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Die Berlinale unter dem Eindruck des Anschlags in Hanau | BR24

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Donnerstagabend wurde die 70. Berliner Filmfestspiele eröffnet, mit einer großen Gala. Trotzdem war alles anders, nicht nur wegen des neuen Leitungsteams. Die Frage lautete: Wie glamourös darf man ein Festival in einer solchen Situation beginnen?

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Die Berlinale unter dem Eindruck des Anschlags in Hanau

Donnerstagabend wurde die 70. Berliner Filmfestspiele eröffnet, mit einer großen Gala. Trotzdem war alles anders, nicht nur wegen des neuen Leitungsteams. Die Frage lautete: Wie glamourös darf man ein Festival in einer solchen Situation beginnen?

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Es war keine locker-flockige Gala wie in den letzten Jahren, sondern eine mit einem ernsten Ton und einer sehr politischen Ausrichtung. Der Schauspieler Samuel Finzi moderierte erstmals die Eröffnung. Die besondere Situation verunsicherte ihn sichtbar. Souverän agierte er nicht, eher bemüht. An den spielerisch sarkastischen Witz seiner Vorgängerin Anke Engelke, auch an ihre sehr persönliche Art der Moderation, kam er nicht heran.

Schwierige Vergangenheitsaufarbeitung

Finzi hatte es nicht leicht, denn der Abend stand unter dem Eindruck des schrecklichen Anschlags in Hanau. Noch dazu mussten die Filmfestspiele zuletzt einräumen, dass ihr erster Direktor von 1951 bis 1976, Alfred Bauer, ein wichtiger Funktionär in der Nazifilmindustrie gewesen war. Das wurde durch eine Veröffentlichung in der Wochenzeitung DIE ZEIT bekannt.

Auf diese Sachverhalte ging in ihrer eindringlichen Eröffnungsrede Kulturstaatsministerin Monika Grütters ein und machte klar, dass ein Publikumsfestival wie die Berlinale mit seinen Filmen auch für Weltoffenheit, Toleranz, Diversität und Dialog steht: "Wie wichtig Aufklärung ist und wie beklemmend die Lehren aus der Vergangenheit sind, das liegt angesichts rechtsextremistischen Terrors in Deutschland auf der Hand. Nie wieder sollten Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer Hautfarbe in Deutschland um ihr Leben fürchten müssen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Nicht zuletzt, weil neue politische Kräfte nationalsozialistische Verbrechen relativieren und mit Hetzparolen Ressentiments schüren. Niemals darf es eine wie auch immer geartete politische Zusammenarbeit mit diesen rassistischen und völkischen Kräften geben." Für ihre beachtlichen Worte bekam die Kulturstaatsministerin dann eine ganze Minute lang Standing Ovations.

© picture alliance / abaca

Sigourney Weaver bei der Eröffnung der Berlinale 2020

Eröffnungsfilm enttäuscht

Der Eröffnungsfilm "My Salinger Year", eine Romanverfilmung, enttäuschte hingegen. Es geht um die New Yorker Literaturagentur, die den Kultautor J.D. Salinger vertrat, den Mann, der 1951 den berühmten Roman "Der Fänger im Roggen" schrieb. In der Agentur fängt 1995 eine junge Assistentin an zu arbeiten, sie betreut die Fanpost von Salinger und kommt ihm dabei nahe. Joana Rakoff hat 2014 ein Buch über ihre Zeit in der Agentur verfasst, das jetzt verfilmt wurde. Überzeugen kann in "My Salinger Year" allein Sigourney Weaver, die die Chefin der jungen Frau darstellt und nach wie vor eine schauspielerische Wucht ist. Heute folgen bei der Berlinale die ersten Filme des Wettbewerbes um den Goldenen Bären.

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Jubiläum an der Spree: Zum 70. Mal öffnen die internationalen Filmfestspiele Berlin ihre Pforten. Mit von der Partie am Eröffnungsabend: "Alien"-Star Sigourney Weaver und Weltstar Jeremy Irons. Erste Eindrücke direkt vom Festivalareal.

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