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Adoption: Was macht Eltern zu Eltern? | BR24

© Hendrik Lüders

Annette Mingels

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    Adoption: Was macht Eltern zu Eltern?

    Susa hatte Glück mit ihren Eltern, auch wenn sie nicht die leiblichen waren. Ihr fehlte es an nichts, und dass sie adoptiert wurde, störte sie nie. Die Schriftstellerin Annette Mingels verarbeitet in ihrer Romanfigur ihr eigenes Leben.

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    Wie das Thema Adoption in Filmen dargestellt wird, daran hat sich Annette Mingels schon immer gestört – besonders wenn es darum geht, wie Adoptivkinder ihre leiblichen Eltern suchen und finden: "Dann steht der Suchende ihnen gegenüber und sagt ‘Mama‘ und dann fallen sie sich in die Arme. Das fand ich immer ausgesprochen komisch." Wenn Adoptivkinder in einer intakten Familie herangewachsen sind, sei der Mutterbegriff schließlich mit jemanden anderem besetzt, so die 47-jährige Schriftstellerin. "Und dann eine Wildfremde plötzlich Mama zu nennen, nur, weil da der gleiche Gen-Pool da ist, da hatte ich immer den Eindruck, das entspricht nicht der Realität."

    Keine aktive Suche nach biologischen Eltern

    Annette Mingels lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern an der amerikanischen Westküste. In ihrem 2017 erschienen Roman "Was alles war" erzählt sie die Geschichte von Susa, in der sie ein Detail aus ihrer eigenen Biographie verarbeitet. "Susa bin nicht ich", sagt Mingels, "aber es gibt Parallelen: Susa wurde wie ich als Säugling adoptiert."

    Eine Neugierde habe es gegeben, aber aktiv habe Annette Mingels nie nach ihren leiblichen Eltern gesucht. "Als ich erwachsen war, war die Idee immer da, ich habe gedacht, ich rufe mal beim Jugendamt an und kucke, wer das ist. Ich habe es dann tatsächlich immer vergessen – das spielte nicht so eine Rolle in meinem Leben." Als sie aber im Alter von 30 Jahren einen Brief ihrer leiblichen Mutter bekam, beschloss sie diese kennen zu lernen.

    "Du hast es nicht gern, wenn ich als deine Mutter auftrete", sagt sie, nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben und einen ersten Schluck Wein genommen hat. "Du bist es halt einfach nicht." – "Das, meine Liebe, ist nun allerdings falsch. Wenn sich die Behörde nicht getäuscht und uns irrtümlich zusammengeführt hat - was ja durchaus vorkommen kann, aber dafür siehst du deinem Vater zu ähnlich - bin ich deine Mutter. Keine gute vielleicht und keine, der du töchterliche Gefühle entgegenbringst. Aber biologisch gesehen: deine Mutter."

    Im Roman entpuppt sich Susas Mutter als Hippie, der durch die Lande zieht und noch drei weitere Kinder in die Welt gesetzt und zur Adoption freigegeben hat. Emotionale Nähe entsteht nicht zwischen Tochter und leiblicher Mutter.

    Meine Eltern waren meine Eltern

    "Erzähl mir von deiner Mutter und von deinem Vater. Waren sie gute Eltern?" – "Sie sind gute Eltern" sagte ich und legte Betonung auf das Wort "sind", denn das Elternsein hört ja nicht plötzlich auf. Das Tochtersein im Übrigen auch nicht. Immer wenn ich nach Hause komme, meine Eltern in der neunhundert Kilometer entfernten Kleinstadt besuche, schrumpfe ich auf Kindesgröße zurück, im Guten wie im Schlechten.

    Für Annette Mingels war es keine drängende Frage, wer ihre biologischen Eltern sind. "Meine Eltern waren meine Eltern", sagt Mingels, "ich habe ein Vertrauen entwickelt, ich fühlte mich auch nicht angelogen, als ich es dann erfuhr. Ich hatte den Eindruck, sie haben das eine Zeit lang von mir ferngehalten, um mich nicht zu belasten."