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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Roland Weihrauch

Homeschooling und Homeoffice: Für alleinerziehende Mütter und Väter sind die aktuellen Kontaktbeschränkungen eine besondere Herausforderung.

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Alleinerziehende im Lockdown: "Das knabbert an der Seele"

Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen, ist auch ohne Corona schon eine Herausforderung für Alleinerziehende. Deshalb helfen verschiedene Beratungsstellen Eltern und Kindern dabei, gut durch den Lockdown zu kommen.

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Von
  • Nabila Abdel Aziz

Nach wie vor sind viele Kinder zu Hause und nicht - wie vor der Pandemie - in der Schule oder im Kindergarten. Für viele Eltern sind das anstrengende Zeiten, besonders für Alleinerziehende wie Maria Maier. Sie ist 30 Jahre alt, studiert Soziale Arbeit und kümmert sich gleichzeitig um ihre vierjährige Tochter. Beides zusammen ist eine Belastung – auch ohne Corona, Lockdown und Kontaktbeschränkungen.

Die Einsamkeit der Kinder müssen Eltern ausgleichen

Damit sie alles unter einen Hut bekommt, erhält sie aktuell Unterstützung von der Familienberatung. Einmal in der Woche geht sie ins Büro des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) in München. Ihre vierjährige Tochter leidet mittlerweile sehr unter Einsamkeit, "weil sie niemanden zum Spielen hat", erzählt Maria Maier. Das bedeute, dass sie als Mutter noch mehr auffangen müsse als sonst.

Keine Gruppentreffen, nur Einzelberatung

Wegen Corona dürfen die Gruppentreffen des Verbandes aktuell nicht stattfinden, viele Veranstaltungen fallen aus. Doch zumindest Einzelberatungen für alleinerziehende Mütter und Vater dürfen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anbieten, sogar im direkten Kontakt. Sonja Guggenberger ist die Geschäftsleiterin des Verbandes, berät Alleinerziehende wie Maria Maier und gibt Tipps, wie sie gut durch den Lockdown kommen.

Eltern leiden unter Homeoffice und Homeschooling

"Das Ritual ‚gemeinsames Kochen‘ kann das soziale Gefüge stärken, dann kommt wieder Frohsinn auf und allen geht es besser", nennt Sonja Guggenberger ein Beispiel. Es sei wichtig, Familien gerade jetzt nicht allein zu lassen – egal, ob die Hilfe übers Telefon, per Videochat oder im direkten Gespräch erfolge. Viele alleinerziehende Väter und Mütter leiden unter der Doppelbelastung Homeoffice und Homeschooling, aber auch unter der sozialen Isolation - bedingt durch die geltenden Kontaktbeschränkungen. "Die Ängste der Alleinerziehenden übertragen sich dann oft auf die Kinder", sagt Sonja Guggenberger.

Corona-Pandemie "knabbert an der Seele"

Dass diese Situation für Eltern und Kinder sehr belastend sein kann, weiß auch Jürgen Wolf vom Evangelischen Beratungszentrum in München: "Das knabbert an der Seele", sagt er. "Die Leute sind sehr froh, dass sie weiterhin zu uns zur Beratung kommen können, dann kommen sie mal raus und können wieder durchatmen." Die Beratungen werden nicht weniger, sondern sind gerade sehr gefragt. Manchen Familien falle es jetzt in Corona-Zeiten vielleicht sogar leichter, Beratung und Hilfe in Anspruch zu nehmen, meint Wolf - auch, weil Hilfsangebote oft digital und übers Telefon verfügbar seien.

Auch für Berater eine Herausforderung

Nicht nur für Kinder und Alleinerziehende, auch für Beraterinnen und Berater ist die Arbeit im Lockdown besonders herausfordernd, sagt Eva Zattler von der Beratungsstelle Pro Familia. Viele ihrer Mitarbeiter leiden mit den Familien, die sie beraten.

Außerdem berge jede Beratung vor Ort ein Ansteckungsrisiko. "Wenn Beraterinnen und Berater selbst Familienmitglieder zu Hause haben, dann ist die Angst groß, die eigenen Angehörigen anzustecken oder keinen Kontakt mehr haben zu können", beschreibt Eva Zattler den Zwiespalt, in dem sich viele ihrer Kollegen derzeit befinden. Trotzdem habe bisher niemand die Notwendigkeit angezweifelt, weiter für die Familien da zu sein.

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