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93 Bewerber: So heiß umkämpft ist der Auslands-Oscar 2020 | BR24

© Dave Bedrosian/Picture Alliance

Gute Aussichten: Pedro Almodovár und seine Stars

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    93 Bewerber: So heiß umkämpft ist der Auslands-Oscar 2020

    Große Konkurrenz um die prestigeträchtige Ehrung der amerikanischen Film-Akademie: Erstmals bewerben sich auch Usbekistan, Ghana und Nigeria um den Auslands-Oscar. Die deutschen Chancen sind vergleichsweise gering, der Favorit kommt aus Spanien.

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    Ob Deutschland diesmal echte Chancen hat? Die Auslandsvertretung der Filmwirtschaft hierzulande, "German Films", hatte im August das Erziehungs-Drama "Systemsprenger" von Regisseurin Nora Fingscheidt für den Wettbewerb um den Auslands-Oscar nominiert. Bei der letzten Berlinale hatte der Film über eine widerspenstige, traumatisierte Neunjährige, die es weder in einer Sonderschule, noch in einer Pflegefamilie aushält, immerhin den "Silbernen Bären" erhalten und war mit dem "Alfred-Bauer-Preis" ausgezeichnet worden. Doch Fachleute bezweifeln sehr, ob die Produktion am 13. Januar 2020 wirklich die Endrunde der besten fünf Auslandsfilme erreicht.

    Hollywood will "Stasi- und Nazi-Filme"

    Das liegt nicht nur an der diesmal zahlenmäßig besonders großen Konkurrenz von insgesamt 93 Filmen, sondern an den Vorlieben der Academy-Mitglieder. Schon die Oscar-Preisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika", 2003) hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass Amerikaner aus Deutschland "am liebsten Stasi- und Nazi-Geschichten" sehen. Dieser Eindruck wurde letztes Jahr bestätigt, als es Florian Henckel von Donnersmarcks durchaus umstrittenes Drei-Stunden-Epos "Werk ohne Autor" wenig überraschend auf die "Short List" der besten neun und sogar in die Endrunde der letzten fünf Filme schaffte. Es geht darin um einen Künstler, der aus der DDR flüchtet und mit der Nazi-Vergangenheit seiner Vorfahren konfrontiert ist, eine Lebensgeschichte, die sich nach Ansicht von Kritikern am Schicksal von Gerhard Richter orientierte, wobei Donnersmarck immer den fiktiven Charakter betonte. Wie auch immer: Es spricht wenig dafür, dass Deutschland 2020 abermals in Hollywood so erfolgreich sein wird.

    © Dave Bedrosian/Picture Alliance

    Autobiografischer Rückblick

    Almodovár kann hoffen

    Eindeutiger Favorit ist in diesem Jahr der spanische Altmeister Pedro Almodovár, der mit "Leid und Herrlichkeit" (spanischer Originaltitel "Dolor y gloria") von seinem Heimatland nominiert wurde. In dem stark autobiografischen Film blickt der Regisseur zurück auf das Leben eines Berufskollegen seiner Generation, beschreibt dessen erste Liebesabenteuer, das Verhältnis zur Mutter, zur Schauspielerei und zur Vergänglichkeit. Der Film wurde hervorragend besprochen, auch wegen der beiden prominenten Hauptdarsteller Penélope Cruz und Antonio Banderas, die Almodovárs Arbeit seit vielen Jahren begleiten. Banderas wurde für seine Darstellung des Salvador Mallo in Cannes mit dem Preis für die beste Schauspielerleistung ausgezeichnet. Außerdem hat der Film gute Chancen, am 7. Dezember in Berlin auch beim Europäischen Filmpreis berücksichtigt zu werden.

    Italien mit Mafia-Drama

    Frankreich schickt das Sozialdrama "Les Misérables" des schwarzen Regisseurs Ladj Ly ins Rennen, ein Film, der ebenfalls in Cannes zu sehen war und auch schon einige Prämierungen erhalten hat. Großbritannien ist mit "Der Junge, der den Wind einfing" ("The Boy Who Harnessed the Wind") von Chiwetel Ejiofor vertreten, nach der wahren Geschichte von William Kamkwamba, der in seinem Heimatland Malawi 2001 aus Schrott eine Windmühle zur Energieversorgung baute. Das Thema passt natürlich vorzüglich in die Debatte um die Klimaerwärmung. Italien wird mit "Der Verräter" (italienisch "Il Traditore") von Marco Bellocchio über Tommaso „Don Masino“ Buscetta, den ersten Mafiaboss, der als Kronzeuge aussagte, in den Wettbewerb gehen.

    © Galit Rodan/Picture Alliance

    Genevieve Nnaji aus Nigeria

    Nigeria mit erster Netflix-Produktion Afrikas

    Die Länder Ghana ("Azali" von Kwabena Gyansah), Nigeria ("Löwenherz" von Genevieve Nnaji) und Usbekistan ("Heißes Brot" von Umid Khamdamow) sind zum ersten Mal dabei. "Löwenherz" ("Lionheart") wurde 2018 beim Filmfestival in Toronto gezeigt und ist der erste Film, den Netflix in Afrika produzieren ließ. Genevieve Nnaji spielt darin eine junge Frau, die mit ihrem Bruder darum kämpft, die Firma des erkrankten Vaters weiterzuführen und vor dem Ruin zu bewahren.

    Bedingung für die Teilnahme an der Konkurrenz zum Auslands-Oscar ist eine Mindestlänge des Films von 40 Minuten, außerdem muss er außerhalb der Vereinigten Staaten mit überwiegend nicht-englischsprachigen Schauspielern produziert worden sein. Die Oscar-Nominierungen in allen Sparten werden am 13. Januar 2020 präsentiert. Die Preisverleihung soll am 9. Februar in Hollywood stattfinden.

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