BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Jorge González/Elena Santos
Bildrechte: Jorge González/Elena Santos

Rekonstruktion: So war das Kinderskelett gelagert

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie

Ältestes Grab Afrikas entdeckt: Skelett ist 78.000 Jahre alt

Aus der Mittleren Steinzeit sind nur wenige Bestattungen bekannt, umso sensationeller ist der Fund, den Archäologen in einer Höhle in Kenia machten: Demnach wurde dort ein Kleinkind auf ein Kissen gebettet und in ungewöhnlicher Position begraben.

Per Mail sharen
Von
  • Peter Jungblut

Die Arbeit war mühsam und langwierig, wie oft in der Archäologie. Schon 2013 wurde in einer Höhle im kenianischen Landkreis Kilifi erstmals Knochenreste gefunden. Vier Jahre später, 2017, wurden sie dann vollständig freigelegt, aber erst jetzt, nach aufwändigen Analysen, konnte das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena Genaueres mitteilen über den sensationellen Fund. Demnach haben die Fachleute nichts weniger als das älteste bisher bekannte Grab Afrikas entdeckt, und das will was heißen – schließlich gilt die Region des heutigen Kenia als Geburtsstätte der Menschheit.

Mit zwei Zähnen fing es an

Doch ausgerechnet dort wurden bisher sehr wenige Bestattungen aus der Steinzeit gefunden. Während die Archäologen in Eurasien schon auf Grablegen stießen, die 120.000 Jahre alt sind, und in Spanien bei Burgos sogar Überreste des Homo heidelbergensis entdeckt wurden, die möglicherweise schon vor 350.000 Jahren mit einer Grabbeigabe ausgestattet wurden, sind entsprechende Belege in Afrika "sehr selten und oft nicht eindeutig", wie es in der Pressemitteilung aus Jena heißt.

Daher sei "nur wenig über den Ursprung und die Entwicklung der Bestattungspraktiken auf dem Kontinent bekannt", doch das ändere sich nun: "Durch ein Kind, das vor 78.000 Jahren am Eingang der Panga ya Saidi-Höhle begraben wurde." Zunächst seien nur zwei Zähne aus dem Boden geholt worden, dann habe sich nach einer näheren Untersuchung herausgestellt, dass die zu einem etwa dreijährigen Kind gehörten.

© Mohammad Javad Shoaee
Bildrechte: Mohammad Javad Shoaee

Die Panga ya Saidi-Höhle

"Wir begannen, Teile des Schädels und des Gesichts freizulegen, einschließlich des Unterkiefers mit einigen nicht durchgebrochenen Zähnen und der Verbindung zum Oberkiefer“, wird Professor María Martinón-Torres, Direktorin am Nationalen Forschungszentrum für menschliche Evolution (CENIEH) in Burgos zitiert: "Auch die Verbindung zwischen Wirbelsäule und einigen Rippen, ja sogar die Krümmung des Brustkorbs war auf wundersame Weise erhalten. Das alles deutet darauf hin, dass der Körper unversehrt bestattet wurde und die Verwesung direkt in der Grube stattfand, in der die Knochen gefunden wurden."

Es gab eine "vergängliche Kopfstütze"

Mikroskopische Analysen ergaben, dass die Leiche des Kindes direkt nach der Bestattung mit Erde bedeckt wurde, also nicht längere Zeit der Luft ausgesetzt war. Der Körper sei auf der rechten Seite liegend und mit zur Brust gezogenen Knien aufgefunden worden, weshalb das Forschungsteam davon ausgeht, dass das Begräbnis bewusst vorbereitet und der Körper hierfür eng umhüllt wurde. Martinón-Torres ergänzt: "Noch bemerkenswerter ist, dass die Position des Kopfes in der Grube darauf hindeutet, dass eine vergängliche Stütze vorhanden gewesen sein könnte, wie z.B. ein Kissen. Das lässt vermuten, dass die Gemeinschaft irgendeine Form von Bestattungsritus durchgeführt haben könnte."

© Mohammad Javad Shoaee

Blick in die Grabung

© Jorge González/Elena Santos

Virtuelle Grablege

Da jüngere Bestattungen aus Afrika ebenfalls Kindern galten, spekulieren die Experten darüber, ob deren Leichen in der Steinzeit möglicherweise eine "besondere Behandlung" erfuhren. In den Erdschichten, die die menschlichen Überreste enthielten, seien auch Steinwerkzeuge entdeckt worden, was darauf hindeute, dass der Homo sapiens im Gegensatz zu anderen Vorfahren des heutigen Menschen "zweifelsohne markante Technologien" nutzte.

Die Bestattung der Toten habe der Homo sapiens übrigens mit dem Neandertaler gemeinsam: "Die Gründe für das vergleichsweise Fehlen von frühen Bestattungen in Afrika bleiben rätselhaft, möglicherweise beruhen sie auf Unterschieden in den Bestattungspraktiken oder dem Mangel an Feldforschung in großen Teilen des afrikanischen Kontinents."

Verpassen war gestern, der BR-Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultursendungen und -podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen ... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!