BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

2019: Ein bewegtes Jahr für Papst Franziskus | BR24

© picture alliance / newscom

Papst Franziskus

Per Mail sharen
Teilen

    2019: Ein bewegtes Jahr für Papst Franziskus

    Es ist viel passiert in der katholischen Kirche im Jahr 2019: Das Dauerthema Missbrauch beschäftigte den Papst, aber auch die Frage, ob verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden sollen. In Deutschland hingegen bestreikten Frauen die Kirche.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Fast sieben Jahre ist Papst Franziskus jetzt im Amt. Vom ersten Tag an richteten sich große Erwartungen an den ersten Nichteuropäer an der Spitze der katholischen Kirche. Auch 2019 hat er Hoffnungen beflügelt und Kritik provoziert.

    "Zero Tolerance", null Toleranz bei Missbrauch. Das fordern Missbrauchsopfer im Februar 2019 bei täglichen Demonstrationen in Rom. Sie erzählen ihre Geschichte, öffentlich. Sie klagen an: Die katholische Kirche hat zugelassen, dass Priester und Ordensleute jahrzehntelang Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchten.

    Krisenkonferenz zum Thema Missbrauch im Vatikan

    Papst Franziskus hat zu einem Krisentreffen in den Vatikan gerufen. Zehntausende Missbrauchsfälle sind in den letzten Jahren bekanntgeworden. Vier Tage beraten Bischöfe aus der ganzen Welt. Wie lässt sich Missbrauch verhindern? Was geschieht mit Tätern? Wie hilft man Opfern? Die erwarten viel vom Papst. Erst nach und nach erfüllt der Papst Forderungen der Opfer und mancher Ortskirchen.

    So hebt er Ende 2019 das sogenannte päpstliche Geheimnis bei Missbrauchsverfahren auf. Ein päpstlicher Erlass macht ab jetzt alle Fälle von Missbrauch und Vertuschung anzeigepflichtig. In Deutschland gilt das schon seit Jahren, in anderen Teilen der Weltkirche hatte man das Thema lange verdrängt.

    Papst-Vertraute vor Gericht

    Auch höchste Würdenträger wie der frühere Kardinal Theodore McCarrick sind in diesen Skandal verstrickt. Der frühere Erzbischof von Washington wird vom Papst wegen sexuellen Missbrauchs in den Laienstand versetzt.

    Im australischen Melbourne verurteilt ein Gericht den ehemaligen Erzbischof, Kardinal George Pell zu sechs Jahren Haft. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, zwei Chorknaben missbraucht zu haben. Pell besteht weiter auf seiner Unschuld. Für die Spitze der katholischen Kirche ist das Alles ein ungeheurer Skandal.

    Brisante Fragen bei der Amazonassynode

    Themen, die ganz oben auf der Agenda dieses Papstes stehen, sind Ökologie und soziale Gerechtigkeit. Im Sommer 2019 steht der Regenwald am Amazonas in Flammen. Vor einem "selbstmörderischen Lebensstil" hatte Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si" gewarnt, vor einer "Wirtschaft, die tötet" im Lehrschreiben "Evangelii Gaudium".

    Drei Wochen prägen Indigene das kirchliche Leben in Rom. Wenn sie Figuren indianischer Gottheiten in katholischen Kirchen verehren, ist das für die einen die von Franziskus angeregte "Suche nach neuen Symbolen und Bildern", für andere hingegen ein Sakrileg. Auf der Synode geht es noch um mehr. "Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie", so der Titel der Bischofsversammlung.

    Der Papst hat auch die Rolle der Frauen auf die Tagesordnung gesetzt und eine mögliche Priesterweihe für verheiratete Männer, sogenannte "viri probati". Das könnte gegen den Priestermangel am Amazonas helfen, stößt in Rom aber auch auf Kritik. Spekulationen über ein Ende des Pflichtzölibats weist der Papst aber zurück.

    Der Protest der Frauen

    Im Mai 2019 treten in Deutschland Tausende katholische Frauen in den Kirchenstreik. Eine Woche lang betreten sie keine Kirche und lassen ihre Ehrenämter in den Gemeinden ruhen. Stattdessen feiern sie vor den Portalen Gottesdienst.

    Zu den Forderungen der Aktion "Maria 2.0" gehören die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Priesterweihe für Frauen. Papst Franziskus spricht sich zwar immer wieder für eine stärkere Mitwirkung von Frauen in der Kirche aus, ihre Weihe schließt er unter Berufung auf Johannes Paul II. aber aus.

    Der synodale Weg in Deutschland

    Am 1. Advent 2019 nimmt in München der synodale Weg seinen Auftakt. Aufgerüttelt vom Missbrauchsskandal wollen Laien und Bischöfe zwei Jahre über strittige Themen reden – über Machtverteilung, Klerikalismus, Zölibat und die Rolle der Frau.

    Im Vatikan beobachtet man das sehr aufmerksam. In einem Brief an die deutschen Katholiken begrüßt der Papst einerseits deren Engagement. Er warnt in dem 19-seitigen Schreiben aber auch vor nationalen Sonderwegen, die die Einheit der Weltkirche gefährden könnten.

    Dialog der Religionen

    Die vatikanischen Farben über Abu Dhabi. Als erster Papst besucht Franziskus Anfang 2019 die arabische Halbinsel, das Ursprungsland des Islam. Höhepunkt der Reise ist eine Begegnung mit Großscheich Al-Tayyeb. Er gilt als einer der einflussreichsten sunnitischen Islamgelehrten.

    Gemeinsam unterzeichnen beide eine Erklärung, in der sie vor religiösem Fanatismus und Gewalt warnen. Die Beziehungen zum Islam sind Franziskus wichtig, auffallend oft bereist er islamische Länder. Eine zentrale Rolle im Dialog der Religionen spielt Miguel Ayuso Guixot. Im Oktober 2019 hat Franziskus den Islamwissenschaftler zum Kardinal ernannt.

    Papst Franziskus stellt Weichen für die Zukunft

    Mit der Auswahl seiner Kardinäle stellt der Papst auch die Weichen für die Zukunft der Kirche. Viele der neu Ernannten werden irgendwann seinen Nachfolger bestimmen. Bereits mehr als die Hälfte der derzeit Wahlberechtigten haben ihr rotes Birett von Franziskus erhalten. Sie werden darüber entscheiden, ob Prozesse weitergeführt werden, die Papst Franziskus angestoßen hat.