Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Alternativer Nobelpreis für französische Autorin Maryse Condé | BR24

© Marc Ollivier

Maryse Condé gewinnt den Alternativen Literaturnobelpreis

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie

Alternativer Nobelpreis für französische Autorin Maryse Condé

In diesem Jahr wird erstmals seit sieben Jahrzehnten kein Literatur-Nobelpreis vergeben – aber stattdessen ein Alternativer Literaturnobelpreis. Maryse Condé von der Karibik-Insel Guadeloupe erhält den mit 100.000 Euro dotierten Preis.

Per Mail sharen

Der Alternative Literaturnobelpreis macht seinem Namen alle Ehre, insofern er wirklich etwas ganz anderes ist, als der sonst jährlich von der Schwedischen Akademie verliehene Preis, der dieses Jahr ausgesetzt wird. Er geht nicht auf Alfred Nobel zurück, sondern auf eine Initiative von gut 100 schwedischen Autoren, Schauspielern und Regisseuren, die für den in diesem Jahr fehlenden Preis Ersatz schaffen wollten. Sie haben eine Neue Akademie gegründet – aber eine, die anders als die honorige königliche keine Mitgliedschaft auf Lebenszeit verspricht, sondern nur eine, die es nur bis zur Preisverleihung am 10. Dezember gibt. Der Alternative Literaturpreis finanziert sich auch anders: nicht aus Stiftungsgeldern, sondern durch Crowdfunding – und ob die Initiatoren wirklich die angepeilten 100.000 Euro zusammenbekommen haben, ist bis zur Stunde kaum herauszubekommen.

Die Crowd zahlt – und stimmt ab

Wer warum überhaupt als Kandidat für den Alternativen Literaturnobelpreis in Frage kommt, das ist kein weites Feld haltloser Spekulation wie bei dem traditionellen Preis, sondern transparent: Bedingung für die Nominierung war, mindestens zwei Bücher publiziert zu haben und davon eins in den vergangenen zehn Jahren. Schwedische Buchhändler, Kritiker und Autoren haben 47 Schriftsteller nominiert – darunter Margaret Atwood, Ian McEwan, Amos Oz, aber auch J.K. Rowling und andere Bestsellerautoren - und per Online durfte bis Ende August weltweit abgestimmt werden, wer ins Finale kommt. Das haben drei Kandidaten geschafft: die Kanadierin Kim Thuy, der Brite Neil Gaiman und Maryse Condé, von der Karibikinsel Guadeloupe und aus den dreien bestimmte jetzt eine vierköpfige Jury schwedischen Journalistin Ann Palsson den Preisträger.

© Lev Radin Pacific Press

Neil Gaiman im Finale für den Alternativen Literaturnobelpreis

© Gattoni Leemage

Kim Thuy, im Finale für den Alternativen Literaturnobelpreis

© picture-alliance/dpa / AP Images

Bestsellerautor Haruki Murakami

Alternativ, aber wohl keine wirkliche Alternative

Der japanische Bestsellerautor Haruki Murakami hat es auch ins Finale geschafft, ist aber zurückgetreten – womöglich spekuliert er noch auf den "echten" Literaturnobelpreis und hat deswegen den alternativen Preis verschmäht.

Der Skandal um sexuelle Belästigungen in der Schwedischen Akademie, der kürzlich zur rechtskräftigen Verurteilung von Jean-Claude Arnault wegen Vergewaltigung führte, hatte in der Schwedischen Akademie zu so vielen Rücktritten geführt, dass das Gremium nicht mehr beschlussfähig war.

Inzwischen gibt es zwar zwei neue Akademie-Mitglieder – die Dichterin Jila Mossaed, eine gebürtige Iranerin, und den Richter Eric Runesson sind der Akademie beigetreten, so dass das Gremium wieder beschlussfähig ist und vermutlich im kommenden Jahr wieder den Literaturnobelpreis vergeben kann – und zwar möglicherweise gleich zwei.