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Schwul, lesbisch, trans oder divers - in vielen Großstädten gibt es Gruppen und Beratungsstellen für queere Jugendliche. In ländlichen Regionen ist das anders. Dort haben es Jugendliche viel schwerer, geeignete Ansprechpartner zu finden.

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Allein gelassen - queere Jugendliche auf dem Land

Schwul, lesbisch, trans oder divers - in vielen Großstädten gibt es Treffs, Gruppen und Beratungsstellen für queere Jugendliche. In ländlichen Regionen ist das anders. Dort haben es Jugendliche viel schwerer, geeignete Ansprechpartner zu finden.

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Von
  • Iris Tsakiridis

Kevin lebt in Weiden in der Oberpfalz. Er ist 20 Jahre alt, Fachinformatiker, Single und: Er ist auf der Suche nach neuen Bekanntschaften. Über eine Dating-Plattform hat er einen Mann aus Vilseck kennengelernt, beim ersten Treffen hat er ihm seine Heimatstadt gezeigt. Kevin ist zuversichtlich, dass sie sich wieder sehen werden.

Mit seinen Gefühlen allein

Früher war es für Kevin normal, nur Mädchen zu treffen. Dass er sich auch zu Männern hingezogen fühlt, war ihm gar nicht bewusst. Erst vor zwei Jahren öffnete ihm ein Gespräch mit einem Kumpel die Augen und ihm wurde klar, dass er sich auch zu Männern hingezogen fühlt. Als er seine Bi-Sexualität entdeckte, fehlten ihm Ansprechpartner und Vorbilder. In der Schule habe er über das Thema Homosexualität nichts erfahren, erinnert sich Kevin: "Wenn ich mich richtig entsinnen kann, wurde nicht mal in einem Nebensatz erwähnt, dass es das gibt überhaupt."

Im Körper einer Frau, ist aber ein Mann

Auch Liam war lange auf der Suche nach seiner wahren Identität. Als Kind galt er eher als burschikos, Mädchensein fühlte sich für ihn irgendwie falsch an. Seine Mutter ahnte wahrscheinlich gar nicht, was in ihm vorging, als er mit neun Jahren im Kleid fürs Familienalbum posieren sollte. Er wollte partout keine Kleider anziehen, wehrte sich dagegen und niemand wusste so recht, warum.

Auf seinem Weg zur Geschlechtsangleichung hatte Liam niemanden, der ihn unterstützte. Damit ist er nicht allein. Queeres Leben ist auf dem Land generell wenig sichtbar. Das findet Liam traurig, "weil sich dadurch sehr viele Menschen aus jeglichen Altersgruppen nicht trauen zu outen."

Engagement für Gleichberechtigung und Akzeptanz

Mittlerweile steht Liam zu seiner Identität. Doch sein Selbstbewusstsein ist schwer erkämpft. Negativerfahrungen will er anderen ersparen. Deshalb engagiert er sich für die Vernetzung anderer schwuler, lesbischer und Trans-Menschen, damit sie sich austauschen und gemeinsam gegen Alltagsdiskriminierung einsetzen können. Liam arbeitet mittlerweile im Verein "Equality Oberpfalz", der für Gleichberechtigung und Akzeptanz kämpft. In einem Jugendzentrum betreut er eine Gruppe für queere Jugendliche.

Queere Sichtbarkeit auf dem Land und in Schulen

Es gibt mittlerweile mehrere Initiativen, die versuchen, queeres Leben auch an Schulen sichtbar zu machen, so wie diversity München. Eigene Teams bieten Aufklärungsarbeit, Gesprächsgruppen und Workshops an. Auch in ländlichen Regionen in Niederbayern und im Allgäu gibt es inzwischen Anlaufstellen für junge Menschen, die sich über LGBTIQ informieren möchten.

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