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Eine Berlinerin ganz oben: Alicja Kwade auf dem Dach der Met | BR24

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Eine große Ehre für die deutsch-polnische Künstlerin: Sie bespielt derzeit mit ihrer Installation "Parapivot" das Dach des Metropolitan Museums in New York. Steinskulpturen aus Norwegen und Brasilien schweben wie Planeten-Modelle über Manhattan.

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Eine Berlinerin ganz oben: Alicja Kwade auf dem Dach der Met

Eine große Ehre für die deutsch-polnische Künstlerin: Sie bespielt derzeit mit ihrer Installation "Parapivot" das Dach des Metropolitan Museums in New York. Steinskulpturen aus Norwegen und Brasilien schweben wie Planeten-Modelle über Manhattan.

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Gerade will Museumschef Max Hollein die Ausstellung auf dem Dach des Metropolitan eröffnen, da geht ein Wolkenbruch nieder. Alicja Kwade rettet sich zusammen mit allen anderen ins Innere des gigantischen Universalmuseums. Sie trägt den Segen des Himmels oder die Strafe der Götter, wie immer man möchte, mit Humor. Sie hat sich "mit den Göttern angelegt", vielleicht deshalb, weil Alicja Kwade selbst ein wenig Göttin spielt. Auf und zwischen aufrecht stehenden, rechteckigen Stahlgestellen scheinen tonnenschwere, wuchtige Steinkugeln fast schwerelos zu schweben, jeder Erdanziehung Hohn zu sprechen.

Elegantes Spiel mit Illusionen

Man fühlt sich bei "Parapivot" an Modelle des Sonnen-Systems erinnert. Es ist ein Spiel mit der Schwerkraft. Ein Spiel mit Welten-Erfassung. Mit Verstehen und Begreifen. All das zugleich mit einer großen Prise Illusion und Ironie. Die schiere Größe der beiden Skulpturen, noch dazu vor der Großstadt-Kulisse von New York mit ihrem dichten Hochhausgewirr, all das bietet eine perfekte Inszenierung. Kuratorin Kelly Baum hat die Ausstellung vorbereitet. Für sie verbindet Alicja Kwade Schönheit, Schein und Tiefe: "Ihre kritische Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Philosophie. Die Materialien, die sie verwendet. Aber auch ihr sehr elegantes Spiel mit Illusionen. Alicja verwirklicht Dinge, die es doch unmöglich auf dem Planeten Erde geben kann."

© Christina Horsten/dpa

Kugeln über Manhattan

Regen bringt die Steine zum Glänzen

Unmittelbar zu den Füßen des Museums liegt der Central Park - auch dort hat Alicja Kwade schon ausgestellt. „Against the run“ hieß das Projekt, eine schmiedeeiserne Laternen-Uhr, bei der sich nicht die Zeiger bewegten, sondern das Ziffernblatt dahinter. Damit hat Kwade das Verständnis von Zeit verwandelt, Sehgewohnheiten irritiert. Auf der Biennale von Venedig war sie vertreten. Jetzt also der Dachgarten des Metropolitan Museums. Ein großartiges Gefühl, sagt die Künstlerin. Und muss dann über sich selber lachen. Kaum hat mit dem Österreicher Max Hollein ein deutschsprachiger Museumsdirektor das Met übernommen, stellt auf dem Dachgarten eine deutschsprachige, in Berlin lebende Künstlerin aus - wobei Alicja Kwade im polnischen Kattowitz geboren wurde.

Auf das Dach des Museums prasselt unterdessen weiter der April-Regen, bringt den Stahl und die aus Brasilien bis Norwegen zusammengetragen Steine zum Glänzen. Die Gewichtslosigkeit der Kugeln ist natürlich eine scheinbare - aber, da schmunzelt Max Hollein, Sorgen um sein Gebäude macht er sich nicht.

Noch bis zum 27. Oktober auf der Dachterrasse des Metropolitan Museums New York.

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