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Wie viel Rente ist noch sicher? Reich und Arm im Alter

Die Rente ist sicher - aber wie viel Rente ist sicher? Das ist die neue spannende Frage. Sicher ist aber auch, dass die finanzielle Schere weiter aufgehen wird zwischen denjenigen, die Immobilien besitzen, eine private Zusatzrente oder eine Pension beziehen, und solchen, die noch nebenbei jobben müssen. Wie groß also sind die Unterschiede im Alter?

Von: Susanne Betz und Eleonore Birkenstock

Stand: 11.06.2017

Die Reisebranche boomt. Immer mehr Senioren sind fit, unternehmungslustig und finanzkräftig genug, um sich Wellness-Urlaube oder teure Kreuzfahrten leisten zu können.

Die eigene Immobilie schützt vor Armut

Zuschauerraum im Opernhaus Bayreuth

Das Ehepaar Klaus und Karin Neumann reist nicht weit, dafür gönnen sich die beiden Mitsiebziger unterwegs einen anderen Luxus: Sie besuchen leidenschaftlich gern Opernaufführungen in Bayreuth und in München. Und die sind nicht gerade billig. Die Neumanns wohnen außerdem in ihrem eigenen Haus in einer mittelfränkischen Marktgemeinde am Rand des Steigerwalds. 3.500 Euro monatlich von Klaus Neumanns Pension als beamteter Lehrer stehen ihnen zusammen zur Verfügung, Karin Neumann hat ihren Beruf der Kinder wegen aufgegeben. Die beiden sind zufrieden mit ihrem Lebensstandard. Klaus Neumann kann sogar eine gewisse Schadenfreude nicht verbergen, wenn er an frühere Klassentreffen zurückdenkt, bei denen seine ehemaligen Mitschüler jahrelang mit ihren Gehältern in der Wirtschaft angaben.

"Die haben einen unheimlichen Gehaltsvorsprung gehabt, jetzt wo es um die Rente geht, haben wir in der Regel mindestens so viel wie die."

 Klaus Neumann, Pensionär

Jährlich gibt der Staat 331 Milliarden Euro für den Punkt "Alter und Hinterbliebene" aus, das sind 10,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 18 Millionen Rentenbezieher über 65 Jahre gibt es und 1,3 Millionen Pensionäre.

Nicht in die Rentenkasse eingezahlt!

Michael Fey, 70, trägt Zeitungen aus, um seine Rente aufzubessern

Das Haus in Lohr am Main, in dem Michael Fey wohnt, hat sein Großvater bauen lassen. Seitdem wurde kaum etwas renoviert. Die Zimmer sind in keinem guten Zustand, die Möblierung ist ärmlich. Trotzdem ist der 70-jährige alleinstehende Mann froh, dass er in dem Besitz der Familie wohnen darf, Miete könnte er sich nämlich nicht leisten. Michael Fey hat Türkisch studiert und als freiberuflicher Übersetzer gearbeitet. Selbstständige wie er zahlen oft nicht in die Rentenkasse, fast die Hälfte von ihnen hat weniger als 1.000 Euro im Monat im Alter. Selbständige Ärzte, Architekten oder Anwälte können sich in der Regel aber mehr zurücklegen oder in Aktien, Wertpapiere und Immobilien investieren. Bei Fey reichte es dazu nicht. Er bezieht auch nur deshalb 93 Euro Rente im Jahr, weil er Mutter und Tante gepflegt hat. Mit Grundsicherung und dem Lohn, den er für Zeitungsaustragen erhält, kommt Frey gerade mal auf 600 Euro im Monat. Mit so wenig Geld schlägt der alte Mann sich mehr schlecht als recht durchs Leben. 

"Da ist die Kühlbox, die ist nach 21 Jahren kaputt gegangen und jetzt hab ich eine neue bestellt."

Michael Fey, Pensionär

Michael Fey ist sich bewusst, dass er selbst Fehler gemacht und nicht hinreichend vorgesorgt hat. Er macht keinen anderen als sich selbst für seine Armut verantwortlich.

Rentnerin mit drei Zusatzjobs

Lore Kirsch, 73, verkauft an einem Stand des Nürnberger Hauptmarktes

Lore Kirsch dagegen hat ihr geringes Einkommen im Alter kommen sehen. Denn in ihrem Erwerbsleben gab es viele Brüche – typisch für die Frauen ihrer Generation. Auf die Ausbildung als medizinische Laborantin folgten Jahre der Vollbeschäftigung, dann lange Unterbrechungen wegen der Kindererziehung und schließlich noch Jahre der Teilzeitbeschäftigung. Außerdem ist sie geschieden – was ihren Lebensstandard im Alter ebenfalls nicht erhöht. Lore Kirsch aber wollte weder Putzen gehen noch Flaschen sammeln, um sich über Wasser zu halten. Stattdessen arbeitet sie in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, verkauft einmal die Woche an einem Stand des Nürnberger Hauptmarktes Obst und Gemüse und gibt anderen Seniorinnen Kurse für Gedächtnistraining. Diese Aktivitäten machen ihr in der Regel Freude und zu ihren 900 Euro Rente verdient sie monatlich noch zwischen 600 und 700 Euro. Lore Kirsch, die fleißige Rentnerin, blickt mit Sorge in die Zukunft. Was wird, wenn sie nicht mehr die Kraft hat, arbeiten zu gehen?

Und wie geht es insgesamt in Deutschland der Altersversorgung weiter? Von fleckendeckender Armut kann keine Rede sein. Es wird Senioren geben, die sich bis ins hohe Alter einen luxuriösen Lebensstil leisten können. Allerdings wird das Rentenniveau weiterhin sinken. Und nach wie vor können Menschen mit geringem Einkommen zu wenig vorsorgen. Fast die Hälfte derjenigen, die weniger als 1.500 Euro im Monat verdienen, hat weder eine betriebliche Altersvorsorge noch einen Riester-Vertrag – immerhin sind das fast 2 Millionen Menschen in Deutschland.

Die B5 Reportage

Wie viel Rente ist noch sicher? Reich und Arm im Alter

Reportage am Sonntag, 11.6.2017, 14:35 und 21:35 Uhr, B5aktuell

Autorin: Eleonore Birkenstock
Redaktion: Susanne Betz


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Opa Franz, Sonntag, 11.Juni, 15:07 Uhr

13. Unerfindlich ist mir

was bei einem Beitrag über (nicht) ausreichende Renten(beitragszahlung) der vormalige beamtete Lehrer zu suchen hat (seine Pension nach Beamtenversorgungsrecht sei ihm gegönnt), der in die Rentenkasse (logischerweise) ja auch nie eingezahlt hat, auch nicht in eine sonstige Kasse.
Andererseits haben auch nicht beamtete Beschäftigte ihr Häuschen gebaut (sofern sie konnten und wollten).
Soll das Fazit also heißen: Werdet alle beamtete Lehrer ( von A 12 - A 16) ?

Atze, Sonntag, 11.Juni, 14:33 Uhr

12. Wie wär's

mal mit Mangelrentenressource?

Salomon, Sonntag, 11.Juni, 14:18 Uhr

11. Rente und so

Wenn das Geld in Berlin ZWECKENDFREMDED wird dann braucht man sich nicht Wundern.

Amelia, Sonntag, 11.Juni, 13:29 Uhr

10. Rente

Wie wäre es mit steuerfinanzierter "Mindestrente für alle"? Keine Sorge, die gibt es im Prinzip jetzt ja auch, nur ist sie nicht so hoch, weil für die Verwaltung des Mangels irrsinnig viel Geld drauf geht.

Bernhard, Sonntag, 11.Juni, 12:38 Uhr

9. Von welchem Geld?

Der CSU-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Joachim Herrmann, hat höhere Renten für Russlanddeutsche und andere Spätaussiedler gefordert.
Aus der Kasse, in die die Arbeiter und Angestellten einbezahlt haben.
Beamte und Politiker und Selbständige werden damit nicht belastet.
Diese haben da ja nie in diese Kasse einbezahlt.
Das Gleiche hatten wir schon unter Herrn Minister Blüm, damals hat man durch die Frührente den großen Firmen geholfen.
Eine Rentenkasse sollte eigentlich nur an die Personen Rente auszahlen, die Prozentual auch einbezahlt haben.