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25 Jahre "Space Night": Kosmisches Konzert in München | BR24

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Im Sommer 1994 ging die "Space Night" an den Start, zunächst im BR Fernsehen, mittlerweile bei ARD alpha. Das gute alte Testbild wird seitdem durch Aufnahmen aus dem All ersetzt. Jetzt gibt es zum 25-jährigen Jubiläum ein Konzert in München.

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25 Jahre "Space Night": Kosmisches Konzert in München

1994 ging die "Space Night" im BR Fernsehen an den Start: Atemberauende Aufnahmen aus dem All anstelle des guten alten Testbildes – und eine philosophische Übung ohne Philosophen. Zum Jubiläum gibt es am 2. Juli ein multimediales Konzert in München.

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Männer, die auf Sterne starren, das hat, keine Frage, etwas Philosophisches. Der Blick nach oben regt zum Denken an. Nicht umsonst ist die sokratische Fabel vom Mann, der in den Brunnen fällt, weil er in den Himmel glotzt, eines der ersten philosophischen Selbstporträts. Und, alle Achtung, ein ziemlich selbstironisches. Die Fabel zeigt allerdings auch, dass er nicht ungefährlich ist, der Blick nach oben. Zumindest das Tagwerk erledigt man besser mit Blick nach vorn – für Weltflucht und Raumlust ist dagegen die Nacht reserviert. Auch im Bayerischen Rundfunk: Seit 25 Jahren gibt es sie, die "Space Night", philosophisches Fernsehen ohne Philosophen. Dafür aber mit Musik, die dem schlaflosen Couchgrübler zu Hause verrät, wie er die Sterne zu lesen hat.

Sprung zurück ins Happy Space Age

Dass diese Info ziemlich unterschiedlich ausfallen kann, zeigt der Blick auf das Programm der "Space Night in Concert II" am 2. Juli in München. Da hätten wir zum Beispiel das: Filmmusik zu "Superman": "Da ist ganz klar: das ist einfach heroisch, bombastisch und die Stimmung ist vorprogrammiert", sagt Patrick Hahn, der das Konzert des Münchner Rundfunkorchesters im Circus Krone Abend dirigieren wird. "Superman", das ist der Sprung zurück ins Happy Space Age. In die 50er- und 60er-Jahre, als die Raumfahrt mit aller Macht in die amerikanische Popkultur drängte. Noch Zukunftsmusik und gerade deshalb ein großes Versprechen, das lautete: Freiheit. Bedenken eher nicht, Angst schon gar nicht. Mit gereckter Faust geht’s stur geradeaus. Die Bläserfanfaren am Anfang, ein Aufbruchssignal – nicht um zu entdecken, sondern zu erobern. Der Blick nach oben, ins All, ist hier ein unbeirrter Blick nach vorn.

Wenn Visionen Wirklichkeit werden

Das gilt auch noch für die Titelmusik von "Star Trek", der Serie, die etwa so alt ist wie die Mondlandung. Und doch hat sich etwas verändert. Auch eine Fanfare klar, aber viel umwegiger. Da schwingt ein Moment der Unsicherheit, der Selbstbefragung mit, wie es vielleicht typisch ist, wenn Visionen wirklich werden – was der Raumfahrt vor 50 Jahren unglücklicherweise ja passiert ist. Da steht der Mensch also endlich auf dem Mond, schaut hoch in den Weltraum und merkt, dass sich seine Perspektive so großartig gar nicht verändert hat. Da draußen liegt noch genauso viel im Dunklen wie davor. Genau gesagt, eine Unendlichkeit.

© picture alliance/Mary Evans Picture Library

Commander Spock – bekanntes Gesicht aus dem "Star Trek"-Universum

Große unbeantwortete Fragen

"Beyondness", diese Musik aus der Feder von John Barry, mimt sozusagen den staunenden, den faszinierten Blick in diesen unerforschten Raum. Der leuchtende Streichersound, die frei schwingenden, elegischen Melodien. Dazu die Modulationen, der gravitationslose Drift durch die Tonarten: eine Weite, in der man sich verlieren kann. Im Positiven, aber auch im Negativen, wie Charles Ives in seinem Stück "The Unanswered Question" zeigt. Dort wird die Sphärenharmonie empfindlich gestört von einer Trompete, die gelassen aber ziemlich hartnäckig immer wieder dieselbe Frage stellt, meint Patrick Hahn: "Das ist wirklich der totale Gegenpol zu dem restlichen Programm eigentlich. Alles andere ist so positiv oder romantisch verträumt. Und diese 'Unanswered Questions', die sind genau das, was das All für einen Amateur, der da reinblickt, eigentlich ist. Man stellt sich die Frage: Was ist da sonst noch? Was ist der Sinn dieses Ganzen? Und schaut in den Himmel und merkt, man ist nicht einmal ein Sandkorn in diesem ganzen Getriebe. Diese Frage lässt sich aber nicht beantworten."

Manchmal stößt man gerade da auf sich selbst, wo man sich am wenigsten zu finden glaubt. Die raumfahrende Menschheit kann davon ein Lied singen: Ausgerechnet den eigenen Heimatplaneten hat sie dabei neu entdeckt. Vom All aus betrachtet ist die Erde erstaunlich klein. An dem Gedanken begrenzter Ressourcen kommt man da schwer vorbei. Der Blick zu den Sternen – und nichts anderes ist die Erde vom All aus betrachtet – endet also nicht zwangsläufig mit einem Brunnensturz wie in der Fabel des Sokrates. Manchmal taugt er im Gegenteil dazu, den Sturz zu vermeiden. Soll heißen: Umwelt und Klima vor der menschlichen Ignoranz zu schützen. In diesem Sinn sei den politischen Entscheidern die "Space Night", das nächtliche Sternegucken, wärmstens empfohlen.

Zum 25-jährigen Jubiläum der "Space Night" präsentieren ARD-alpha und das Münchner Rundfunkorchester am Dienstag, 2. Juli 2019, eine multimediale Reise durch Raum und Zeit, Bild und Ton: "Space Night in Concert II", 19:30 im Münchner Circus Krone.

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