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"Widerliche Texte" Kollegah & Farid Bang - Kulturrat-Präsident Höppner verlässt "Echo"-Beirat

Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, zieht sich aus dem Beirat des Echo-Musikpreises zurück. Das kündigte er bei der Verleihung des "Kulturgroschens" an den früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert an. Damit hat die anhaltende Kritik an die Ehrung der Rapper Kollegah & Farid Bang, deren Texte als antisemitisch kritisiert werden, erste personelle Konsequenzen

Stand: 17.04.2018

12.04.2018, Berlin: Kollegah (r) und Farid Bang singen bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo. Foto: Jörg Carstensen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Jörg Carstensen

Die "Echo"-Preisverleihung sorgt weiter für Diskussionen. Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, kündigte am Montagabend seinen Rückzug aus dem Beirat des Musikpreises an.

Damit hat die anhaltende Kritik an die Ehrung der Rapper Kollegah & Farid Bang, deren Texte als antisemitisch kritisiert werden, erste personelle Konsequenzen. Höppner äußerte sich bei der Verleihung des "Kulturgroschens" an den früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert.

Format des "Echo"-Preises "ist so "gesellschaftlich nicht mehr tragbar"

Höppner äußerte die Überzeugung, dass das Format des "Echo"-Preises "so gesellschaftlich nicht mehr tragbar" sei. Die Musik von Kollegah & Farid Bang sei "nicht meine. Die Texte finde ich widerlich." Er habe die Entscheidung der Jury aber zunächst unter dem Aspekt der Freiheit der Kunst respektiert. Höppner, eines von sieben Beirats-Mitgliedern, sprach von einer "seit Jahren zu beobachtenden Eskalationsspirale an Hass, Rassismus und Gewalt". Der Deutsche Kulturrat hatte sich von der Auszeichnung distanziert, ohne seinen eigenen Präsidenten offen zu kritisieren.

Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung oder Antisemitismus

Auch Lammert sprach die Debatte um die "Echo"-Ehrung an. Zu den Verfassungsprinzipien und Grundrechten zählten die Gedanken-, Meinung- und Kunstfreiheit. Aber ob jede Form von Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung oder Antisemitismus wirklich hingenommen werden müsse, "darüber mag und muss man streiten, gegebenenfalls vor ordentlichen Gerichten. Was daran preiswürdig sein soll, erschließt sich mir überhaupt nicht."

Der Anspruch auf Kunstfreiheit dürfe nicht zu Beliebigkeit führen, so der CDU-Politiker. Ein ästhetisch anspruchsloser Kunstbegriff gebe sich selbst auf und sei von einem politischen Statement nicht mehr unterscheidbar.

Preisträger haben "einen Skandal und eine Schockwirkung" einkalkuliert

Lammert sagte, es gebe eine originäre Verantwortung des Staates für Erinnerungskultur und den Umgang mit der eigenen Geschichte. Wie ein Land mit der eigenen Geschichte umgehe, das bestimme sein Selbstverständnis und sein Bild bei Nachbarn und Partnern.

Der Medienwissenschaftler Jo Groebel erklärte unterdessen, die umstrittenen Preisträger hätten einen Skandal und eine Schockwirkung einkalkuliert. "Das Problem ist vor allem ein erschreckender Mangel an politischer Bildung und historischem Wissen der Preisträger", sagte er der "Heilbronner Stimme".

Der "Echo" zeichnet Verkaufszahlen aus

Da der "Echo" explizit Verkaufszahlen auszeichne, gebe es offenbar "Hundertausende von Fans, die von der Musik und den Texten angesprochen werden. Da kann man nicht ignorieren."Zuvor hatte der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick die Verleihung des Preises an die Rapper als "Fehler" bezeichnet. "Antisemitismus darf auf keinen Fall und in keinem Bereich wieder hoffähig gemacht werden", schrieb der Weltkirche-Bischof auf Twitter.


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