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Alltagsrassismus: Menschen mit dunkler Hautfarbe erzählen | BR24

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Menschen mit dunkler Hautfarbe erzählen

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Alltagsrassismus: Menschen mit dunkler Hautfarbe erzählen

Ein weißer Polizist erstickt in den USA einen schwarzen, unbewaffneten Bürger. Wütende Proteste gegen Rassismus im ganzen Land sind die Folge. So schlimm wie in den USA ist die Lage in Deutschland nicht – aber auch hier ist Rassismus ein Thema.

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Jeanne-Marie Sindani stammt aus dem Kongo, seit den 1980er Jahren lebt und arbeitet sie in Deutschland. In Frankfurt hat sie Internationale Beziehungen, Volkswirtschaft und Pädagogik studiert und arbeitet als Migrationsberaterin in München – erst bei der Caritas, jetzt bei Malteser im Erzbistum München und Freising. Voll integriert und anerkannt fühlt sie sich hier trotzdem nicht.

"Es ist leider so, dass die Geschichte Afrikas, Kolonialisierung, Sklaverei, Ausbeutung, heute immer noch prägend ist", erklärt sie. Dass Rassismus tief verankert ist, wundert sie deshalb nicht, aber die neuerlichen Übergriffe auf Schwarze in den USA machen sie fassungslos. Auf der anderen Seite freut sie sich auch, dass Menschen in den USA "aufgewacht" seien und nach der Tötung von George Floyd hundertausendfach auf die Straße gehen und gegen Rassismus demonstrieren.

Unterschwellige Diskriminierung

Auch hierzulande machen dunkelhäutige Menschen Erfahrungen, die hellhäutige eher nicht machen. Das kann bei der Wohnungssuche der Fall sein, beim abendlichen Weggehen oder in der U-Bahn. Lillian Ikulumet ist Sozialhelferin und Journalistin und lebt seit acht Jahren in München.

Sie suchte anfangs vor allem die Nähe zu Deutschen, bemühte sich um Integration. Mehr oder weniger unterschwellige Diskriminierung gehört zu ihrem Alltag: "In der U-Bahn setzte ich mich neben jemanden und der stand auf und ging weg. Das war nicht nur einmal, das ist oft passiert. In solchen Fällen fühlt man sich so: Es gibt einen Teil dieser Kultur, der mich nicht hier haben mag, und ich gehöre nicht voll in dieses Land."

© BR / Elisabeth Möst

Jeanne-Marie Sindani stammt aus dem Kongo, seit den 1980er Jahren lebt und arbeitet sie in Deutschland. In Frankfurt hat sie Internationale Beziehungen, Volkswirtschaft und Pädagogik studiert und arbeitet als Migrationsberaterin in München.

Manchmal helfen Klischees

Als schwarze Minderheit in Bayern – das ist nicht immer leicht. Einer, der es wenigstens leicht nimmt, ist der Ghanaer Castro Dokyi Affum. Der Fitnesstrainer und Schauspieler ist in den Eberhofer-Krimis von Rita Falk zu sehen. Dort spielt er den Star-Fußballer im Dorfverein.

"Die schwarze Perle" nennen sie ihn im Film. Er selbst habe noch keine extrem negativen Erfahrungen aufgrund seiner Hautfarbe gemacht: "Die Schwarzen sind cool durch den Einfluss der USA. Das sind Rapper, die überall bekannt sind oder Tänzer. Die ganze Entertainment-Branche hat die schwarze Farbe positiv dargestellt. Die Klischees sprechen mehr für die Schwarzen als gegen sie", sagt Affum.

Kinder leiden mehr

Für Jeanne-Marie Sindani gehört Rassismus leider immer noch zum Alltag von dunkelhäutigen Menschen, vor allem beruflich und bei Ausbildungsmöglichkeiten. Sie hat auch die Erfahrung gemacht, dass Erwachsene damit besser klarkommen als Kinder, die mehr unter Diskriminierung leiden. In ihrer täglichen Arbeit als Migrationsberaterin führt sie Gespräche mit Menschen aller Hautfarben.

Afrikanischen KlientInnen versucht sie zu ermutigen, selbstbewusst zu sein, schließlich kommen sie aus der Wiege der Menschheit, erklärt Sindani . Sie begegne allen Menschen mit Respekt - sie ist damit auch ein Vorbild als schwarze Frau, die es geschafft hat, sich hierzulande zu etablieren. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, träumt sie aber trotzdem von einer Zukunft in ihrer alten Heimat, dem Kongo.

Programmhinweis: Mehr zum Thema am 17. Juni um 19 Uhr in STATIONEN im BR Fernsehen.