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Loyalitätspflichten für Kirchenmitarbeiter Katholisches Arbeitsrecht: Wer zwei Mal heiratet, verliert seinen Job

Homosexuelle und Wiederverheiratete haben ein Problem, wenn sie bei der Kirche arbeiten. Trotz der Modernisierung des katholischen Arbeitsrechts vor drei Jahren verlieren immer wieder Kirchenmitarbeiter ihren Job wegen ihres Privatlebens.

Von: Markus Kaiser

Stand: 14.03.2018

Sabrina Franke | Bild: BR / Markus Kaiser

Eigentlich sei ihre Arbeit bei ihren Vorgesetzten gut angekommen, sagt Sabrina Franke. Doch dann wurde ihr Vertrag als Erzieherin im katholischen Kinderhort in Neusäß bei Augsburg nicht mehr verlängert: „Ich habe bei meiner Chefin nachgefragt, sie meinte, sie könnte sich vorstellen, dass es daran liegt, dass ich nicht kirchlich verheiratet bin.

Beschäftigung nur mit kirchlicher Ehe?

Weil ihr Mann bereits eine Scheidung hinter sich hatte, hat Sabrina Franke ihn nur standesamtlich geheiratet, in Verbindung  mit einer freien Trauung bei einem Theologen. Doch das genügt nicht, um die Loyalitätspflichten des katholischen Arbeitsrechts zu erfüllen. Mitarbeiter mit Leitungsfunktion und „im Verkündigungsdienst“, also auch Religionslehrer und Erzieher, müssen ihr Privatleben nach der katholischen Glaubens- und Sittenlehre ausrichten, betont Evelyne Menges, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Ihnen droht bei einer zweiten oder gleichgeschlechtlichen Ehe die Kündigung.

"Es geht um das persönliche Schicksal derjenigen Menschen, die nun mal die Liebe ihres Lebens erst in zweiter Ehe finden. Das Problem ist, dass ein sehr hartes rigides Verständnis von Ehe nicht zum Glück des Menschen führt, sondern zum Unglück. Das muss theologisch aufgelöst werden, weil das unbarmherzig ist."

Evelyne Menges, Fachanwältin für Arbeitsrecht

Modernisiertes Arbeitsrecht in der katholischen Kirche?

Vor drei Jahren wurde das katholische Arbeitsrecht von der Kirche reformiert. Wenn das Privatleben nicht der katholischen Norm entspricht, soll das nur noch in Ausnahmefällen arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Gleichzeitig öffnete Papst Franziskus die Kirche für wiederverheiratet Geschiedene. Doch in der Praxis hat sich wenig verändert: Nur ein Teil der Kirchenmitarbeiter, etwa in der Pflege, in Krankenhäusern oder in der Verwaltung, profitiert von den Neuregelungen.

"Als ich wirklich in diesem entscheidenden Gespräch beim Pfarrer drin saß, mit meinem Mann und wir schon fast soweit waren, unsere Ehe sanieren zu lassen, da hat sich für mich eine Schlinge um den Hals gezogen, ich hatte einen Kloß im Hals und ich musste unserem Pfarrer sagen, dass ich diesen Weg nicht gehen kann. Es fühlte sich in dem Moment an, als würde ich mich und auch Gott verraten."

Sabrina Franke, Erzieherin

Sabrina Franke aus Neusäß bei Augsburg hätte ihre Arbeit behalten können, erzählt sie, wenn sie ihren Mann noch einmal kirchlich geheiratet hätte. Sie wollte aber nicht, dass ein zweites Ja-Wort ihre erste Hochzeit überschattet. Inzwischen arbeitet Sabrina Franke nicht mehr im Kinderhort in Neusäß, ihr Vertrag wurde nicht verlängert. Auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks bestätigt das Bistum Augsburg die Wichtigkeit der kirchlichen Ehe in Erziehungsberufen. Das bedeute jedoch nicht in jedem Fall das Ende einer Beschäftigung.


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KasiInternational, Donnerstag, 15.März, 14:41 Uhr

18. AG

Dass die Kirche als Arbeitgeber schwierig ist, ist bekannt. Sie hat im Arbeitsrecht eine Sonderstellung, die aber zuweilen bis zum Europäischen Gerichtshof hin kritisiert wird. Die Kirche lässt sich nicht in die Karten schauen. Pfarrer, die insgeheim Kinder haben und deren Alimente von der Kirche gezahlt werden, müssten ja nach dieser Logik auch oder erst recht gekündigt werden. Das kriegt natürlich niemand mit.
Pfarrer, die Kinder missbrauchen, müssten auch gekündigt werden, werden aber infolge Personalmangel einfach weiter versetzt.
Geschweige denn Vetternwirtschaft, Mauschelei und "Vitamin B" in Bewerbungsverfahren bei der Kirche. Viele können da ein Lied davon singen.
Überhaupt werden durch Gerüchte etc. über kirchliche Mitarbeiter diese oft zu Unrecht diskreditiert oder gemobbt bis hin zur Kündigung.

Thomas, Donnerstag, 15.März, 13:29 Uhr

17. Zweierlei Maß und Dogmatismus.

Wieder ein Beispiel für die Katholische Kirche die mit zweierlei Maß misst und an ihrem Dogmatismus festhält. Die üblichen Kommentatoren die dieser Haltung ihre Unterstützung geben, gleichzeitig aber alles was im Islam nicht nur so ähnlich sondern sogar gleich wenn nicht noch strenger gehandhabt wird, geben für sich auch ihr eigenes Beispiel und die Bestätigung dafür wie rückschrittlich Menschen sein können.

Was die Wahrnehmung angeblicher staatlicher Aufgaben durch die Kirchen angeht, so muss man auch in Betracht ziehen dass es sich der Staat mit dieser für ihn billigeren Lösung auch bequem macht wenn er diese den Kirchen überlässt. War selbst im Kindergarten und Hort, mal war er kirchlich geleitet mal städtisch. Dann noch das Pflichtunterrichtsfach Religion, welches mich immer schon mehr abgestoßen hat als interessiert (lag vornehmlich am Stadtpfarrer der diesen Unterricht gab). Mit 18 war dann endlich Schluss, mein Austritt aus der RKK war meine eigene "Befreiung" von denen.

B.Blatt, Donnerstag, 15.März, 13:29 Uhr

16. Römisch-Katholische Kirche

Ich selbst habe Leidvolles in der Römischen Kirche erlebt. Ich möchte nicht näher darauf eingehen.
Da ich schon seit meiner Jugendzeit mit vielen Positionen dieser Kirche in Konflikt stand, habe ich mich 2011
entschlossen, zu der von Rom als Kirche anerkannten Alt-Katholischen Kirche überzutreten.
In dieser Kirche habe ich als Gläubiger Katholik endlich eine Heimat gefunden.

Manfred Heuel, Donnerstag, 15.März, 13:23 Uhr

15. Katholisches Arbeitsrecht

Diese Dame kannte das Arbeitsrecht und kannte auch genau die konsequnzen die sich durch ihr handeln ergaben.
Warum wundert Sie sich eigendlich, das nun genau das geschah was zu erwarten war ?

Landei, Donnerstag, 15.März, 13:17 Uhr

14. Warum die Aufregung? Und warum überhaupt ein Bericht darüber?

Hier geht es um nichts anderes als darum, dass ein Arbeitgeber nach seinen zuvor bekannten Richtlinien gehandelt hat.
Machen alle anderen auch, oder wie war das nochmal mit dem Soldaten, der nicht in ein Kriegsgebiet abkommandiert werden wollte?

Die Kirche hat halt nun mal ihre Maßstäbe.
Hat z.B. ein Hotel auch.

Was wäre denn nun, wenn eine Hotelangestellte vermutet, dass ein Gast mit der von ihm mitgebrachten Frau fremdgeht und sie aus moralischen und mitmenschlichen Gründen seine Frau informiert?

Jeder würde die Entlassung verstehen können, mit "Diskretion", "vorher wissen, worauf man sich eingelassen hat", usw. argumentieren, vermutlich gäbe es noch nicht mal einen Bericht darüber. Aber