Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Albertina zeigt Albrecht Dürer als "Meister des ersten Blicks" | BR24

© BR

Eine spektakuläre Schau, in der die "Betenden Hände" natürlich ebenso wenig fehlen wie der Feldhase und die radikalen Selbstporträts: In Wien sind fast alle Dürer-Highlights zu sehen, auch herausragende Leihgaben aus Madrid, London und Lissabon.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Albertina zeigt Albrecht Dürer als "Meister des ersten Blicks"

Eine spektakuläre Schau, in der die "Betenden Hände" natürlich ebenso wenig fehlen wie der Feldhase und die radikalen Selbstporträts: In Wien sind fast alle Dürer-Highlights zu sehen, auch herausragende Leihgaben aus Madrid, London und Lissabon.

Per Mail sharen
Teilen

Alles da in der Ausstellung im Wiener Kunstmuseum "Albertina" - fast alles, was man sich als Dürer-Liebhaber wünscht: die "Anbetung der Könige" aus den Uffizien, der Feldhase in seiner stummen, gelassenen Anmut, das weltberühmte "Rasenstück", in dem der Nürnberger Renaissance-Genius Gräser, Kräuter, Gänseblümchen in phänomenaler Detailgenauigkeit auf Aquarell gebannt hat.

Dürers Blick war kompromisslos und ohne Vorurteile

Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, steht vor just diesem "Rasenstück" und gerät ins Schwärmen angesichts der Dürerschen Meisterschaft: "Für mich ist die Aktualität des Albrecht Dürer ganz klar darin gegeben, dass er mit einer einzigartigen Vorurteilslosigkeit, mit einer Frische des ersten Blickes die Welt betrachtet. Ob er das selbst ist, wie er schon dem Verfall nahe ist, sein eigenes Geschlecht, seinen eigenen Körper beobachtet - was andere Künstler erst 400 Jahre später tun, aber dann nicht mit dieser Kompromisslosigkeit –, ob er ein Tier wie den Feldhasen, ein Haus, die atmosphärische Stimmung einer Landschaft einfängt: Immer ist es dieser 'erste Blick', den er auf die Phänomene wirft, etwa, wenn er vorurteilsfrei einen Schwarzen porträtiert, ohne Rassismus, ohne zu denunzieren, und sie ist umso erstaunlicher, diese kompromisslose Vorurteilslosigkeit, als er zugleich der virtuoseste Künstler ist, den wir uns vorstellen können – auch von Kopisten nie erreicht. Und er erhält sich aber immer die Frische des ersten Blickes."

Ein Dutzend Prunkgemälde

200 Werke zeigt die Schau in der Albertina. Den breitesten Raum nehmen Arbeiten auf Papier ein, aufbauend auf den selten gezeigten Beständen der Albertina selbst, die ja die weltweit größte und bedeutendste Dürer-Sammlung besitzt. Daneben gibt es Druckgraphiken von allerbester Qualität zu bestaunen – und ein Dutzend Prunkgemälde, die Leihgeber aus aller Welt zur Verfügung gestellt haben, vom "Prado" über das "British Museum" bis hin zum Nationalmuseum Lissabon.

© Herbert Neubauer/picture alliance

Besucherin vor den "Betenden Händen"

Seine Kunst begründet das Auge

Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder weist auf die ungeheure Bandbreite des Dürerschen Schaffens hin – von der verblüffend realistischen Naturstudie über Stadtansichten von betörender Schönheit bis hin zu den großen Porträtgemälden: "Albrecht Dürer ist ein Kind seiner Zeit, und den Humanismus, die Renaissance, das Bildungsgut der Epoche saugt er auf. Sein engster Freund ist Willibald Pirckheimer, seinerseits Übersetzer aus dem Altgriechischen und Lateinischen, also, er ist vom Wissen getrieben, aber Wissen allein begründet nie seine Kunst. Seine Kunst begründet das Auge. Wenn man von Claude Monet gesagt hat, er ist ja nur ein Auge, aber was für ein Auge, so muss man von Dürer sagen, er ist ein Auge, aber das größte Auge, das die Kunstgeschichte jemals gesehen hat."

© Fabian Nitschmann/dpa

Der Hase von Albrecht Dürer

Unglaublich gebildeter Mensch

Ob er sich selbst tabubefreit als Nackedei mit erschlaffendem Sixpack darstellt oder den Flügel einer Blauracke auf farbenprächtige Weise ins Bild rückt: Albrecht Dürer arbeitet oft – dem Geist der Zeit folgend – an der und mit der Natur. Dazu passt, dass der Nürnberger Goldschmiedsohn auch ein begabter Mathematiker war, wie Christof Metzger, Kurator der Albertina-Schau, betont: "Er war ein unglaublich gebildeter Mensch, das ist klar, er hatte ja auch Kontakte zu vielen Gelehrten in Nürnberg und darüber hinaus. Er muss zugleich ein unglaublicher Dandy gewesen sein, das kennen wir von seinen Selbstdarstellungen, er muss aber doch auch ein umgänglicher Mensch gewesen sein, das wissen wir aus seinem Tagebuch zur niederländischen Reise, was er dort für Kontakte und Freundschaften geknüpft hat. Er war sich natürlich seines Status und seines Talents bewusst. Also, ich kann mir vorstellen, dass er ein wirklich angenehmer Zeitgenosse war."

Albrecht Dürer, Superstar: In der Albertina kann man dem genialen Lebemann aus Nürnberg in den nächsten Monaten nahe kommen wie schon lange nicht.

"Albrecht Dürer" läuft bis zum 6. Januar 2020 in der Albertina in Wien.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Hörspiele, Krimis, Kinder-Angebote, Features, Dokumentationen, Gespräche und vieles mehr finden Sie in der ARD Audiothek.