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Jukebox, Fernseher, Bierzelt und Universität: YouTube wird 15 | BR24

© Christian Schiffer/BR

"Ich im Zoo" betitelte YouTube-Mitbegründer Jawed Karim das erste überhaupt hochgeladene YouTube-Video. Inzwischen gibt's auf der Video-Plattform fast Profi-Fernsehen. Ein Rückblick.

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Jukebox, Fernseher, Bierzelt und Universität: YouTube wird 15

"Ich im Zoo" betitelte YouTube-Mitbegründer Jawed Karim das erste überhaupt hochgeladene YouTube-Video. Inzwischen gibt's auf der Video-Plattform fast Profi-Fernsehen. Ein Blick auf das rasante Wachstum und neue Trends.

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"Me, at the Zoo", "Ich im Zoo", so heißt ein kurzer Clip auf der Video-Plattform YouTube. Ein junger Mann steht im Anorak vor einem Elefantengehege und sagt, dass Elefanten echt cool sind, weil sie so lange Rüssel haben. Der junge Mann, das ist Jawed Karim, einer der drei Mitgründer von YouTube. Und der 18 Sekunden lange Clip ist das erste Video, das jemals auf YouTube hochgeladen wurde – und gefühlt einer der langweiligsten. Selten hat eine Revolution unscheinbarer begonnen.

Generiert neue Formate und versammelt ganze Welten

Heute werden auf YouTube pro Minute etwa 400 Stunden Videomaterial hochgeladen, bald dürften es wohl 500 Stunden sein. YouTube, das ist heute Jukebox und Fernseher, Schaufenster und Kaffeehaus, Bierzelt und Universität, Radio und Speakers Corner. Die Plattform hat unzählige neue Videoformate hervorgebracht, etwa das Lets-Play-Video, in dem sich Menschen beim Computerspielen filmen oder ASMR, so nennt man Videos, bei denen Menschen im Flüsterton ins Mikro sprechen. Das soll beruhigend wirken.

Wer heute eine Türdichtung an der Waschmaschine wechseln möchte, der geht auf YouTube. Wer süßen Babypandas beim Herumtollen zusehen will, der geht auf YouTube. Wer Koreanern beim Löffeln von Miso-Suppe zusehen möchte, der geht auf YouTube. Wer Powerballaden aus den 80er-Jahren hören möchte, der geht auf YouTube. Wer etwas lernen möchte, der geht auf YouTube. Wer anderen Leuten dabei zusehen möchte, wie sie etwas lernen, der geht auf YouTube. Und wer sehen möchte, wie der brasilianische Fußballstar Roberto Carlos 1997 den Ball aus gut 30 Metern in den Giebel zimmert, der geht auch auf YouTube.

"Broadcast Yourself"

Vor allem geht jeder auf YouTube, der etwas zu sagen hat. Oder der nichts zu sagen hat. Oder der Dinge zu sagen hat, die man besser nicht sagen sollte, zum Beispiel, weil sie Quatsch sind oder gar gefährlich.

"Broadcast Yourself" - "Sende Dich selbst", so lautete lange Zeit das Motto der Plattform. Kaum ein Internet-Angebot kommt der Radiotheorie Bertolt Brechts näher, wonach Medien nicht nur Distributionsplattformen für Information sein sollen, sondern auch Kommunikationsplattformen. Die Folge: Eine kreative Explosion auf der einen Seite. Auf der andren Seite: Viel Dummes, viel Verstörendes und viel Toxisches.

Verschwörungstheorien per Autoplay

Der YouTube-Algorithmus steht immer wieder in der Kritik, weil er Verschwörungsvideos empfiehlt. Das Video, das krude Theorien zu Juden, der Mondlandung oder zum Coronavirus verbreitet, ist oft nur einen Klick entfernt. Und manchmal, Autoplay-Funktion sei Dank, ja nicht einmal das.

Und trotzdem: Auch heute finden sie sich noch auf YouTube - die witzigen, kreativen, irritierenden Inhalte und auch die klugen. Die schlauen Videos des Kanals "Kurzgesagt" kommen auf Millionen Abrufe, ein langes Gespräch von Günther Gaus und Hannah Arendt immerhin auf eine Viertelmillion.

Insgesamt werden die Inhalte professioneller

Zugleich ist YouTube aber auch eine gigantische Geldmaschine. Und zwar nicht nur für die Google und YouTube-Unternehmensmutter Alphabet, sondern auch für den achtjährigen Spielzeug-Influencer Ryan Kaji, der alleine 2019 26 Millionen Dollar verdient haben soll, so viel wie kein anderer YouTube-Star.

"Braodcast Yourself", das kann aber nicht nur reich machen, sondern auch Wahlen entscheiden. Zumindest wird das dem mittlerweile schon legendären "Die Zerstörung der CDU"-Videos von Rezo nachgesagt, der meistgeklickte Clip in Deutschland im vergangenen Jahr.

YouTube ist heute also nicht mehr Internet-Underground, sondern Internet-Mainstream. "Broadcast Yourself", das findet heute eher auf der chinesischen App TikTok statt. Wer auf YouTube danach sucht und sich treiben lässt, der findet immer noch viel Aufregendes und Interessantes, aber sehr oft ist die Video-Plattform heute angepasst, clean und geleckt. Fast wie Profi-Fernsehen.

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