Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Adoption: Ein fremdes Kind wird zum eigenen | BR24

© BR

Daniel, Christiane und ihre Tochter.

Per Mail sharen

    Adoption: Ein fremdes Kind wird zum eigenen

    Als Christiane und Daniel vor sechs Jahren heirateten, wünschten sie sich eine Familie mit Kindern. Doch sie wussten, dass das nicht einfach werden würde. Das Paar hat sich schließlich um eine Adoption bemüht, ein kräftezehrender Prozess.

    Per Mail sharen

    Der Wunsch nach einer Familie war schon immer da, und ein Leben ohne Kinder wäre für Christiane und Daniel nur schwer vorstellbar gewesen. Doch ob es klappt, war für sie immer die große Frage.

    "Mit 16 habe ich erfahren, dass ich aus medizinischen Gründen keine Kinder haben kann. Am Anfang war das sehr schlimm für mich . Weil wir trotzdem eine Familie gründen wollten, haben wir gedacht: Welche Wege gibt es noch?" Christiane

    Die beiden haben sich für eine Adoption entschieden. Doch auch dabei ist ungewiss, ob man ein Kind bekommt oder nicht. Zum einen gibt es mehr Bewerber als Kinder, die freigegeben werden. Zum anderen ist eine Adoption auch für das Paar ein langer Prozess. Bewerber müssen Auskunft über ihr Einkommen, ein medizinisches Gutachten und ein polizeiliches Führungszeugnis abgegeben, auch die Paar-Beziehung der zukünftigen Eltern wird geprüft. Zusätzlich müssen sich beide mit ihren eigenen Familien und ihrer Kindheit auseinandersetzen.

    "Der Prozess des Bewerbungsverfahrens zieht sich fast ein Jahr hin. Die Mitarbeiterinnen vom Jugendamt haben immer gesagt: Diese neun Monate der Schwangerschaft haben auch Sie. Es war für uns eine wichtige Zeit, in der wir reflektieren konnten, was mit einer Adoption auf einen zukommt, was man sich auch zutraut." Daniel

    Nach der Prüfung ging es für die beiden dann plötzlich ganz schnell. Bei ihrer Tochter kam der Anruf schon zwei Monate nach Abschluss der Bewerbung.

    Offene Adoption: Kontakt zu den leiblichen Eltern ist möglich

    Bei einer Adoption gibt es keine Warteliste. Es geht darum, dass die Eltern möglichst gut zum Kind passen, oder auch zu dem Paar, dass ein Kind abgibt. Christiane und Daniel wissen relativ viel über die leiblichen Eltern ihrer Tochter: sie haben ähnliche Hobbys, die Familien ähneln sich.

    "Das sind ganz normale Leute, das könnten auch unsere Freunde sein. Wir hätten das vorher nicht gedacht, weil man ja denkt: Mensch, wer gibt denn sein Kind weg? Diesem Vorurteil begegnen wir auch oft im Alltag - die abgebenden Mütter werden verurteilt." Christiane

    Christiane und Daniel haben ein Fotoalbum zusammengestellt, in dem sich auch Bilder der leiblichen Eltern ihrer Tochter befinden. "Das schauen wir immer wieder mit ihr an", sagt Daniel, "und erzählen ihr, wie das war, wie wir übers Jugendamt gegangen sind, und wir die Adoption angestoßen haben." Die Eltern machen kein Geheimnis aus der Adoption. "Wir sagen ihr, dass sie nicht in meinem Bauch war sondern bei der anderen Frau. Und das ist für sie völlig normal", sagt Christiane.

    Die Eltern fänden es gut, wenn ein Kontakt zu den leiblichen Eltern bestünde. Dann gäbe es auf alle Seiten mehr Klarheit. Ob es einen Kontakt gibt, bestimmen später einmal das Kind oder die leiblichen Eltern selbst, die Verbindung stellt dann das Jugendamt her. Daniel und Christiane hatten übrigens zweimal Glück, sie wollten nicht, dass ihre Tochter ein Einzelkind bleibt. Vor ein paar Monaten haben sie noch einen Jungen bekommen. Fremd waren ihnen die Kinder nie, sie lieben beide, als wären sie ihre leiblichen Eltern.

    Die ganze Geschichte der Familie von Christiane und Daniel sehen Sie am 13. März 2019 in STATIONEN im BR Fernsehen oder in der BR Mediathek. In der Sendung besuchen wir auch eine Patchwork-Familie und begleiten eine Frau, die ihre leibliche Mutter sucht.