noch Salz und Pfeffer für den perfekten Geschmack.

Martin lässt sich vom Erfolg nicht verleiten

Der Heilige Martin, Bischof von Tours, der seinen Mantel mit dem Bettler teilte und der am 11. November 397 beerdigt wurde, wird als zurückhaltend und bescheiden beschrieben. Charakterzüge, die seinem Namensvetter in Airischwand nicht ganz fremd sind. Immer wieder fragen ihn Menschen, warum er nicht mehr Enten hält, nicht noch mehr Geschäft macht.

"Natürlich könnte ich mehr Enten verkaufen. Aber das ist ja gerade das Problem: wenn man Erfolg mit etwas hat, ist man versucht, daraus noch mehr Kapital zu schlagen, aber gerade das will ich nicht. Ich habe eine gewisse Anzahl an Enten und wenn die weg sind, ist es gut." Martin Kürzinger

Nur um des Profits willen, will er seine Enten nicht halten. Und deshalb bleibt es an den herbstlichen Sonntagen bei den vier Tieren im Bräter.