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5 Jahre Tebartz-van Elst: So transparent ist die Kirche mit Geld | BR24

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Der Motivwagen «Wohnen wie Gott in Limburg» zeigt am 25.02.2014 in der Wagenhalle des Mainzer Carneval-Verein

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    5 Jahre Tebartz-van Elst: So transparent ist die Kirche mit Geld

    2013 stolperte der Limburger Bischof Tebartz-van Elst über explodierende Baukosten. Ein Jahr danach beschlossen die 27 Bistümer eine "Transparenzoffensive" in Sachen Finanzen. Fünf Jahre später ist klar: Kirche und Geld ist ein kompliziertes Thema.

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    Es gebe ein breit angelegtes Bedürfnis, dass die Entscheidungsgremien und Strukturen der katholischen Kirche deutlicher erklärt und nachvollziehbar gemacht werden, stellte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx 2014 bei der Ankündigung der sogenannten Transparenzoffensive fest. Die 27 deutschen Bistümer wollten ihre Rechenschaft ablegen über das Vermögen der Kirche und damit - so Marx - die Glaubwürdigkeit der Kirche fördern.

    Der Fall Limburg und die gesellschaftliche Debatte

    Vorausgegangen war die bundesweite Debatte über den Reichtum der Kirche und ihren Umgang mit dem Geld. Der Anlass: Ein Erste-Klasse-Flug nach Indien des Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und explodierende Kosten für den Bau des diözesanen Zentrums auf über 30 Millionen Euro, 6 Millionen Euro davon entfielen allein auf die 285 Quadratmeter große Dienstwohnung des Bischofs. 2014 nahm der Papst das Rücktrittsgesuch des Limburger Bischofs an.

    Der ehemalige Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande bewertet die Transparenzoffensive als großen Schritt, wenn auch nur als ersten. "Was das Bedauerliche ist, dass eine Organisation wie die katholische Kirche, die ja eine Werteorganisation ist, dieses Thema Transparenz und Veröffentlichung ja nur macht, weil man auf öffentlichen Druck dazu veranlasst worden ist."

    Die Bistümer handhaben die Transparenz unterschiedlich

    Ganz unterschiedlich sind dementsprechend die Geschwindigkeiten der Transparenz in den Bistümern. Außerdem seien bei den bisher vorgelegten Vermögensbilanzen viele hunderte Pfarrkirchenstiftungen noch nicht erfasst, sagt Thomas von Mitschke-Collande. Und die meisten der bislang vorgelegten Bilanzen sind nicht vergleichbar. Zu erklären sei dies durch die komplexen Strukturen der Bistumshaushalte, sagt der Finanzdirektor und Ökonom der Erzdiözese München und Freising, Markus Reif. So kommen zu den 750 Pfarreistiftungen in der Erzdiözese München und Freising, deren Gebäude bislang noch nicht finanziell bewertet wurden, auch noch über 1000 Pfründestiftungen. "Von Transparenz sprechen können wir derzeit, was die finanziellen Verhältnisse angeht, nur von den großen Rechtsträgern im Bistum."

    Der Fall Eichstätt und die Frage der Finanzkontrolle

    Sehr viel mehr Nachholbedarf sieht der ehemalige Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande bei der Finanzkontrolle der Bistümer. Ob Limburg oder Eichstätt, bei den Finanzskandalen zeige sich immer wieder ein Fehlverhalten der jeweiligen Gremien. Dort brauche es Menschen, die die fachliche Kompetenz hätten und den Mut, im Zweifel dem Kardinal oder Bischof zu widersprechen.

    Diese Unabhängigkeit fehlt jedoch vielen Finanzgremien der Kirche. Selbst bei der Erzdiözese München und Freising kann beim Thema unabhängige Kontrolle zumindest ein Fragezeichen gesetzt werden. So besteht eines der Gremien der Münchner Finanzverwaltung, das Metropolitankapitel, ausschließlich aus Domkapitularen, Domdekan und Dompropst. Aber auch beim Diözesansteuerausschuss und bei der Erzbischöflichen Finanzkommission ist die Zahl der Geistlichen und Angestellten der Kirche nicht gerade gering. Nur ein Teil der Mitglieder im Diözesansteuerausschuss wurde gewählt. Die Gremien seien dennoch unabhängig, sagt der Finanzdirektor und Ökonom der Erzdiözese München und Freising, Markus Reif. Die überwiegende Mehrheit in den Gremien stehe nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Diözese.

    Auch im Bistum Eichstätt gibt es inzwischen unabhängige Gremien, die die Ausgaben des Bistums kontrollieren sollen. Der Finanzdirektor ist seit einem Jahr ein studierter Kaufmann. Der Vorstoß aber kommt zu spät: Vor einem Jahr gab das Bistum bekannt, dass es mit riskanten Investitionen in US-Immobilienprojekte womöglich bis zu 60 Millionen Dollar verloren habe.

    Sendung

    Katholische Welt

    Von
    • Daniel Knopp
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