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So klingen Thelonious Monster im dritten Frühling | BR24

© Bild: Label V2 | Audio BR

"Ein Wunder, dass wir noch leben!", meint Leadsänger Bob Forrest mit Blick auf die Drogenvergangenheit seiner Band Thelonius Monster. Er selbst arbeitet inzwischen als Drogenberater – wenn er nicht Musik macht.

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So klingen Thelonious Monster im dritten Frühling

Sie haben im Dunstkreis der Red Hot Chili Peppers angefangen – aber nie deren Bekanntheit erreicht. Jetzt feiern Thelonious Monster mit ihrem neuen Album "Oh That Monster" ihr Comeback nach 16 Jahren. Der Beweis, dass Musik ein Jungbrunnen sein kann.

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Gegründet haben sich Thelonious Monster 1984 im Dunstkreis der Red Hot Chili Peppers, allerdings haben sie trotz guter Alben und einiger legendärer Live-Auftritte deren kommerziellen Erfolg nie auch nur annähernd erreicht. Das lag wohl auch an den Drogenproblemen der Bandmitglieder und an einigen nicht besonders diplomatischen Interviews ihres Sängers Bob Forrest, die zu Zerwürfnissen mit ihren Plattenlabels führten. Nach langen Jahren mit vielen Pausen und wenigen sporadischen Live-Auftritten hat die Band jetzt das Album "Oh That Monster" vorgelegt, mit dem sie zu alter Klasse zurückfindet und endlich auch international Furore machen dürfte.

Wiedervereinigung fast in Originalbesetzung

Punk, Funk, Rock'n'Roll und Soul stehen beim Sound von Thelonious Monster Pate – nur der Jazz, an den viele bei dem an Piano-Ikone Thelonious Monk angelehnten Bandnamen denken dürften, bleibt außen vor. Allerdings beweisen die beiden Gitarristen Chris Handsome und Dix Denney in "Day After Day", dass sie nicht nur ihre Verstärker bis zum Anschlag aufreißen, sondern auch mit akustischen Gitarren ganz wunderbar grooven können. Neben Frontmann Bob Forrest und Schlagzeuger Pete Weiss waren sie schon 1984 bei der allerersten Bandbesetzung dabei, nur Bassist Martyn Lenoble ist erst Jahre später dazu gestoßen. Für Sänger Bob Forrest ist die Band eine Art Jungbrunnen – die Begeisterung seiner Mitmusiker erinnert ihn an die Anfangstage der Band: "Wir sind immer noch wütend, verletzt und verrückt genug, um über alles zu lachen. Und wir haben erst jetzt unser wahrscheinlich bestes Album gemacht. Dabei sind wir alle schon um die 60!"

Vom Drogenabhängigen zum Drogenberater

"Es ist ein Wunder, dass wir 2020 immer noch am Leben sind", sagt Bob Forrest in fast jedem Interview. Der von seinen Exzessen sichtbar gezeichnet Sänger hat jahrelang die Bühne nur betrunken oder vollgepumpt mit Drogen betreten. Nachdem er einige Male sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte, schaffte er es schließlich, clean zu werden. Mittlerweile ist er als einer der erfolgreichsten und bekanntesten Drogenberater Kaliforniens häufig auch in Podcasts zu hören. Seine Drogenerfahrungen verarbeitet er inzwischen auch in Songs und sagt, die einzige Droge, die er heute noch brauche, sei die Musik selbst.

Was Thelonious Monster auf ihrem neuen Album zu Gehör bringen, ist nicht unbedingt die Zukunft der Rockmusik, aber auf jeden Fall der Beweis dafür, dass auch Gitarren-Bands nach wie vor relevante Musik machen. Die Songs sind bissige Zeitkommentare zu Themen wie Waffenbesitz, Macht und der Verführungskraft von Drogen aller Art, die Musik ist brachialer Rock, elastischer Funk, manchmal schräg und psychedelisch oder auch seelenvoller Folk. Und obwohl dieses sechste Studioalbum von Thelonious Monster keine Politslogans enthält, war es natürlich Absicht, dass "Oh That Monster" in den USA am Tag der Präsidentenwahl veröffentlicht wurde.

© Label V2

Album-Cover von Thelonius Monster: "Oh That Monster"

„Oh That Monster“ von Thelonious Monster ist bei V2 erschienen.

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