Helmut Fischer (Mitte) als Monaco Franze
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Helmut Fischer (Mitte) als Monaco Franze

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40 Jahre Monaco Franze: Wie ewig ist der Stenz?

Sätze wie "A bissl was geht immer" sind zur Redensart geworden. Aber gehen diese Sprüche eigentlich immer noch und die Art, wie der Monaco Franze bei Frauen angebandelt hat? Besteht die Serie zum 40. Jubiläum den "MeToo"-TÜV?

Über dieses Thema berichtet: kulturWelt am .

Noch so ein Monaco Franze-Spruch: "Spatzl, schau, wie ich schau!" Und tatsächlich: Das Monaco-Franze-G'schau von Helmut Fischer war sehenswert. Unnachahmlich. Ein Hingucker! Fischer beherrschte ihn perfekt, diesen besonderen Gesichtsausdruck – in zwei verschiedenen Grund-Spielarten: Als Blick des Connaisseurs, der die Objekte seiner Begierde mit Kennermine ins Visier nahm, die Lippen süffisant-verschmitzt geschürzt, während die sich noch unbeobachtet wähnten. Aber eben auch die treuherzige Variante, vermeintlich ohne Arg, als könne er kein Wässerchen trüben, wenn er Frauen aus dunklen Augen tief in die ihrigen sah.

Darf der ewige Stenz das in alle Ewigkeit so weitertreiben?

Dabei ist es freilich weniger die Frage, ob der 80ies-Bavarian-Gigolo-Typ, den Helmut Fischer vor 40 Jahren geradezu idealtypisch verkörperte, die Frauen auch heute noch reihenweise zum Dahinschmelzen bringen könnte. Fraglich, ja manchen geradezu fragwürdig scheint vielmehr, ob man dem Monaco Franze das jetzt ganz grundsätzlich noch so durchgehen lassen kann, wie er Frauen, die in sein Beuteschema passen, so ungeniert anbaggert? Darf der ewige Stenz das in alle Ewigkeit so weitertreiben auf dem Bildschirm? Oder schrillen da womöglich die MeToo-Alarmglocken, wenn er zum Beispiel die Elli, eine seiner vielen Liebschaften, einfach so auf der Straße schräg von der Seite als "Fräulein" anspricht, um sie auf einen Kaffee oder gleich ein Abendessen "in einem schönen Restaurant" zu überreden?

Jeder kennt einen Monaco Franze

"Und ewig lockt der Stenz", heißt ein Geburtstags-Special des BR-Fernsehens zum vierzigsten Serienjubiläum, in dem Moderatorin Caro Matzko Mitwirkende von damals trifft und auch ihnen immer wieder diese Frage stellt: ob man da nicht ein wenig Bauchschmerzen bekommt, wenn man dem Monaco heute so zuschaut? Ach, woher denn, antwortet Gisela Schneeberger, die damals die Elli gespielt hat: "Ich bin im Herzen Feministin. Aber das war halt damals diese Zeit. Und die Frauen haben den Monaco ja auch benutzt." Und überhaupt, jeder habe damals so einen Strizzi gekannt. Oder eine Elli. Woraus Schneeberger schließt, dass auch das den Erfolg er Serie ausgemacht habe, nämlich dass "jeder sich darin wiedererkennen konnte."

"Monaco Franze" nur noch mit Trigger-Warnung sendbar?

Ja, so war das wohl damals. Aber wie schaut es aus bei jungen Frauen, die heute im Elli-Alter sind, so wie Gisela Schneeberger damals? Finden die sich auch noch in der Serie wieder? Gar nicht so leicht, auf der Straße junge Frauen zu finden, denen der "Monaco Franze" überhaupt noch etwas sagt. Findet man nach längerer Suche doch welche, fällt das Meinungsbild kontrovers aus. Klar könne man die Serie auch heute noch ansehen, findet eine Passantin, man wisse ja, dass das früher halt so gewesen sei. Und vielleicht sei das ja Anreiz, sich gerade deshalb heute nicht mehr so sexistisch zu verhalten. Eine andere junge Frau dagegen stellt entschieden fest: "Ich würde mir das heute nicht mehr anschauen." Denn: Wenn man vielleicht Ähnliches schon selber erlebt habe, könne einen das triggern. Sollte man dem "Monaco Franze" also womöglich eine Trigger-Warnung voranschicken? Bitte nicht, würde da vermutlich der Schauspieler und "Monaco Franze"-Fan Sebastian Bezzel rufen.

Der Stenz ist kein Macho

Bezzel kommt auch im BR-Geburtstags-Special "Und ewig lockt der Stenz zu Wort" und gibt zu bedenken, dass der Stenz zwar ein moralisch bedenklicher Typus sei, aber "er ist keiner, der über Macht und Abhängigkeiten arbeitet." Das gilt ganz besonders für den Stenzen, wie Helmut Fischer ihn interpretiert hat. Zum echten Macho fehlt ihm gänzlich das Grobe, Gefährliche. Als Monaco Franze flirtet er zwar mit Hingabe, würde sich aber nie dazu hinreißen lassen, körperlich zudringlich zu werden. Auch ist er ganz bestimmt keiner, der vor lauter Maskulinität kaum mehr gehen kann.

Sehnsucht nach la dolce vita

Sein Gang, federnd wie die Titelmelodie der Serie, hat eine Lässigkeit, die ursprünglich aus dem Leiden kommt: Helmut Fischer hatte schlichtweg Bandscheibenprobleme. Dieser körperliche Schmerz hat sich auch auf die Psyche der Figur übertragen, wurde "mehr seelisch, verstehn’s!", um das Drehbuch zu zitieren, und drückt sich aus in einer unstillbaren Sehnsucht nach la dolce vita. Nicht umsonst wird dieser Stenz, der eigentlich Franz Münchinger heißt, Monaco genannt. Sein München ist definitiv die nördlichste Stadt Italiens. Heute würde er seine Stadt vermutlich nicht wiedererkennen. So wie nun umgekehrt manche mit ihm fremdeln. Weshalb man die Serie wohl so nicht mehr drehen würde. Aber anschauen? Anschauen kann man sie nach wie vor mit allergrößtem Vergnügen!

Alle Folgen der Serie "Monaco Franze - Der ewige Stenz", sowie das Geburtstags-Special "Und ewig lockt der Stenz" zum 40. Serien-Jubiläum stehen ab heute in der ARD Mediathek. Am kommenden Dienstag (25.7.2023) um 20.15 Uhr ist das Special auch im BR Fernsehen zu sehen, wo zudem alle zehn Folgen wiederholt werden - ebenfalls ab 25.7., jeden Dienstag zwei Folgen im Doppelpack.

Im Video: Der Monaco Franze feiert 40. Geburtstag

Moderatorin Caro Matzko wähernd des Drehs zum Monaco Franze- Jubiläumsfilm "Und ewig lockt der Stenz". Links im Bild Thomas Schwendemann, Buch und Regie, rechts: Tom von der Isar, Aufnahmeleitung und in Rückenansicht: Jost Bradke, Kamera
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Making of "Und ewig lockt der Stenz"

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