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Gefährlicher Trend Hilfswerk warnt vor Kinderfotos bei Facebook

Ob Facebook oder Instagram: Trotz Warnungen stellen immer noch viele Eltern heikle Fotos ihrer Kinder ins Netz. Das bringt kurzfristig Aufmerksamkeit, schadet aber eventuell dem Kind. Auf einige Dinge sollten Eltern achten.

Von: Florian Regensburger

Stand: 09.11.2017

Die kleine Tochter mit der Quietsche-Ente in der Badewanne, der Bub mit verschmiertem Gesicht beim ersten Versuch, einen Teller Spaghetti zu essen: Solche oder so ähnliche Motive kennen die Meisten aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Whatsapp oder Instagram. Mitunter bekommt man den Eindruck, die Eltern lieferten sich einen regelrechten Wettkampf um die schönsten, um die lustigsten oder auch um die meisten Bilder ihrer Sprösslinge.

Eltern nehmen Bildnisrechte der Kinder wahr

Um Erlaubnis gefragt werden Sohn oder Tochter zuvor meist nicht. Rein rechtlich gesehen müssen Eltern das auch nicht unbedingt, wie der auf Medienrecht spezialisierte Münchner Rechtsanwalt Andreas Boele erklärt: "Grundsätzlich haben Kinder genauso wie Erwachsene ihr Recht am eigenen Bild. Es wird nur von den Eltern als Sorgeberechtigte wahrgenommen, so lange die Kinder minderjährig sind", sagte er im Gespräch mit BR24. Eltern kommt damit eine besondere Verantwortung zu, wenn sie ein Foto ihrer Kinder auf Facebook einstellen.

Peinliche Fotos vermeiden

Entscheidend für das Kind sind aber nicht unbedingt die juristischen, sondern vielmehr die sozialen Umstände des Tuns ihrer Eltern, wenn diese Aufnahmen von ihnen in sozialen Medien verbreiten. Und diese Umstände sind Eltern oft nur unzureichend bewusst, warnt das deutsche Kinderhilfswerk, das heute eine entsprechende Anzeigen-Kampagne auf Facebook gestartet hat. "Wenn das Kind zum Beispiel als Kleinkind fotografiert wird und später es aber überhaupt nicht mehr toll findet, dass das Bild da im Netz existiert, weil sich zum Beispiel Freunde darüber lustig machen, dann ist das aus unserer Sicht ein Problem. Und das sollte Eltern einfach bewusst sein", sagte Isabell Rausch-Jarolimek vom Kinderhilfswerk BR24.

"Wir möchten dafür sensibilisieren, dass Eltern sich, bevor sie Bilder veröffentlichen, Gedanken machen sollten, welche Bilder sie einstellen: Was sind das für Lebenssituationen? Was sind das für Motive? Stellt es ein Kind in einer peinlichen Situation dar?"

, Isabell Rausch-Jarolimek, Deutsches Kinderhilfswerk

Nacktfotos sind tabu

Eltern sollten ihre Kinder also nicht in Posen online stellen, für sich die Kleinen später einmal schämen könnten. Nicht jeder Pubertierende findet es toll, wenn im Web Bilder kursieren, die ihn zum Beispiel als kleinen Wonneproppen am Badeweiher zeigen. Denn sind Fotos oder Videos einmal im Netz, ist es häufig schwer, die Kontrolle darüber zu behalten. Das gilt auch dann, wenn ein Foto zum Beispiel in einer geschlossenen Whatsapp-Gruppe nur unter Familienmitgliedern verschickt wird. Denn alle, die das Bild sehen, haben es automatisch auch auf ihren Smartphones gespeichert. Von dort aus kann es leicht weiter verteilt werden; über automatische Backup-Funktionen kann das Bild auch noch auf diversen Webservern von Internetfirmen landen. Für Eltern gilt daher die Devise: Zuerst Nachdenken, bevor es möglicherweise zu spät ist.

Gespräch mit Kindern empfohlen

Isabell Rausch-Jarolimek vom Kinderhilfswerk rät zum Gespräch mit den Kindern: "Nicht einfach über den Kopf des Kindes hinweg selbst entscheiden, sondern auch mit dem Kind darüber diskutieren. Das ist im Grundschulalter in der Regel auch schon gut möglich." Außerdem ist es ratsam, wenn dann Bilder zu verwenden, auf denen die Kinder vielleicht gar nicht eindeutig erkennbar sind. "Sie sollten darauf achten, ob das Kind erkennbar ist oder nicht, ob es vielleicht andere Bilder gibt, auf denen das Kind nicht eindeutig erkennbar wäre, indem es zum Beispiel nicht frontal, sondern von der Seite aufgenommen wird", empfiehlt Rausch-Jarolimek.

Datenschutzeinstellungen überprüfen

Wichtig ist außerdem ein Überblick darüber, wer denn das Bild, das man teilt, alles zu Gesicht bekommt, Stichwort: Datenschutz- und Privatsphäre-Einstellungen, welche die Betreiber sozialer Netzwerke auch immer wieder anpassen. Eine regelmäßige Kontrolle kann hier helfen. Ist man nicht ganz sicher, wer das betreffende Bild alles zu sehen bekommt, oder ob das Motiv dem Kind später peinlich sein könnte, ist es vielleicht besser, auf den kurzzeitigen Wow-Effekt bei den Facebook-Followern auch einmal zu verzichten und ein Bild oder Video einfach für sich zu behalten.


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