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Aufführung der Urfassung der Puccini-Oper "Edgar" am Regensburger Theater im Jahr 2018.

    Ärger am Theater Regensburg: Ensemble meldet sich zu Wort

    Am Regensburger Theater herrscht helle Aufregung, seit bekannt ist, dass möglicherweise rund 40 Verträge nicht verlängert werden. Jetzt meldet sich das Ensemble zu Wort: Es geht auch um Stil, die richtige Art zu kommunizieren und Bühnenpräsenz.

    Von
    Andreas WenlederAndreas WenlederBR24  RedaktionBR24 Redaktion

    Das Theater Regensburg bekommt in einem Jahr mit Sebastian Ritschel einen neuen Intendanten. Das sorgt am Theater aber jetzt schon für Ärger. Der Grund: Im Rahmen des Intendantenwechsels sollen die Verträge von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern aus allen Sparten nicht verlängert werden. Die Betroffenen kritisieren die zukünftige Leitung des Theaters jetzt scharf.

    Vorgehen des neuen Intendanten "völlig übertrieben"

    Laut einer Stellungnahme des Ensembles handelt es sich um rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Sparten, deren Verträge nicht verlängert werden sollen. Das Vorgehen bezeichnen die Ensemblemitglieder als "völlig übertrieben". Ende September wurden den Betroffenen Termine für eine Anhörung wegen einer möglichen Nichtverlängerung zugestellt. Laut der Stellungnahme des Ensembles käme das einem Ende der Beschäftigung gleich, da hierfür, wie bei Theaterverträgen üblich, nicht einmal Gründe genannt werden müssen. Der Verweis auf den Intendantenwechsel genüge.

    Eine Frage des Stils

    Dass dieses Vorgehen des neuen Intendanten rechtlich gesehen in Ordnung ist, bestreiten die Künstlerinnen und Künstler nicht. Dagegen stört sie der Stil, in dem die neue Theaterleitung vorgehe. So habe es vorab keine Möglichkeit eines gegenseitigen Kennenlernens gegeben. "Seit seiner Berufung im Oktober 2020 warten die MitarbeiterInnen des Theaters auf Herrn Ritschels Pläne. (…) Mehrere Anfragen aus verschiedenen Sparten und Abteilungen an Herrn Ritschel, auch geäußerte Wünsche, sich beim Intendanten vorzustellen, wurden ignoriert", schreiben die Verfasserinnen und Verfasser der Stellungnahme.

    Ensemblemitglieder beklagen Kommunikation

    Die Betroffenen hätten sich eine bessere Kommunikation gewünscht. "Man kann mit Arbeitnehmenden reden und sie nicht nur als Verfügungsmasse betrachten. Man kann interne Gespräche führen oder Arbeitsproben vereinbaren." Das sei aber nicht passiert.

    Bisher neun Nichtverlängerungen ausgesprochen

    Das Regensburger Theater selbst hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass bisher neun Nichtverlängerungen ausgesprochen worden seien, weitere Gespräche fänden derzeit noch statt. Der lange Vorlauf von mindestens zehn Monaten bis Vertragsende diene dazu, dass sich die Betroffenen rechtzeitig um ein Folgeengagement bemühen könnten. Auch um soziale Härtefälle zu eruieren, gebe es die laufenden Anhörungen, teilt das Theater mit.

    Corona-Pandemie hat Lage des Kulturbetriebs verschärft

    Die Verfasserinnen und Verfasser der Stellungnahme entgegnen, dass jede Nichtverlängerung ein großer Eingriff in die Zukunft und die soziale Situation der Betroffenen sei. Die Lage werde für sie durch die noch immer bestehenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Kulturbetrieb zusätzlich verschärft. Freie Stellen an den Theatern gebe es noch weniger als sonst. Ein Folgeengagement zu finden, sei folglich noch schwerer.

    Zu wenig Rampenlicht

    Zudem bezweifeln die Ensemblemitglieder, dass es durch die ausgefallenen Auftritte genügend Möglichkeiten für alle gegeben habe, sich auf der Bühne zu präsentieren. "Nichtverlängerungen sind auch vor diesem Hintergrund zu bewerten und nicht mit zynischer Romantik à la 'Die Gaukler brauchen wieder frischen Wind um die Nase' abzutun. Wir stellen ebenfalls nicht die Zeitverträge am Theater in Frage, sondern die Praxis, wie der 'Nichtverlängerungsgrund Intendantenwechsel' gelebt wird", heißt es in der Stellungnahme.

    Ensemble: "Wir können das"

    Für einen Neustart sei es nicht notwendig, fast alle Menschen am Theater auszutauschen. "Wir hier in Regensburg wissen, wir haben in den letzten Jahren starkes und erfolgreiches Theater gemacht. Wir können das", heißt es in der Stellungnahme.

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