Im Oktober 2021 hatte die Filmwirtschaft noch weniger Sorgen

Russisches Kino: Übertragung eines Weltraumstarts

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    300 Millionen Euro täglich: So teuer kommt Russland der Krieg

    300 Millionen Euro täglich: So teuer kommt Russland der Krieg

    Nach Angaben aus dem russischen Finanzministerium steigen die Kosten für Putins Angriff auf die Ukraine in schwindelerregende Höhen. Die Wirtschaft leidet furchtbar, die Perspektiven sind katastrophal - und für die Kultur ist kein Geld mehr da.

    Eigentlich kann derzeit niemand beziffern, wie kostspielig der Krieg für Putin real wird, denn der offizielle Rubelkurs ist politisch manipuliert und entspricht in gar keiner Weise den tatsächlichen wirtschaftlichen Kräfteverhältnissen. Gleichwohl veröffentlichte das russische Finanzministerium aktuelle Haushaltszahlen für April, und demnach schlugen die Militärausgaben mit 628 Milliarden Rubel zu Buche, was fast einer Milliarde Rubel pro Stunde entspricht.

    Wird der geltende Wechselkurs zu Grunde gelegt, kamen im April umgerechnet gut neun Milliarden Euro Kriegskosten zusammen - viel zu viel Geld, als dass Russland dieses Ausgabeniveau lange durchhalten könnte. Zum Vergleich: In guten Zeiten nahm Moskau monatlich rund 14 Milliarden Euro im Öl- und Gasgeschäft ein, doch dabei dürfte es kaum bleiben. Weil Russland nach dem Rückzug fast aller westlichen Konzerne ökonomisch isoliert ist, wird der Gesamthaushalt derzeit zu fast zwei Dritteln vom Energieexport finanziert, was zeigt, dass ein Boykott von russischem Öl und Gas durch den Westen den Kreml katastrophal treffen würde.

    Staatshaushalt rutscht in rote Zahlen

    Das kremlkritische Onlineportal "Meduza" vergleicht die täglichen Kriegskosten mit dem Jahresbudget mancher kleineren russischer Region, wie zum Beispiel Kalmückien am Kaspischen Meer oder der Autonomischen Jüdischen Region im Fernen Osten. Obwohl die Einnahmen aus Erdöl- und Erdgas-Exporten zunächst noch munter sprudelten, rutschte der russische Staatshaushalt im April erstmals in die roten Zahlen. Kein Wunder, angesichts der Tatsache, dass allein im laufenden Jahr bisher rund 24 Milliarden Euro für die Rüstung fällig wurden, bekanntlich mit wachsender Tendenz. Ein Vielfaches dessen, was Russland für Bildung und Kultur ausgibt.

    Ein Militärexperte der "Komsomolskaja Prawda" schätzte den Preis einer einzigen, in Russland hergestellten "Kaliber"-Lenkwaffenrakete auf rund 350.000 US-Dollar. Amerikanische gleichwertige Raketen sollen demnach einen Stückpreis von 1,5 Millionen US-Dollar haben. Bei solchen Kalkulationen mögen propagandistische Aspekte im Spiel sein. Wie auch immer: Diese Hightech-Raketen sind enorm teuer, dennoch will Russland die Produktion hochfahren - was mangels Chips aber wohl eine Illusion bleiben dürfte.

    Für die Kinos gibt es keine Soforthilfe

    Lächerlich wirkt da geradezu der Betrag, den die russischen Filmtheater für ihre Rettung verlangten. Sie hofften, rund 100 Millionen Euro vom Staat zu bekommen, damit sie die Durststrecke ohne Hollywood-Filme überleben. Derzeit werden restaurierte sowjetischen Filme wiederaufgeführt, mit der entsprechend mageren Publikumsresonanz. Die Medien sind voll mit Warnungen, dass wohl viele Kinos demnächst zu Warenhäusern, Cafés oder Secondhand-Läden umgebaut werden.

    Branchenfachmann Roman Isajew sagte dem "Kommersant", die Krise der russischen Filmwirtschaft werde sich dramatisch verschärfen: "Dieser Prozess wird sich beschleunigen, da viele die Entscheidung zur Schließung verschoben und versucht haben, Schulden zu machen, in der Hoffnung, dass es Hilfe vom Staat gibt, und dass es sich schon irgendwie rechnet. Aber jetzt gibt es zumindest für die nahe Zukunft keine derartigen Erwartungen mehr. Kinos bewegen sich irgendwo am Ende der Rangliste. Vielleicht eines Tages, aber aktuell gibt es keinerlei Ressourcen, um ihnen zu helfen."

    Konsumgüter ab Herbst knapp

    Der frühere russische Wirtschaftsminister Andrei Netschajew (69) warnte die Russen inzwischen vor einer ernsthaften Verknappung von Konsumgütern im Herbst und einem weiteren spürbaren Preisanstieg. Die Lagerbestände an importierten Rohstoffen würden Mitte des Jahres erschöpft sein. Solche Warnungen häufen sich. Und vom ukrainischen Militär kommt die Beobachtung, die russischen Truppen würden sich an Teilen der Front, etwa rund um die Großstadt Cherson, aufwändig "eingraben", um die erreichten Gebietsgewinne vor Angriffen zu sichern, was teure Ingenieur-Bauwerke erfordert. Die Kriegskosten dürfte das nicht gerade verringern.

    Wenig verwunderlich, dass mangels Nachfrage ein Drittel der Hotels auf der Krim in dieser Sommersaison nicht eröffnen will. Nach Ferien am Meer steht begreiflicherweise wenig Russen der Sinn, müssen sie doch nahezu täglich Spekulationen lesen, wann die Ukraine wohl die wichtige Straßen- und Zug-Brücke zur Krim bombardieren werde. In den zurückliegenden "Maiferien" lag die Auslastung in den dortigen Hotels nach Informationen des "Kommersant" bei gerade mal 10 bis 15 Prozent.

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