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"Alcina" betört und befremdet bei den Pfingstfestspielen | BR24

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"Voci celesti" - die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele widmen sich den Kastraten, den ebenso klangschönen wie bedauernswerten Geschöpfen, die einst die Musikwelt betörten. Im Mittelpunkt: Georg Friedrich Händels "Alcina" mit Cecilia Bartoli.

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"Alcina" betört und befremdet bei den Pfingstfestspielen

"Voci celesti" - die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele widmen sich den Kastraten, den ebenso klangschönen wie bedauernswerten Geschöpfen, die einst die Musikwelt betörten. Im Mittelpunkt: Georg Friedrich Händels "Alcina" mit Cecilia Bartoli.

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Dass dies der Himmel der Freuden und der Nabel des Genusses ist, das kann man wohl nur in Unkenntnis über jene magische Insel behaupten, auf der die Zauberin Alcina herrscht. Zwar bildet ihre Lust tatsächlich Helden heran, wie es heißt, doch deren Halbwertszeit ist leider nur von kurzer Dauer. Kaum gekostet verlieren sie schnell ihren Reiz und werden entsorgt und dabei vorzugsweise in Felsen oder Baumstümpfe verwandelt, deren verletztes Herz auch schon mal bluten darf. Doch nun im leicht fortgeschrittenen Alter scheint diese bisher gnadenlos auf ihre erotische Befriedigung fokussierte Frau jene Liebe entdeckt zu haben, die nicht aus dem Unterleib sondern aus dem Herzen kommt. Ruggiero heißt der Auserwählte, dessen Rolle Georg Friedrich Händel für einen Kastraten schrieb, und der - von einer ehemaligen Geliebten zurückerobert - Alcina zum Verhängnis wird. Liebend verliert sie alles: den Geliebten selbst, ihre magische Anziehungskraft, ihren Zauber und schließlich: das Leben.

© SF/Matthias Horn

"Alcina" bei den Salzburger Pfingstfestspielen: Alastair Miles (Melisso), Philippe Jaroussky (Ruggiero) und Kristina Hammarström (Bradamante)

Basierend auf Ariosts Ritterepos "Orlando furioso" greift Händels Oper ebenso tief in archaische Zauberwelten wie in jene menschlichen Abgründe, in denen sich Begierden mit Sehnsüchten und Eifersucht mit Gewaltphantasien paaren. Und so sieht man in der Salzburger Inszenierung des italienischen Regisseurs Damiano Michieletto, die in einer Art Hotellobby spielt, hinter halbdurchsichtigem Spiegelglas in all das, was sich im Unterbewussten von Alcinas Zauberinsel abspielt und damit auch in jene Welt, in der die verzauberten Exlover Alcinas als Lemuren ihrer selbst auf ihre Befreiung hoffen.

Ein Fest der Stimmen

Getragen vom barocken Atem des Dirigenten Gianluca Capuano und der Klangkunst der historischen Instrumente seines Orchester ist Cecilia Bartoli natürlich einer der Fixsterne dieser außergewöhnlichen Produktion. Ihre Stimme trillert sich mit warmer Kraft noch in jede Kantilene, vergeht in Trauer und Verletzlichkeit der liebeswunden Zauberin und scheut doch zugleich vor keiner hasserfüllten Schärfe zurück. Doch umgeben von einem großartigen Ensemble, das noch jede Arie dieser Nummernoper zu einem Genuss macht, steht an Bartolis Seite der ihr ebenbürtige Countertenor Phillipe Jarroussky, der seine glockenhelle Stimme in traumhaften Bögen zu höchsten Höhen zu jubeln weiß, sodass sie einen zugleich befremdet und betört. Und so ist diese Salzburger Alcina vor allem auch eins: ein Fest der Stimmen.

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