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1. Mai: Josef und der Wert der Arbeit | BR24

© BR/Moest

Zimmermann Josef Donhauser mit Moderator Benedikt Schregle

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    1. Mai: Josef und der Wert der Arbeit

    Josef gilt als Multifunktionsheiliger: Er hilft bei Wohnungsnot, ist Patron der Ehepaare, Arbeiter und Zimmerleute. STATIONEN besucht am Tag der Arbeit einen Zimmerer namens Josef, lernt seinen Namenspatron kennen und fragt nach dem Wert der Arbeit.

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    Josef Donhauser ist Zimmermann in Amberg, in dritter Generation. Er trägt den Namen des Patrons der Zimmerleute – auch sein Vater und Großvater waren Zimmerer und hießen Josef. Dass er einmal Zimmermann wird, war für ihn keine Frage, durch Vater und Großvater ist er in diesen Beruf hineingewachsen. Und auch die Tradition spielte eine große Rolle. Trotzdem heißen seine Söhne nicht mehr Josef, "da konnte ich mich nicht durchsetzen", schmunzelt er. Aber der Ältere, Daniel, heißt zumindest mit zweitem Vornamen Josef.

    Mit gutem Beispiel vorangegangen

    Wenn Josef Donhauser über seinen Namenspatron nachdenkt, fällt ihm vor allem auf, wie zurückhaltend, schweigsam Josef meistens dargestellt wird: "Es steht nicht viel in der Bibel über ihn. Aber er ist mit einem guten Beispiel vorangegangen, hat sich um seinen Sohn und seine Frau gesorgt und ist mehr durch sein Wesen, seinen Charakter und sein Handeln ein Vorbild", sagt Donhauser.

    Tatsächlich steht in der Bibel nicht viel über Josef. Seine Frau Maria spielt in den christlichen Kirchen eine herausragende Rolle. Ihr Mann Josef dagegen wird oft nur als alter Mann neben Maria in der Krippe dargestellt. Wer also war Josef?

    Josef, der Arbeiter

    Fest steht: Josef war Zimmermann, heiratete Maria, obwohl sie nicht von ihm schwanger war, brachte sie nach Bethlehem, half seiner Familie auf der Flucht nach Ägypten und zog Jesus mit groß. Womöglich war Josef schon vor der Ehe mit Maria einmal verheiratet gewesen – ein Grund, warum Josef häufig eher als alter Mann mit Bart dargestellt wird. Wobei er vermutlich trotz zweiter Ehe noch ziemlich jung gewesen sein dürfte: Damals wurde mit rund 18 Jahren geheiratet. Josef stammte aus dem südlichen Mittelmeerraum, durch seine Arbeit als Zimmermann hatte er vermutlich einen eher kräftigen Körperbau.

    Josef war Arbeiter, und genau darin sah Papst Pius XII. im Jahr 1955 eine große Chance: Den 1. Mai - bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts der Kampftag der Arbeiter - erklärte er zum Tag "Josef der Arbeiter" erklärte. Damit würdigte er nicht nur den Heiligen, sondern auch den Wert der Arbeit.

    Geringe Wertschätzung von Handwerksberufen

    Ob die Söhne von Josef Donhauser, dem Zimmermann aus Amberg, einmal den Betrieb übernehmen werden, ist nicht sicher. Erst einmal wollen sie die Schule fertigmachen und sich dann beruflich orientieren. Fakt ist: Immer weniger junge Leute interessieren sich für eine handwerkliche Ausbildung. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung liegt das an der vermeintlich geringen Wertschätzung eines Berufes: Bei Ausbildungsberufen, für die beispielsweise nur ein Hauptschulabschluss nötig ist, fürchten Jugendliche, „dass sie von ihren Mitmenschen als eher ungebildet, wenig intelligent und einkommensschwach eingestuft werden“, heißt es in der Studie. Rein geldtechnisch ist der Wert handwerklicher Arbeit jedoch recht hoch: Hätte der heilige Josef im Jahr 2019 seine Ausbildung zum Zimmerer begonnen, würde er zu den am besten verdienenden Lehrlingen gehören.

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    STATIONEN

    Autor
    • Elisabeth Möst
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