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#ActOut – Wir sind hier und wir sind viele! | BR24

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Bunte Luftballons beim Christopher Street Day

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    #ActOut – Wir sind hier und wir sind viele!

    185 deutschsprachige Schauspielerinnen und Schauspieler haben ein Manifest veröffentlicht. Sie fordern Sichtbarkeit für lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, queere, intergeschlechtliche und nichtbinäre Personen in der Film- und Fernsehen.

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    Von
    • BR24 Kultur

    Mehr Sichtbarkeit von Schwulen, Lesben, Transgender oder Menschen, die sich als queer oder nonbinär begreifen: Das fordern die 185 Unterzeichner des Manifests #ActOut. Die Gesellschaft sei dazu längst bereit, so die Meinung der Verfasser. Die Film- und Fernsehbranche aber handelt offenbar noch nicht entsprechend. Bisher hätten sie in ihrem Beruf nicht offen mit ihrem Privatleben umgehen können, heißt es in dem auf einer eigenen Webseite publizierten Text. Immer wieder sei ihnen geraten worden, ihre sexuelle Orientierung, Identität oder Gender geheim zu halten – als gutgemeinter Tipp, um die Karrieren nicht zu gefährden. Genau dieses Versteckspiel aber wollen die 185 Schauspieler und Schauspielerinnen nicht länger spielen. Sie wollen offen mit ihrer Identität und sexuellen Orientierung umgehen – ohne Karrierenachteile fürchten zu müssen und vor allem: offen sein für alle Rollen.

    Die Angst vor dem Karriereknick

    Die Schauspielerin Ulrike Folkerts etwa berichtet in einem Interview im SZ-Magazin, man habe ihr gesagt, sie könne ja keine Mutter spielen – weil sie ja lesbisch sei. "Es ist mein Beruf alles zu spielen, alles! Ohne es zu sein!“ Schauspieler sind nicht, was sie spielen, sie sind keine Mörder, keine Vergewaltiger und keine Nazis, keine Lebensretter, Erfinder oder Superhelden – sie spielen ihre Rollen nur. Das ist ihr Beruf. Trotzdem traut man ihnen offenbar mitunter nicht zu, eine Figur mit einer anderen sexuelle Orientierung darzustellen, als ihre eigene. Zumindest nicht, wenn der Zuschauer von dieser anderen Orientierung wisse. "Das sind zum Beispiel Caster*innen, die einem Schauspieler sagen: Wenn du dich outest, kann ich dich nicht mehr besetzen", berichtet Karin Hanczewski im SZ-Interview. Zusammen mit Godehard Giese und Eva Meckbach gehört die Tatort-Kommissarin zu den Initiatorin von #ActOut. "Mir wurde immer gesagt, ich solle mich nicht outen. Ständig wird mir gegenüber irgendeine Befürchtung geäußert."

    Offenheit leben und Vorbild sein

    Ihre junge Kolleg*in Oska Melina Borcherding habe auf der Schauspielschule immer wieder gehört, sie solle "ihre weibliche Energie" suchen. "Ich weiß bis heute nicht, was weibliche Energie ist, aber zufriedenstellen konnte ich, indem ich meinen Gang veränderte, Röcke trug, meine Stimme verstellte. Ich finde, dass da eine einseitige Performance verlangt wird." Mehmet Atesci beklagt sich, dass er meist nur als Schwuler oder als Türke besetzt worden sei und dann die Rolle auch noch auf Probleme damit beschränkt war. Inzwischen ist er festes Ensemble-Mitglied am Burgtheater, wo seine Fähigkeiten als Schauspieler im Zentrum stehen. Atesci findet es besonders für junge Menschen wichtig, dass sie Vorbilder haben, die mit ihrer Herkunft und sexuellen Orientierung offen umgehen und das vorleben: "Ich hätte mir als junger Heranwachsender auch Verbündete gewünscht."

    "Ein Gruppenouting ist gut, es gibt Kraft, nicht allein zu sein", sagt Ulrike Folkerts. Tatsächlich erkennt die Branche langsam das Problem. Schon im vergangenen November hatte die UFA eine Selbstverpflichtung zu "mehr Diversität in deutschen Filmen und Serien" abgegeben und angekündigt, sie strebe an, "die Gruppen Gender, People of Color, LGBTIQ+ und Menschen mit Beeinträchtigungen so abzubilden, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht". Denn ein offener Umgang mit dem Thema heißt nicht nur, die Besetzungspolitik zu ändern, es heißt auch die entsprechenden Rollen in Film und Fernsehen sichtbar zu machen.

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    Die SchauspielerInnen Godehard Giese, Ulrich Matthes, Mark Waschke, Ulrike Folkerts, Karin Hanczewski und Maren Kroymann.

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