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Abschied nehmen in Zeiten von Corona | BR24

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Würdevoll Abschied nehmen von Verstorbenen? Das ist zu Corona-Zeiten kaum möglich.

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Abschied nehmen in Zeiten von Corona

Würdevoll Abschied nehmen von Verstorbenen? Das ist zu Corona-Zeiten kaum möglich und eine Extrembelastung für die Trauernden.

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Inzwischen ist das Alltag in Corona-Zeiten auf den Friedhöfen: Beerdigungen nur im kleinsten Kreis, die Aussegnungshalle darf nicht betreten werden, es gibt keine Erde, kein Weihwasser. Erst vor ein paar Tagen wurden die Bestimmungen noch einmal verschärft: Nur noch zehn Menschen dürfen zur Beerdigung, eine Liste mit den Namen der teilnehmenden Trauernden muss vorliegen und nur der engste Familienkreis darf dabei sein. Das gilt wohlgemerkt für alle, nicht nur für am Corona-Virus Verstorbene.

Beerdigungen nur im kleinsten Familienkreis

Die durch die Allgemeinverfügung der Bayerischen Staatsregierung legitimierte Not-Beerdigung ist eine Herausforderung, sagt Pfarrerin Annette von Kietzell. Besonders hart findet sie die Beschränkung auf den engsten Familienkreis - Partner, Kinder, Enkel: "Weil ich eine Bestattung hatte, wo das ein Herr war, der keine eigenen Kinder hat. Und da fand ich es besonders schlimm, dass durch diese Verordnung die Vorstellung vermittelt wird, es müssen Familienmitglieder sein. Ich denke, das ist durch unser städtisches Leben gar keine reale Größe mehr, was eine intensive Verbindung zwischen Menschen betrifft, gemeinsam geteiltes Leben ist da viel wichtiger."

Damit keine unvorhergesehenen Gäste auf dem Friedhof erscheinen, die nicht auf der Liste vermerkt sind, darf auch der Bestattungstermin nicht mehr veröffentlicht werden. Und um das Friedhofspersonal zu schützen, muss alles viel schneller als sonst gehen.

Beerdigungen ohne Blumen oder Weihwasser

Was bleibt sind die Worte, allerdings nicht in der Aussegnungshalle gesprochen, sondern direkt am Grab. Solange es nicht stürmt, ist das in Ordnung, sagt Pfarrerin Annette von Kietzell. Und sonst: Keine Erde, keine Schaufel, kein Weihwasser, keine Blumen. Aber die Pfarrerin kann das verstehen: "Wenn ich mir vorstelle, da bin ich dann dran schuld, wenn sich jemand angesteckt hat, weil ich eine Schaufel wollte, und dann haben die zehn Leute angefasst - das ist extrem schwierig. Was ich feststellen kann, ist, dass es für die Trauernden eine herbe Geschichte ist, vielleicht auch eine Zumutung. Da bin ich mal gespannt, wie wir das in einem Jahr sehen."

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