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Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger mit 81 Jahren gestorben

Christine Nöstlinger war eine der bedeutendsten Kinderbuchautorinnen. Bereits vor zwei Wochen ist die gebürtige Österreicherin gestorben, wie jetzt erst bekannt wurde. Sie hat über 150 Bücher geschrieben - darunter "Die Geschichten vom Franz" oder "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig".

Von: Ulrich Trebbin Clemens Verenkotte

Stand: 13.07.2018

Kindern ein Stück Welt zu erklären – und zwar so zu erklären, dass man auch freundlich, kameradschaftlich und solidarisch miteinander umgehen könnte. So beschrieb Christine Nöstlinger in einem Interview mit dem ORF anlässlich ihres 80. Geburtstages im Oktober 2016  ihr Verständnis vom Schreiben für das junge Publikum. Sie habe Kindern vermitteln wollen, dass es sich lohne, freundlich zu sein und dennoch realistisch auf die Welt zu schauen.

Ihr persönliches wie politisches Credo sei davon geprägt,  "dass man zum Beispiel eben nicht gehorchen soll, dass man immer zweifeln muss, wenn man irgendwo zustimmen sollte; die positiven Werte von Solidarität, von Freiheit, von Gleichheit – diese Dinge. Man hat sich halt, wie man das nennt, der Aufklärung verpflichtet gefühlt.“

Freches, geliebtes Kind

Christine Nöstlinger, Jahrgang 1936, wuchs in einem Wiener Arbeiterbezirk auf. Ihre Eltern, der Vater Uhrmacher, die Mutter Kindergartenleiterin,  waren strikt gegen die Nazis. Die Gestapo lud ihre Mutter mehrfach vor, weil sie es nicht über das Herz gebracht hatte, Kindern NS-Lieder beizubringen. Die Eltern hätten sie und ihre Schwester dazu angeleitet, nicht zu gehorchen, zu widersprechen. Sie habe als Kind sehr frech sein können, ohne jemals Angst vor elterlicher Züchtigung haben zu müssen. Und – sie sei ein "geliebtes Kind" gewesen, habe somit viel Urvertrauen geschenkt bekommen.  

Kindheit im Krieg

Die Erinnerungen an ihre Wiener Kindheit, geprägt durch den Krieg, schrieb Christine Nöstlinger später – 1973 – als sie bereits ihre ersten erfolgreichen Kinderromane veröffentlicht hatte – in der Autobiographie "Maikäfer flieg" nieder. Im Rückblick befragt, was bei Kriegsende ihr einschneidendstes Erlebnis gewesen sei, gab sie vor drei Jahren in einem Interview mit dem ORF zurück:

"Das war, wie über die Höhenstrasse herunter ein riesiger Pulk von Russensoldaten mit Panjewägen und Pferden kamen und über die Marie-Decker-Straße hineinmarschierten, und ich bin vor zu dem Zaun, bei uns bei dem kleinen Mauerl gestanden, und hab da durch diese Latten durchgeschaut, und dann kam meine Mutter und hat mich weggerissen, und hat mich geschimpft, dass ich deppert bin: 'Stehst da herum, wann die Russen einmarschieren und hat mich da ins Haus expediert, und das war schon beeindruckend  für mich. Das war das Innere, jetzt braucht mein Vater nicht mehr zittern." 

Niemals mit erhobenem Zeigefinger, nie moralisierend – dafür ehrlich, realistisch, kritisch bleiben. Dies spiegelte sich in ihren Kinderromanen wider, zunächst in ihrem 1970 erschienen Kinderbuch "Die feuerrote Frederike".  In einer kaum abreisenden Folge veröffentlichte Chrstine Nöstlinger Kinderbücher, die zu Klassikern und in viele Sprachen übersetzt wurden,  wie "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig"  oder die Serie "Geschichten vom Franz".

Nöstlingers Abschied vom Kinderbuch

Sie verfasste auch Hörspiele, schrieb Drehbücher für den ORF, arbeitete jahrelang für eine Tageszeitung. Erst im vergangenen Monat kündigte Christine Nöstlinger in einem Interview mit dem Magazin "News" an, dass sie mit dem Schreiben von Kinderbüchern aufgehört habe.


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