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50 Jahre nach 1968 Die rechte Konterrevolution

50 Jahre nach 1968 bläst der Zeitgeist von rechts. Wir stecken mitten in einer Kulturrevolution. Gesellschaft, Sexualität, Demokratie und Staat werden neu vermessen. In welche Richtung aber wollen die Konterrevolutionäre Deutschland verändern?

Von: Susanne Betz

Stand: 15.04.2018

Augsburg, Stadtbücherei: Die Bestsellerautorin Birgit Kelle, CDU-Mitglied, spricht und diskutiert Ende Januar vor vollbesetzten Reihen. Veranstalter ist der CSU Ortsverband Inningen.

Gegen Gender Mainstreaming

Bestsellerautorin Birgit Kelle bei einem Vortrag in Augsburg.

Thema: „Gender GAGA –wie eine absurde Ideologie unseren Alltag erobern will.“ So heißt auch Kelles vorletztes Buch, ihr jüngstes „Muttertier.“

Kelle rechnet mit Feminismus und sogenanntem Gender Mainstreaming ab. Selbst sieht sie sich als Frauenrechtlerin, die sich aber für diejenigen stark macht, die z.B. ihre Kinder nicht in Fremdbetreuung geben wollen:

"Heute kümmert sich die Geschlechterpolitik um die Rechte von Transmenschen und Intersexuellen. Und die ganz normale Durchschnittsfrau ist völlig ins Abseits geraten."

Birgit Kelle

Die "normale Durchschnittsfrau" unterstützen

Kelles Zuhörer fühlen sich sichtlich aufgewertet, wenn Worte wie Heimat, Familie und Normalität fallen. CSU-Mitglied Gerhard Schmid, der die Veranstaltung moderiert, war selbst einmal 68 Revoluzzer, Anführer der Studentenproteste in Augsburg. Heute  beklagt er, würde eine Mehrheit von einer Minderheit beherrscht, z.B. beim Thema „Ehe für alle“. Schmid setzt deshalb auf eine Revolution von rechts und hofft auf mehr „Demokratie von unten.“ 

Neu rechte Ideen vom Rittergut

Schnellroda, Sachsen-Anhalt. Das kleine, idyllische Dorf südwestlich von Halle ist der Hotspot der nationalrevolutionären Bewegung.
Von seinem Rittergut Schnellroda aus liefert der Verleger, Aktivist und neu rechte Impresario Götz Kubitschek via Blog, Vereinen und Zeitschriften die maßgeblichen Ideen und Impulse für die gesamte Szene, auch für die AfD.

Das Rittergut Schnellroda in Sachsen-Anhalt

Er steht dem rechtsextremen Flügel der AfD um Björn Höcke und der Identitären Bewegung nahe, trat bei Pegida als Hauptredner auf.
Im Rittergut befinden sich der Antaios -Verlag, den Kubitschek zusammen mit seiner Frau Ellen Kositza leitet, und das IfS, Institut für Staatspolitik. Zwei Mal im Jahr finden Akademien statt. Kürzlich: „Wirtschaft – Hegung und Entgrenzung“.

Jeweils 150 junge Leute, oft Burschenschaftler aus dem Westen, nehmen teil. AfD-Bundestags- oder Landtagsabgeordnete brauchen ideologisch loyale Mitarbeiter.

Ziel ist ein autoritärer Staat

Kubitschek, 48, durch und durch Romantiker, schwärmt davon, dass er und seine Familie mit eigenem Wasser, Ziegen und Holzöfen nahezu autark seien. Auf die Frage, warum so viele Rechtsintellektuelle wie er in den Osten gezogen sind, antwortet er:

"Weil es hier weder diese massive Überfremdung gibt, die es im Westen gibt. Zum zweiten weil die Menschen hier den Mut zum Widerstand haben."

Götz Kubitschek

Kubitscheks Ideologie basiert auf den Nationalkonservativen der Weimarer Zeit, speist sich aber auch aus der französischen Neuen Rechten und dem Ethnopluralismus.

Das Verlegerehepaar Ellen Kositza und Götz Kubitschek

Er und seine Mitstreiter kopieren Methoden der 68er: ein klares Feindbild, die Macht der Straße sowie gezielte Provokationen. Ziel ist ein autoritärer Nationalstaat mit einem möglichst homogenen  „Wir“-Volk. Kubitschek sieht die Gesellschaft und ihre Werte bereits mitten in einer „tektonischen Verschiebung“. Aber seiner Meinung nach, gibt es noch viele Aufgaben.

"Der Ausbau eigener Medien, Schlagkraft, Kampagnenfähigkeit, überhaupt Massenerreichbarkeit  ist etwas ganz, ganz wichtiges. Da geht der AfD-Newsroom im Bundestag in diese Richtung."

Götz Kubitschek im BR-Interview

Dass die AfD in Sachsen nach der nächsten Wahl 2019 stärkste Kraft im Landtag wird, hält er für ziemlich sicher. 

Widerstand gegen das System ist sein Lebenselixier

Bernd Grimmer, 66, ist der AfD-Stimmenkönig von Pforzheim. Er gewann bei der baden-württembergischen Landtagswahl mit 24.2 % ein Direktmandat.

Autorin Susanne Betz, BR, im Gespräch mit dem baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Bernd Grimmer

In Pforzheim zeigt er der BR-Reporterin die Überwachungskameras in einer Unterführung, für die er sich stark gemacht hat. Auch beim Stammtisch der Pforzheimer AfD wird viel von einer Bedrohung der Sicherheit und Ordnung gesprochen. Auch sehen manche AfD-Mitglieder die Demokratie in Gefahr. Der promovierte Volkswirt Grimmer fing eigentlich eher links an, bei einer kleinen radikaldemokratischen Partei. Später gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Bundes-Grünen. Die hat er längst  verlassen. Widerstand gegen das jeweilige System ist Grimmers Lebenselixier geblieben. Er ist voller Wut auf das „versiffte links-rot-grüne 68er Deutschland“ wie AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen es formulierte.

"Recht und Ordnung ist in hohem Maße zerstört. Da löst sich der Staat auf, da haben Sie quasi eine Vorbürgerkriegssituation."

AfD-Abgeordneter Bernd Grimmer.

Regeln und Respekt den Kindern beibringen

Für einen Marsch durch die Institutionen sieht Grimmer allerdings keine Zeit mehr.

"Wenn wir 20 oder 30 Jahre in die Zukunft schauen, dann ist wahrscheinlich das eine oder andere Bundesland zum Kalifat umfunktioniert. Das zwingt uns auf eine andere Strategie zu fahren als damals, nämlich die rein parlamentarische."

AfD-Abgeordneter Bernd Grimmer

Auch sein Ziel ist eine autoritäre Gesellschaft, „Ich sage mal amerikanische Polizei, weil die eben mit dem Knüppel draufhauen. Regeln und Respekt und das den Kindern beibringen.“ 


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Angelika , Sonntag, 15.April, 14:27 Uhr

43. Warum ich Rechtspopolisten bewundere?

Unbegrenzte unqualifizierte Einwanderung bedeutet Verschlechterung der Lebensbedingungen für alle Einwohner, egal ob arm oder reich. Reiche werden geschröpft und Arme werden weniger bekommen.
Wer seine Familie nachholt, der bleibt auch dann für immer, wenn in seiner Heimat Demokratie und Frieden kommen.
Wenn das die ganze Welt erfährt, dass Deutschland Familiennachzug erlaubt, dann wird es beim BAMF viele neue Asylbeweber geben.
Auch schon jetzt verlassen anerkannte Asylsuchende unsere Nachbarländer und beantragen nochmal Asyl, diesmal aber in Deutschland.
Wir brauchen zusätzlich zu der Genfer Flüchlingskonvention noch eine Genfer Rentnerkonvention!

Ehemalige Grüne , Sonntag, 15.April, 14:22 Uhr

42. Wie ich von den Grünen zu der AfD kam und warum.

Handlungsbedarf bei sozialen Themen, besonders bei der Rente! So schlechte Rentenformel und Abzüge von den Renten sind unerträglich. Wenn die Rente nach 40 Jahren Arbeit für die warme Miete nicht reicht, dann ist es eine Schande. Das deutsche Sozialsystem gehört nur denen, die es über Generationen finanziert und aufgebaut haben. Das Sozialsystem der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen empfinde ich als Diebstahl. Das kann das Sozialsystem vernichten!

Annemarie, Sonntag, 15.April, 14:17 Uhr

41. Wenn der liberale Professor, das Zentralratsmitglied

und der neurechte Sachse gemeinsam marschieren, muss es um Deutschland fürwahr schlecht bestellt sein.

  • Antwort von Wolf, Sonntag, 15.April, 14:26 Uhr

    Um die sog. "Bildungseliten" ,da hast du wohl recht.....ein Prof ist halt auch nicht mehr das was er mal wahr....

Rentnerin Maria , Sonntag, 15.April, 14:17 Uhr

40. Warum bin bin ich von links nach rechts gerückt?

Ich als Rentnerin habe die AfD nur deswegen gewählt, weil ich große Angst habe, dass die Arbeitslosen Migranten nach dem Familiennachzug meine Krankenkasse AOK ruinieren und ich dann alle Ärzte und Medikamente von meiner kleinen Rente selbst bezahlen muß. Die unbegrenzte Migration wird die Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt bis zum Wahnsinn treiben und die Mieten werden noch schneller steigen. Das ist eine Horrorvorstellung. Deswegen lasse ich mir von niemanden vorwerfen, dass ich die Rechtspopulisten gewählt habe. Nächstes mal werde ich die AfD wieder wählen, egal was der Fernseher über die AfD meldet.

  • Antwort von Zoro , Sonntag, 15.April, 14:21 Uhr

    Der Fernseher ist eh ein Uraltmedium und die Zeitung auch. Ällerbätsch!

  • Antwort von Wolf, Sonntag, 15.April, 14:28 Uhr

    Oh Gott,schon wieder,die marias und wie sie alle heißen....na,aufgewacht? Jetzt noch ein bissl Geld verdienen?

Höhner, Sonntag, 15.April, 13:56 Uhr

39. Die neue Rechte ist nur eine Zweigabteilung

einer Bewegung, die immer genau das macht, was beim unzufriedenen Teil des "Volkes" ankommt. Wenn die Leute demokratischen Populismus wollen, Bitteschön, wenn sie Linkspopulismus wollen bitte, ... Ob, ex-braun, ex-schwarz, ex-rot, ex-grün sein Pläsierchen! Programme sind unwichtig, wichtig ist es Stimmungen einzufangen. Der Markt ist da.