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70 Jahre ARD: Die Historie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks | BR24

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Der Demokratie verpflichtet, unabhängig in ihrer Berichterstattung: Vor 70 Jahren wurde die ARD als feste Arbeitsgemeinschaft der Landesrundfunkanstalten gegründet. Die Geschichte und der Wandel des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland.

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70 Jahre ARD: Die Historie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Der Demokratie verpflichtet, unabhängig in ihrer Berichterstattung: Vor 70 Jahren wurde die ARD als feste Arbeitsgemeinschaft der Landesrundfunkanstalten gegründet. Die Geschichte und der Wandel des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland.

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Vor 70 Jahren wurde die ARD gegründet. Die ARD: Das sind heute über 64 Hörfunkwellen und neun Fernsehsender mit ihren dritten Programmen, außerdem Digitalkanäle wie Tagesschau24 oder das Jugend-Onlineangebot Funk. Aber was verbirgt sich hinter der "Arbeitsgemeinschaft" der einstmals bloß sechs Landesrundfunkanstalten? Wie und warum kam der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach Deutschland?

Das Radio hatte in seinen Anfangstagen etwas Magisches. Ein schwer berechenbarer Zauberkasten. Was für ein Glücksgefühl, wenn etwas zu hören ist! Eine Hörerin der ersten Stunde aus Bayern erinnert sich:

"Da gab so a kloans Kasterl mit am Stoa drin. Und mit einer Nadel san ma drin umanandagfahrn. Und da ham ma ghorcht. Und wenn ma was gherd ham, ham ma uns gfreit." ("Es gab da so ein kleines Kästchen mit einem Stein drin. Und mit einer Nadel sind wir darin umhergefahren. Und dann haben wir gelauscht. Und wenn wir was gehört haben, haben wir uns gefreut.")

Radio als Propaganda-Instrument des NS-Regimes

1924 nimmt die Rundfunkgesellschaft, die sieben Jahre später der Bayerische Rundfunk wird, in München ihren Betrieb auf. Orchestermusik, Nachrichten und Hörspiele: Radio ist auch Kino für den Kopf.

Das Radio wird in den folgenden Jahren zum Massenmedium - und damit auch zum Machtmittel. Der Hörfunk wird zu einer der wichtigsten Säulen der NS-Propaganda. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernimmt die amerikanische Besatzungsmacht den Sender in München, der nun "Radio Munich" heißt.

Die Alliierten bauen die Sendeanstalten in Deutschland wieder auf. Als die Amerikaner das Funkhaus wieder in die Hände des Bayerischen Rundfunks geben, stellt US- Gouverneur Van Wagoner klar: "Es ist wichtig, dass diese Radiostation demokratisch bleibt. Sie muss dem gesamten Volke dienen."

Der Rundfunk muss unabhängig vom Staat sein

Deshalb soll der Rundfunk nicht zentral gesteuert werden und vor allem: unabhängig vom Staat sein. Die Rundfunkhäuser werden also nicht aus der Steuerkasse finanziert, sondern durch eigene Gebühren: den Rundfunkbeitrag. Auf Länderebene entstehen "Anstalten des öffentlichen Rechts". Von Anfang an tauschen sie sich untereinander aus – ob beim Programm, bei Urheberrechts- oder Technikfragen. Im Laufe der Zeit wird der Kontakt immer enger. Im Juni 1950 wird aus der ungeordneten Kooperation eine feste Arbeitsgemeinschaft – die "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland", oder kurz: die ARD.

Ihr Ziel ist laut Satzung: "Die Bearbeitung gemeinsamer Fragen des Programms sowie gemeinsamer Fragen rechtlicher, technischer und betriebswirtschaftlicher Art." Um die dezentrale Ausrichtung zu wahren, soll sie keinen festen Chef haben – der Vorsitz wechselt unter den Intendantinnen und Intendanten. Der Rundfunkrat soll dabei die Interessen der Allgemeinheit vertreten - und überwacht die Einhaltung des Programmauftrags: Information, Bildung und Unterhaltung.

Seit 1954 auch über das Medium Fernsehen

Bald stellt jedoch ein neues Medium die Rundfunkhäuser der ARD vor neue Herausforderungen. Am 31. Oktober 1954 verkündet die Ansagerin Annette von Aretin aus München:

"Guten Abend, Verehrte Zuschauer. Heute dürfen wir uns Ihnen vorstellen: der Bayerische Rundfunk im Deutschen Fernsehen." Annette von Aretin

Ein Fernsehprogramm ist wesentlich aufwendiger und kostspieliger als der Hörfunkbetrieb. Diese Aufgabe kann nur gemeinsam gelingen. Für das Fernsehen stellt die ARD also ein Gemeinschaftsprogramm auf die Beine: Das "Erste Deutsche Fernsehen".

BR-Indendant Wilhelm: "Müssen neuen Lebenswelten gerecht werden"

Ab 1964 starten die Landesanstalten mit ihren dritten Programmen. Die nächste Herausforderung folgt, als in den Achtzigern das Privatfernsehen kommt. ARD und ZDF sind nicht mehr allein die Programm-Macher in Deutschland. Und als das Internet zum Massenmedium wird, ist die Medien-Konkurrenz schier unüberschaubar. Aber auch die Gesellschaft und damit die Ansprüche des Publikums haben sich seither verändert. Das Motto "Ein Rundfunk für Alle" scheint nicht mehr alle zu überzeugen.

Der amtierende Intendant des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm sagt über die heutige Gesellschaft: "Heute fragmentiert sie sich immer mehr in unterschiedliche Lebenswelten, immer mehr ganz unterschiedliche Lebensentwürfe. Und diesen müssen wir gerecht werden, weil alle ja uns finanzieren." Vor dieser Herausforderung stehen die ARD heute. Doch gerade in Zeiten, in denen sich "Fake News" rasend schnell verbreiten, scheinen unabhängige Instanzen wie die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten besonders wichtig.

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