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Skulpturen weißer Fiberglas-Elefanten vor blauem Himmel

Ungeliebte Elefanten: Dekor in Hollywood

Bildrechte: Schickert/Picture Alliance
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    Abriss in Hollywood: Warum weiße Elefanten weichen müssen

    Die Oscar-Arena wird generalsaniert, da haben Relikte aus Filmen mit kolonialistischer Perspektive keinen Platz mehr. Mehrere Dickhäuter-Statuen werden abgebaut, weil sie an den umstrittenen Monumentalfilm-Regisseur D.W. Griffith erinnern.

    Von
    Peter JungblutPeter Jungblut
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    Ihm war nichts gigantisch genug: In den Frühzeiten Hollywoods sorgte der Regisseur und Produzent D.W. Griffith mit seinen mehrstündigen Geschichts-Epen für Furore. 1915 inszenierte er den Publikumserfolg "Geburt einer Nation", einen Monumentalstreifen, in dem der rassistische und rechtsextreme Ku-Klux-Klan verherrlicht wurde. Ein Jahr später entführte Griffith sein Publikum mit "Intoleranz" ins babylonische Altertum und ließ den legendären Herrscher Belsazar vor exotischen Elefanten-Säulen und anderem bizarren Zierrat auftreten.

    Dekorteile einer politisch zweifelhaften Hollywood-Ära

    An diese Ära erinnerten bis vor Kurzem die überdimensionalen Kulissen des Einkaufszentrums Hollywood & Highland, wo auch alljährlich die Oscar-Zeremonie stattfindet. Jetzt wurden die mesopotamischen Fiberglas-Dekorteile in aller Stille während der Nacht abgebaut, angeblich, damit die Passanten nicht durch herabfallende Trümmerteile gefährdet wurden. Die Eigentümer des Geländes investieren 100 Millionen Dollar in eine Generalsanierung und wollen sich nach eigener Aussage vom so altertümlichen wie politisch zweifelhaften Hollywood-Stil der Stummfilmzeit verabschieden.

    David Wark Griffith, der 1948 verstorbene Sohn eines Südstaaten-Obersten, musste sich ungeachtet seines finanziellen Erfolgs schon zu Lebzeiten heftiger Angriffe erwehren. Für manchen Filmfan wird der "Alte Süden" in "Geburt einer Nation" viel zu unkritisch als Opfer des amerikanischen Bürgerkriegs hingestellt. Während die Schwarzen von Griffith als grundsätzlich "minderwertig" bezeichnet werden, hat er ein Herz für Sklavenhalter, so dass der Ku-Klux-Klan das Werk bis heute als Propaganda-Instrument einsetzen soll. Die Bürgerrechtsbewegung NAACP nannte "Geburt einer Nation" denn auch "drei Meilen Dreck". Griffith war über seine Gegner so empört, dass er prompt ein Jahr später mit "Intoleranz" einen weiteren dreistündigen Monumentalfilm drehte, in dem er anekdotenhaft einige Fälle von mangelndem Respekt im Lauf der Weltgeschichte vorführte, von den Babyloniern bis zum damals noch tobenden Ersten Weltkrieg.

    Keine Elefanten mehr: Hollywood & Highland-Einkaufszentrum

    Bildrechte: Toms Auzins/Picture Alliance

    "Filmemachen ist demokratischer geworden"

    Das Gebäude-Ensemble zieht die Touristenmassen an, auch deshalb, weil direkt nebenan, vor dem TCL Chinese Theatre, der berühmte "Walk of Fame" mit den Handabdrücken von Filmstars zur Besichtigung einlädt. Laut Zitat in der "Los Angeles Times" sagte Chad Cress von der Immobilienfirma DJM: "Das ist eine wirkliche Gelegenheit, die Hollywood-Klischees hinter sich zu lassen, die roten Absperr-Kordeln und die großen Studios. Das Hollywood der Zukunft muss in der Tat deutlich integrativer werden und dafür stehen, wie unsere Kultur heute aussieht." Konkret verwies Cress darauf, dass es zwar weiterhin Großproduzenten geben werde, das Filmemachen mit den Online-Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram aber viel "demokratischer" geworden sei: "Wir wollen die Tatsache feiern, dass wir alle Kreative geworden sind."

    Ein bisher mit babylonischen Reliefs verzierter Bogen wird einem ähnlich großen Architekturelement weichen, dass vom Jugendstil inspiriert ist und Silhouetten von Menschen im Gegenlicht zeigt, die einerseits vor Kameras spielen, andererseits applaudieren. Nicht mehr erwünscht ist auch eine überdimensionale Liege aus Marmor der Künstlerin Erika Rothenberg mit dem Titel "Road to Hollywood". Das repräsentative "Möbelstück" aus dem Jahr 2001 sollte einst illustrieren, dass der Weg zum Ruhm je nach den Gedanken der darauf liegenden Hoffnungsträger sehr unterschiedlich sein kann. Doch im Zuge der Weinstein-Affäre geriet das Kunstobjekt in den Verdacht, eine Art "Besetzungscouch" darzustellen, Inbegriff für systematische sexuelle Übergriffe im Filmgeschäft. Schon 2017 wurde "Road to Hollywood" daher kurzzeitig abgebaut, mittlerweile jedoch wieder installiert. Jetzt droht der endgültige Umzug: "Höchste Zeit für neue Denkmäler", so Chad Cress.

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