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Groß geworden ist die polnische Musikerin Brodka mit Kirchenmusik im Gottesdienst und der Folkmusik, die ihr Vater mit traditionellen Instrumenten in seiner Band spielte. Diesen Erfahrungsschatz nutzt sie nun für auffällig eigenständige Songs.

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Albumtipp: "Brut" von Brodka - hitverdächtige Eigensinnigkeit

Groß geworden ist die polnische Musikerin Brodka mit Kirchenmusik im Gottesdienst und der Folkmusic, die ihr Vater mit traditionellen Instrumenten in seiner Band spielte. Diesen Erfahrungsschatz nutzt sie nun für auffällig eigenständige Songs.

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Von
  • Sabine Gietzelt

Schon sehr speziell der Anfang des ersten Tracks: Flöten. Selbst für alternative Popmusik sind Flöten ungewöhnlich, aber Ungewöhnliches verlangt nach Aufmerksamkeit! Und aufmerksam entwickelt sich dann auch der erste Titel: "Come To Me", ein Stück wie in den besten Zeiten von Trip Hop, mysteriös, verhangen, schwer.

Überhaupt hat das Album eine Tendenz zu besonderen Anfängen: Auch das Intro des zweiten Songs macht neugierig. Umso größer die Verwunderung, als nur Sekunden später eine leicht behäbige, aber als Stadionhymne durchgehende Mitschunkelnummer aufs Tanzparkett humpelt. Die ersten Klänge von Song Nummer drei deuten derben Elektropunk an, es wird aber Synthiepop daraus. Was ist hier los?

Hang zum Theatralischen

In der zweiten Hälfte des Albums "Brut" sind wir schlauer. Brodka liebt das Theatralische und sie weiß genau, was gut ist. Gut sind David Bowie, Björk, Kate Bush, Queen, Broadcast, PJ Harvey. Dennoch landet Brodka mit ihrer Musik immer wieder verdächtig in der Nähe der Hitfabrik. Ein Zufall ist das nicht, eher schlau.

2004 hat die damals 16-jährige Monika Brodka den Songcontest einer polnischen Castingshow gewonnen, es folgten Platten, die Gold und Platin bekamen. Brodka wurde ein Shootingstar, allerdings nur in Polen. Sie fing an, Englisch zu singen. Denn Brodka wollte noch mehr.

Kluges Spiel mit dem Image

Groß geworden ist Brodka mit Kirchenmusik im Gottesdienst und der Folkmusic, die ihr Vater mit traditionellen Instrumenten in seiner Band spielte und sie manchmal mit ihm. Mit diesem und dem später dazugekommenen Erfahrungsschatz, den sie nach sieben intensiven Jahren im großen Musikbusiness hat, weiß Brodka, was sie will, wie sie es will und auch, was sie sich erlauben kann.

Opulente Kostüme, fulminante Bühnenshows, wechselnde Images: Mal tritt Brodka mit gut geföhnter Mireille Mathieu-Frisur auf, mal im Stil der Zwanzigerjahre mit sorgfältig gegelten Haaren, mal brav gekämmt.

Bei einer ihrer Bühnenshows waren die symmetrisch angeordneten Bauten grell und bunt ausgeleuchtet. Die eher strengen Videos sind meist in dunkleren Farben oder kaltem Weiß und Grau gehalten. Sie vermitteln Kühle und Unnahbarkeit, mit kleinen gezielt eingesetzten Pointen. Es gab auch schon ein in Pastelltönen gehaltenes Video im Sixties-Stil.

Surrealismus meets glatte Perfektion

Das Visuelle ist für Brodka so wichtig wie die Musik. Inzwischen übernimmt sie selbst die Regie für ihre Videos und Lightshows. Dass Brodka Fotografie studiert hat, könnte durchaus etwas damit zu tun haben. Beim aktuellen Video zu "Game Change" denkt man an David Byrne und den von Jonathan Demme gedrehten Konzertfilm der Talking Heads "Stop Making Sense" von 1983.

Videos seien essentiell für sie, sagt die Musikerin, und am liebsten würde sie zu jedem Song eines drehen. Anhand der Videos wird auch klar, wie sehr Brodka die Ästhetik der Vergangenheit liebt und hegt. Je nach Video sind es die Achtziger-, die Siebziger- oder Sechzigerjahre, die die Hauptrolle spielen. Ideen werden kunstvoll inszeniert und das Surreale ausgekostet. Auch das irritiert, denn die Songs wirken eigentlich zu perfekt und zu glatt dafür.

Aktuelle Bewährungsprobe

Brodka spielt mit uns. Fast alle ihre Songs setzen auf Spannung, besonders die Anfänge sind merkwürdig, sie werden aber fast alle schnell diszipliniert. Brodka weiß, wie der kommerzielle Hase läuft. Musikgeschichte und Einflüsse deutet sie nur an, um ihre eigenen erfolgsverwöhnten Songs sicher darin einzubetten. Das macht sie gut.

Jetzt muss sie sich hierzulande, in Europa oder den USA , nur noch Publikum und Fans in den kleinen Clubs erspielen. So wie andere unbekannte Künstler es sonst auch tun müssen. Obwohl Brodka in Polen ja immer in großen Stadien und Philharmonien auftritt.

"Brut" von Brodka ist beim Label Indx erschienen.

© Indx
Bildrechte: Indx

Cover zu "Brut"

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