Volker Bruch

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#allesaufdentisch: Volker Bruch sorgt abermals für Wirbel

#allesaufdentisch: Volker Bruch sorgt abermals für Wirbel

Der "Babylon Berlin"-Star lässt nicht locker: Mit einer neuen Netz-Aktion kritisieren er und weitere Künstler die Corona-Politik und die Berichterstattung darüber. Sie fordern einen "Runden Tisch" und interviewen Wissenschaftler mehrerer Disziplinen.

Immer wieder hatte sich Volker Bruch (41), der Hauptdarsteller der populären TV-Serie "Babylon Berlin", sehr kritisch mit der Corona-Politik auseinandergesetzt und war dafür teils heftig angefeindet worden. Doch einschüchtern ließ sich der Künstler nicht, ganz im Gegenteil. Er beteiligte sich öffentlichkeitswirksam an einer umstrittenen Demo und startete jetzt mit Kollegen wie Maxim Mehmet, Jeana Paraschiva, Miriam Stein und Wotan Wilke Möhring eine neue Netz-Aktion, die "mit zunehmender Sorge" die "Entwicklung des politischen Handelns in der Corona-Krise" beobachtet: "Viele ExpertInnen wurden bisher in der öffentlichen Corona-Debatte nicht gehört. Wir wünschen uns einen breit­gefächerten, fakten­basierten, offenen und sachlichen Diskurs und auch eine ebensolche Auseinander­setzung mit den Videos."

Volker Bruch (r.) mit dem Münchner Medienwissenschaftler Michael Meyen

Bildrechte: Youtube-Kanal #allesaufdentisch/Screenshot BR

Unter dem Hashtag #allesaufdentisch ist auf Twitter bereits eine lebhafte, teils sarkastische, teils gehässige Debatte entbrannt. Kritiker sprechen von "massiver Desinformation, Hetze und Spaltung", andere loben die Initiative, weil "gewisse Konzerne und ihre Lobbyisten" angeblich nicht "möchten, das #allesaufdentisch" komme. Die Diskutanten werfen sich gegenseitig vor, in einem "Paralleluniversum" zu leben, schimpfen über "blödes Geschwurbel", "versprengte Hansel" oder klagen: "Das Blöde ist jetzt wieder, dass es einen ganzen Berufsstand trifft, wenn einige davon geballt dummes Zeug reden."

"Was ist Wahrheit, was sind Fakten"

In Videoclips interviewen die beteiligten Künstler jeweils rund zwanzig Minuten Mediziner, Virologen, Juristen, Wirtschaftsexperten und andere Wissenschaftler. Volker Bruch selbst spricht mit dem Medienfachmann Michael Meyen aus München, der Aufsehen erregte, weil er über den "Verschwörungstheoretiker" Ken Jebsen mal sagte: "Bei KenFM arbeiten Medien-Profis". Im Gespräch mit Bruch sagt Meyen nun: "Ich würde sagen, wir sollten den Begriff Faktenchecker generell in die Mülltonne treten. Da steckt eine Anmaßung dahinter, weil kein Mensch die absolute Wahrheit hat. Die Frage ist ja immer, was ist Wahrheit, was sind Fakten. Wahr ist eine Aussage, die mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Die Wirklichkeit ist das, was ohne unser Wollen da ist."

Die Website allesaufdentisch.tv, wo sämtliche Videos abrufbar sind, war wegen möglicher Überlastung teilweise nicht erreichbar. Weitere Interviewpartner sind der Virologe Klaus Stöhr, der vom Kameramann Kolja Brandt befragt wird, der Infektiologe Matthias Schrappe, der mit Schauspielerin Miriam Stein spricht und der Neurobiologe Gerald Hüther, der sich gegenüber Gernot Haas zum Thema Angst und Kommunikation äußert. Weitere Themen sind etwa "antidemokratische Sprache", "Fremdbestimmung" und "gekaufte Forschung". Der Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, Uwe Laufenberg, nimmt zur "Wahrheitsdefinition" Stellung.

Wotan Wilke Möhring

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Der NDR-Tatort-Kommissar Wotan Wilke Möhring sagt im Video: "Ich persönlich glaube nach wie vor an die im Gesetz verankerte Meinungsfreiheit, aber ich hatte dieses eine Erlebnis nach unserer Kunstaktion #allesdichtmachen, wo ich tatsächlich kurz gestutzt habe, weil wir bei dieser Kunstaktion wohl zu viel über dieses Meinungsäußerungsfreiheits-Gebaren hinausgeschossen sind, was mich total gewundert hat, weil es ja noch nicht mal eine Meinung war, sondern Kunst."

In einer Pressemitteilung von #allesaufdentisch heißt es: "Ziel ist es, die Pandemie als gesamtgesellschaftliches Problem zu betrachten, und auch denjenigen ExpertInnen Gehör zu verschaffen, die bisher, trotz ihrer oft hohen Reputation, in der öffentlichen Debatte kaum oder gar nicht wahrgenommen wurden. Bei #allesaufdentisch handelt es sich um keine feste Gruppe, sondern um einen losen Zusammenschluss von Menschen, die mit zunehmender Beunruhigung die Entwicklung des politischen Handelns und die gesellschaftliche Spaltung beobachten und mit ihrer Aktion einen Impuls für einen offenen Dialog setzen wollen."

"Transparent mit allen Bürgerinnen kommunizieren"

"Es ist Zeit für den Runden Tisch" heißt es auf der Website in einer Petition, "an dem WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen mit unterschiedlichen Standpunkten interdisziplinär und evidenzbasiert diskutieren und anschießend die Politik beraten. Wichtig ist, dass in diesem Gremium auch WissenschaftlerInnen gehört werden die nicht in institutioneller staatlicher Abhängigkeit stehen. Sämtliche Ergebnisse und daraus resultierende Maßnahmen sollen transparent mit allen BürgerInnen kommuniziert werden."

Nach eigener Aussage hat #allesaufdentisch auch bei, SPD-Politiker Karl Lauterbasch, dem Virologen Christian Drosten und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, Gespräche angefragt. Diesen hätten jedoch abgelehnt. Focus berichtet, die Aktion sei eigentlich schon für letzte Woche geplant gewesen, sei jedoch verschoben worden, weil einige Initiatoren vermeiden wollten, im Bundestagswahlkampf vereinnahmt zu werden.

Der seit dem 1. August für das ARD-Magazin Kontraste in Berlin tätige Journalist Daniel Laufer äußerte unterdessen Zweifel an Behauptungen von #allesaufdentisch. Auf seinem Twitter-Profil schreibt er, er habe seit drei Monaten eine Liste der Beteiligten, mit denen das Projekt geplant worden sei. Keine der zwanzig Personen, die angeblich auf Interviewanfragen "nicht geantwortet oder eine Teilnahme abgelehnt" hätten, sei darauf verzeichnet.

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