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12.000 Jahre alte Stadt Hasankeyf wird geflutet | BR24

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Die 12.000 Jahre alte Stadt Hasankeyf im Südosten der Türkei wird bald versunken sein. Ab heute soll ein Stausee geflutet werden.

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12.000 Jahre alte Stadt Hasankeyf wird geflutet

Ab heute soll ein Stausee im Südosten der Türkei geflutet werden - die Stadt Hasankeyf wird Tag für Tag ein Stück weiter versinken. Seit 20 Jahren gibt es Proteste gegen den Staudamm - nun scheinen die Gegner endgültig verloren zu haben.

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Von heute an soll der Tigris am Ilisu-Staudamm fluss­abwärts von Hasankeyf aufgestaut werden. Entstehen wird ein Stausee mit einer Fläche so groß wie München. Damit versinkt die 12.000 alte Stadt Hasankeyf Tag für Tag ein Stück weiter in den Fluten. Der Ilisu-Damm ist Teil eines Mega-Plans zum Bau von 22 Staudämmen. Die türkische Regierung argumentiert, dass der Ilisu-Staudamm zur Entwicklung einer armen und trockenen Region des Landes beitragen wird. Der Damm bringe Arbeitsplätze, zusätzlichen Strom und helfe bei der Bewässerung weiter landwirtschaftlicher Flächen. Allerdings müssen Zehntausende Menschen umgesiedelt werden. Sie verlieren nicht nur ihre landwirtschaftlichen Flächen, sondern auch ihre Häuser.

Zwangsumsiedlungen rund um Hasankeyf

Historiker und Archäologen beklagten, dass eine einzigartige Kulturlandschaft verloren gehe: Archäologische Funde zeigen, dass hier bereits im Neolithikum, also vor mindestens 8.000 Jahren, Menschen gelebt haben. Später siedelten hier die Römer. In byzantinischer Zeit war Hasankeyf Bischofssitz. Außerdem war die Stadt eine wichtige Station an der Seidenstraße.

20 Jahre Proteste gegen das Mega-Projekt

Die Idee für den Ilisu-Staudamm entstand bereits in den 1950er Jahren, die konkreten Planungen begannen vor mehr als 20 Jahren, so alt ist auch der Protest dagegen: Fast 20 Jahre lang hatten die Kläger gegen den Ilisu-Staudamm und die Flutung von Hasankeyf gekämpft. Anfang dieses Jahres lehnte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Beschwerde türkischer Intellektueller und Akademiker als unzulässig ab. 13 Jahre hatte das Gericht für die Entscheidung gebraucht. Gegen die Flutung führten die Beschwerdeführer unter anderem ins Feld, dass mit dem Verschwinden der Stadt und ihren Artefakten aus vielen Zivilisationen das Menschenrecht auf Bildung der kommenden Generationen verletzt werde. Die Straßburger Richter folgten der Argumentation der Aktivisten nicht. Aus den Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention lasse sich kein Recht Einzelner auf Schutz bestimmter Kulturdenkmäler ableiten, heißt es in der Entscheidung.

Denkmäler wurden versetzt

Die türkische Regierung hat einige Monumente schon in Einzelteile zerlegt und auf Lastwagen fortbringen lassen. Vor einigen Monaten wurde beispielsweise ein Badehaus aus dem 16. Jahrhundert aus der Gefahrenzone gebracht. Kritiker verweisen allerdings darauf, dass es in Hasankeyf Hunderte historische Stätten gebe. Wenn das Wasser kommt, werden die meisten darin versinken.