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Naturpark Weißachau am Tegernsee ist ein Gemeinschaftseigentum, um das sich aktuell 27 Eigentümer kümmern.

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Allmende: Ein Ort für alle, aber wer kümmert sich?

Allmende ist ein Gemeindegut, das von allen Eigentümern genutzt und gepflegt wird. Gerade in Zeiten des Klimawandels bekommt diese Form des Besitzes eine neue Bedeutung. Das Landschaftsschutzgebiet Weißachau am Tegernsee ist auch eine Art Allmende.

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Von
  • Agnieszka Schneider
  • Elisabeth Tyroller

Die Weißachau ist etwas Besonderes: Sie ist nicht nur ein Landschaftsschutzgebiet, sondern wird von 27 Miteingentümern bewirtschaftet, zwölf von ihnen sind noch aktive Landwirte.  "Wir haben jetzt eine Fläche, die wir im Herbst geschwendet, also ausgelichtet haben, Büsche und Sträucher entnommen. Und jetzt sind noch ein bisschen die Fichten zu dicht“ erzählt Landwirt Oettl, einer der Eigentümer. Er sucht in den Wäldern der Weißachau Fichten aus, die geschädigt oder krank sind. Sie werden markiert und in den nächsten Wochen rausgeschnitten – das gehört zu den pflegerischen Aufgaben der Allmende.

Der Begriff Allmende stammt aus dem Mittelhochdeutschen. Im Alten Testament wird diese Form als eine ideale Form einer gemeinsamen Nutzung von Flächen angesehen und prägte jahrhundertlang vorrangig den ländlichen Bereich. Meistens wurden diese um die Dörfer konzentriert angelegt. Auf den alten Flurkarten sind die "Spuren“ der damaligen Nutzflächen noch gut zu erkennen.

Weißachau: Der Klostergrund ging an die Klosterbauern über

Früher gehörte das Weißachtal dem Kloster Tegernsee. Die Mönche waren wohl in ihr Eigentum so verliebt, dass sie es sogar auf das Deckenfresko der Klosterkirche malen ließen. An die Decke der Tegernseer Klosterkirche hat Georg Asam um 1690 die Taufe Jesu gemalt. „Und wenn man an der Figurengruppe mit Jesu und Johannes vorbeischaut, dann sieht man nicht die Berge Galiläas und den Jordan, wo Jesus getauft wurde, sondern unverkennbar die Blauberge und die Weißach, die von Süden her in den Tegernsee fließt“, erklärt Kirchenhistoriker Roland Götz. Bei der Säkularisation wurde das Kloster Staatseigentum und die Weißachau gehörte dem König. Die ehemaligen Klosterbauern bewirtschafteten und pflegten das Land weiter und fühlen sich irgendwann auch als Eigentümer. Als sie schließlich das Gebiet einzäunen, wird es den königlichen Beamten zu bunt. Sie zeigen die Untertanen an. Wegen verschwenderischen Umgangs mit dem Holz.

Doch statt demütig die Zurechtweisung des Landgerichts zu akzeptieren, übergaben die Klosterbauern beim Königlichen Hofgericht eine Beschwerde. Und die lautete: Man wollte die Eigentumsrechte an der Weißachau geklärt haben. Sie überzeugten die Obrigkeit, dass sie sich für Dämme, Brücken und Stege verantwortlich fühlen. Und so wurde schließlich urkundlich festgelegt, dass sie als Anerkennung ihres sorgsamen und pfleglichen Umgang mit der Natur die Weißachau besitzen dürfen.

Bis heute pflegen das Gebiet die Nachkommen der Klosterbauern. Und inzwischen profitieren viel mehr als nur die Bauern davon. Auch die Gemeinde Kreuth. „Die Weißachau-Gemeinschaft ist für die Gemeinde Kreuth eine ganz wichtige Institution. Sie hat sehr viele Dinge, die unserer Infrastruktur dienen, zur Verfügung gestellt. Hier dieser Platz, auf dem unsere Vereinsheime sind, der gehört der Weißachau-Gemeinschaft. Der Kurpark gehört der Weißachau-Gemeinschaft, ganz viele Spazier- und Wanderwege laufen über Weißachau-Grund“, erklärt der Bürgermeister Josef Bierschneider.

Gemeinsam für den Erhalt der Allmende

Damit das Landschaftsschutzgebiet Weißachau gepflegt wird braucht es viele helfende Hände. Die Hauptaufgabe der Pflege liegt in den Händen der Landwirte. Doch die werden immer weniger, weil sie mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben: ungewisse Entwicklungen in der Landwirtschaft, schlechte Erzeugerpreise, immer mehr Bürokratie und fehlende Wertschätzung der Öffentlichkeit. Und so sind es immer weniger Bauern, die sich um den Erhalt der Weißachau kümmern.

Ähnliche Probleme gibt es auch woanders. Besonders in den Weltmeeren, die ebenfalls eine Allmende darstellen, beobachtet man die Übernutzung – Müll und zu viel Fischerei gefährden die wertvollen Gemeinräume. Obstwiesen, bei denen sich jeder bedienen kann, Felder, Wälder und Seen - all das ist Allmende, eine Form des gemeinschaftlichen Eigentums, das nicht nur von einem einzelnen genutzt und gepflegt wird.

STATIONEN vom 24.02.2021 - 19:00 Uhr