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© Abtei Münsterschwarzach
Bildrechte: Abtei Münsterschwarzach

Die Abtei in Münsterschwarzach in Minecraft nachgebaut.

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    Abtei Münsterschwarzach in Minecraft verewigt

    Jugendliche verabreden sich wegen Corona oft online - auch zum Zocken. Damit der Kontakt nicht abreißt, wollen Kirchen sie in dieser digitalen Welt abholen. In Minecraft können die jungen Spieler zum Beispiel das Kloster Münsterschwarzach besuchen.

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    Von
    • Julia Mumelter
    • Andrea Neumeier

    In die Welt der Computerspiele eintauchen, wenn die Welt draußen wegen Corona gerade nur eingeschränkt erlebbar ist: Das ist nicht jedermanns Sache, aber für viele eine gute Ablenkung und ein angenehmer Zeitvertreib. Der Markt für Onlinespiele ist daher in der Pandemie enorm gewachsen.

    Im Kult-Spiel Minecraft tummeln sich Millionen junger Menschen und vergessen dabei oft die Zeit. Auch die Kirchen haben das entdeckt und nutzen das Spiel als Türöffner, um Kontakt zur Jugend herzustellen. Und sie freuen sich, wenn ihre Kirche digital in einem Spiel verewigt wird.

    Klosterkirche von Münsterschwarzach in Minecraft verewigt

    Der Benediktinerpater Christoph Gerhard ist begeistert von der Idee. Jean Marie Plich zeigte ihm, wie er die imposante Abteikirche Münsterschwarzach mit ihren zwei großen Türmen in Minecraft digital verewigt hat. Pater Christoph kennt sich mit Minecraft nicht besonders gut aus, aber dass man seine Klosterkirche in einem Computerspiel so gut nachbauen kann, hätte er nicht gedacht. 

    "Haben Sie das wirklich Stein für Stein nachgebaut?", will Pater Christoph Gerhard wissen. "Ja genau, Minecraft ist eine Art Lego für Erwachsene. Das komplette Gebäude habe ich nachgebaut", erklärt Jean Marie Plich. Der Benediktinerpater ist begeistert: "Am beeindruckendsten finde ich, wie die Atmosphäre in der Abteikirche getroffen worden ist. Dass ein Modell nachgebaut wird und innen die Atmosphäre so unglaublich gut rüber kommt", schwärmt er.

    200 Stunden Zeit, um die Abtei online nachzubauen

    Jean Marie Plich, der neben der Abtei wohnt und im klostereigenen Gymnasium zur Schule gegangen ist, freut sich über die Wertschätzung für seinen Nachbau. Immerhin hat er auch eine Menge Zeit in das Projekt investiert: Rund 200 Stunden hat er gebraucht, bis die Abtei halbwegs fertig war. Im Spielmodus muss jeder Klotz eigenhändig abgebaut und dann einzeln aufgestockt werden. 

    Auf dem Bildschirm sieht Pater Christoph Gerhard eine Szene, vereinfacht und in groben Pixelblöcken. Der Look erinnert an Computerspiele aus den Neunzigern und ist das Markenzeichen des sogenannten Open-World-Spiels. Es gibt dabei kein Spielziel - jeder Spieler kann selbst entscheiden, was er bauen möchte.

    Bistum Augsburg startete Minecraft-Kirchenbau-Wettbewerb

    In Minecraft eine Kirche zu bauen, ist zwar eine Nische, doch es gibt noch andere Spielbegeisterte in Bayern mit diesem Hobby. Im Bistum Augsburg hat man das erkannt und im ersten Lockdown vor einem Jahr einen Minecraft-Kirchenbau-Wettbewerb veranstaltet. Organisiert wurde er von Ordensschwester Daniela Martin, der Leiterin der katholischen Jugendstelle Kaufbeuren.

    "Unser Ziel war eine Welt aufzumachen, in der die Jugendlichen zuhause sind. Wir haben gemerkt, es sind schon viele Jugendliche, die regelmäßig da sind und in Minecraft fast schon leben", weiß die Ordensschwester. "Wir wollten einen Akzent setzen: Kirche ist da und Kirche ist auch bei euch."

    Mainzer Bischof baut auch in Minecraft

    Die Preise des Minecraft-Wettbewerbs in Kaufbeuren wurden vom Augsburger Bischof Betram Meier verliehen. Und noch ein Bischof hat vor Kurzem Gefallen an der Idee gefunden und sogar selber mitgespielt: Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat mit rund 50 Jugendlichen Orte nachgebaut, die sie während der Corona-Pandemie vermissen. Seelsorge und Zocken, das passe gut zusammen, meint er.

    Jean Marie Plich in Münsterschwarzach überlegt nach dem positiven Feedback aus dem Kloster, ob er mit dem Kirchenbauen einfach weitermachen soll. "Tatsächlich habe ich überlegt, ob ich den Kreuzgang weiterbaue oder den Würzburger Dom", sagt er. "Diesmal würde ich es besser machen, mir erst den Grundriss besorgen und nicht einfach drauf los bauen." Vielleicht braucht er für seine nächste Minecraft-Kirche dann keine 200 Stunden mehr. 

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    Bildrechte: Abtei Münsterschwarzauch

    Die Abtei in der Realität.

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