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Algorithmen: Bewerbung beim Roboter? | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Der Roboter Pepper auf der Digitalmesse CeBIT in Hannover

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    Algorithmen: Bewerbung beim Roboter?

    Tippfehler im Anschreiben und ein ungünstiges Foto sind bei Bewerbungen künftig vielleicht kein Problem mehr. Wenn Algorithmen die Personalauswahl übernehmen, könnte das den Arbeitsmarkt fairer machen.

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    Bislang waren es Menschen, die Bewerbungsunterlagen durchblätterten und daraufhin entschieden haben, wen sie zum Vorstellungsgespräch einladen und wen nicht. Inzwischen gibt es Unternehmen, die diese Aufgabe von Algorithmen erledigen lassen, was das Job-Recruiting grundlegend verändern könnte.

    "Wir wissen, dass heute Recruiter 60 Prozent der Zeit mit Suchen verbringen und die Kandidaten zu 90 Prozent gar nicht passen." Peter Kolb, LogOn Consulting

    Peter Kolb von der Memminger Firma LogOn hat eine Recruiting-Software entwickelt, die es Personalern erleichtern soll, an die Menschen zu kommen, die sich wirklich für einen Job eignen und Interesse haben. Der Computer nimmt ihnen die Suche und die Auswahl der Kandidaten ab. "Der Recruiter soll nicht mit Papier oder dem Lebenslauf umgehen, sondern direkt mit den Menschen sprechen", sagt Kolb.

    Der Algorithmus als Headhunter

    Neben Stellenanzeigen werden soziale Medien auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger. Um Mitarbeiter zu finden, durchforstet der Algorithmus Bewerbungsplattformen wie Xing oder LinkedIn nach möglichen Mitarbeitern. "Wir schauen welche Kompetenzen hat diese Person, die Maschine versucht zu verstehen, wo liegt die Motivation des Menschen", sagt Peter Kolb. Ihm geht es nicht darum, was ein Bewerber mitbringt, sondern: "Was ist die logische Konsequenz als nächsten Job, den er machen sollte?"

    "Das Kriterium ist nicht, was ist der vergangene Job, den der Mensch gemacht hat, sondern: Was ist vermutlich der nächste Step für diesen Menschen, der für ihn Sinn macht." Peter Kolb, LogOn Consulting

    Wenn Algorithmen Kandidaten für einen Job aussuchen ginge es weniger darum, wo diese früher gearbeitet haben. Wichtiger seien die Fähigkeiten, die sie mitbringen, so Carla Hustedt vom Projekt „Algorithmen-Ethik“ der Bertelsmann-Stiftung. Inzwischen bieten mehrere Unternehmen sogenannte Robo-Recruiting-Software an. Einer Untersuchung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen zufolge nutzen inzwischen rund sechs Prozent der deutschen Top-Unternehmen eine solche Software - das sind die Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro und mehr als 250 Mitarbeitern.

    Auch der Algorithmus kann diskriminieren

    Doch der Einsatz von Algorithmen auf dem Arbeitsmarkt birgt auch Risiken. Denn nicht immer funktioniert die Software so, wie sie soll. Es kann zu Verzerrungen kommen, bei denen die selbstlernende Software die falschen Schlüsse zieht, wie beim US-Unternehmen Amazon. Dort hatte die Bewerbungssoftware systematisch Frauen diskriminiert. "Der Amazon-Algorithmus wurde mit Daten aus den letzten zehn Jahren gefüttert und hat aus den diskriminierenden Mustern gelernt", sagt Carla Hustedt von der Bertelsmann-Stiftung.

    "Die Tech-Branche hat große Schwierigkeit, Frauen anzuwerben. Unter den Bewerbungen, an denen der Algorithmus gelernt hat, waren vor allem Männer. Daran hat der Algorithmus gelernt, dass anscheinend Männer die erfolgreicheren Kandidaten sind. Er hat Bewerbungen aussortiert, in denen das Wort Frau auftauchte." Carla Hustedt, Projekt„Algorithmen-Ethik“ der Bertelsmann-Stiftung.

    Trotzdem ist Carla Hustedt davon überzeugt, dass die künstlichen Systeme fairer sein können als der Mensch. Denn bis heute spielt bei Personalentscheidungen, die von Menschen getroffen werden, die Herkunft eines Bewerbers eine große Rolle. Studien belegen, dass Bewerber mit ausländischem Namen deutlich mehr Bewerbungen schreiben müssen, bis sie zu einem Gespräch eingeladen werden.

    Name, Foto und Tippfehler in der Bewerbung bald kein Thema mehr?

    Die Software, die Peter Kolb entwickelt hat, anonymisiert daher Herkunft und Geschlecht. "Innerhalb der ersten 6 Sekunden werden die meisten Bewerbungsanschreiben vom Menschen aussortiert", sagt der Recruiting-Software-Entwickler. Dies geschehe anhand von 3 Punkten: Das Bild, der Name und Tippfehler. Weil sich die Maschine dafür nicht interessiere, habe sie einen viel offeneren Blick, so Peter Kolb. Das Ergebnis: Der Algorithmus lasse 60 Prozent mehr Kandidaten zum Unternehmen durch als ein menschlicher Recruiter. Das sind Vorschläge, die dann anonymisiert bei dem Unternehmen ankommen. Hier trifft dann aber immer noch ein menschlicher Personaler die Auswahl und lädt zum Gespräch ein. Denn eines soll der Algorithmus nicht: den Menschen ersetzen.