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Singen wird teuer Keine Einigung zwischen GEMA und katholischer Kirche

Wer Musikstücke aufführt muss GEMA-Gebühren bezahlen. Das gilt auch bei kirchlichen Konzerten. Weil sich die katholische Kirche mit der GEMA auf keinen Pauschalvertrag einigen konnte, kommen hohe Kosten auf die Gemeinden zu.

Von: Barbara Schneider, Markus Kaiser

Stand: 27.03.2018

Kirche steigt aus GEMA-Vertrag aus | Bild: picture alliance / Rainer Oettel / dpa-Zentralbild / ZB

Im Artikel vom Sonntag (25.3.2018) zum gleichen Thema hat sich bedauernswerterweise ein Fehler eingeschlichen. Darin war die Rede davon, die katholische Kirche habe den Vertrag mit der GEMA gekündigt. Korrekt ist, dass die Vertragsverhandlungen zu keinem gütlichen Ende führten und die GEMA deshalb den bisher gültigen Pauschalvertrag gekündigt hat. Hier folgt der korrigierte Artikel:

Wenn eine katholische Kindertagesstätte ein Musical in ihrer Pfarrei öffentlich aufführt, dann wird das ab diesem Jahr teuer. Bei den regelmäßigen Verhandlungen zwischen GEMA und dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), der die katholische Kirche vertritt, ging es im vergangenen Jahr unter anderem um die Vertragslaufzeit und eine Tariferhöhung. Dies wollte die katholische Kirche nicht akzeptieren. In der Folge kündigte die GEMA den bestehenden Pauschalvertrag. Laut GEMA ging es dabei um eine Erhöhung der Jahrespauschale von 45 auf 75 Euro pro Kirchengemeinde.            

Keine Einigung bei Vertragsverhandlungen

Nach Einschätzung der GEMA war eine Erhöhung des Tarifs dringend nötig. "Wir haben 2017 eine Angemessenheitsprüfung gemacht und die durchgeführten Kirchenkonzerte und Gemeindeveranstaltungen mit der Pauschale verglichen", so Jürgen Baier von der GEMA. Das Ergebnis: Zum ersten Mal seit 30 Jahren erhöhte die GEMA die Pauschale. Für die evangelische Kirche in Deutschland waren die 30 Euro Aufpreis pro Gemeinde kein Problem. Dass die katholische Kirche die Gebühren für ihre Gemeinden nicht mehr übernehmen will, hat unabsehbare Folgen.

"Wir haben vier bis sechs Konzerte im Jahr und da überlegen wir uns, wie kriegen wir das finanziell überhaupt noch gebacken, dass wir solche Sachen anbieten können, was das kulturellen Leben hier in Haidhausen einschränken kann."

Stefan Ludwig, Kirchenmusiker im Pfarrverband München-Haidhausen

Ab jetzt muss jede katholische Kirchengemeinde nicht nur bei Konzerten, sondern auch bei anderen öffentlichen Veranstaltungen GEMA-Gebühren aus eigener Kasse bezahlen. Das Pfarrfest ist ebenso betroffen wie die Jugenddisco. Kostenfrei bleiben nur die Gottesdienste. Und das kann für die einzelnen Gemeinden teurer werden als der bisherige Pauschalvertrag. „Ein kleines Pfarrfest kostet nach Tarif circa 24 Euro. Eine aktive Gemeinde, die vier solche Feste macht würde bereits mehr bezahlen als in der Pauschale“, rechnet GEMA-Mitarbeiter Jürgen Baier vor. Bei Gemeinden, die große Oratorien veranstalten, könnten auch Summen von 1000 Euro zustande kommen.

Gemeinden müssen GEMA-Gebühren selbst bezahlen

Die Folge: extreme Verunsicherung in den Gemeinden. In der Kindertagesstätte "Casa Don Bosco" in München-Haidhausen entstand über Jahre ein breites musikalisches Angebot mit einer eigenen Singschule. Es gibt einen Kammerchor und regelmäßig führt die Gemeinde ein Kindermusical auf. Seit die Kirche die GEMA-Gebühren für ihre Gemeinden nicht mehr pauschal bezahlt, befürchten die Mitarbeiter hohe Kosten. Außerdem kommt nun ein höherer Verwaltungsaufwand auf die Pfarrei zu. Denn jedes Pfarrfest, jede Seniorenveranstaltung mit Musik muss nun extra gemeldet werden.

"Wir stehen vor der Aufgabe, mit einem riesen Verwaltungsaufwand bei Veranstaltungen Musiklisten zu schreiben und zu überlegen, welche Musik kommt zur Aufführung? Damit steht nicht mehr im Vordergrund, was wir den Menschen anbieten wollen. Wir sind ein Stück weit geleitet durch ein Kostenbewusstsein, das finde ich schade."

Alfons Friedrich, Pater im Pfarrverband München-Haidhausen

Die katholische Kirche in Deutschland zieht sich komplett aus der Finanzierung von Musik in den Gemeinden zurück. Auf BR-Nachfrage sagt der Verband der deutschen Diözesen, die neue Pauschale der GEMA sei nicht angemessen. Über die Folgen für die Kirchengemeinde wollte er sich nicht äußern. Bleibt für viele Mitarbeiter in den katholischen Gemeinden nur die Hoffnung, dass die Kirchenleitung doch noch einlenkt. Das Angebot für den neuen Pauschalvertrag liegt noch immer auf dem Tisch, heißt es seitens der GEMA: Die katholische Kirche in Deutschland könne ihn jederzeit noch unterschreiben.


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Amelia, Sonntag, 25.März, 15:57 Uhr

18. Selber machen!

Nur gekaufte Musicals sind teuer. Stücke, die mit den Kindern selbst erfunden werden, sind nach wie vor kostenlos!

Rolf D.R.Hellwig, Sonntag, 25.März, 15:43 Uhr

17. GEMA und Kirche

Es lebe die Raffgier, vor allem bei der GEMA und der Geiz bei der reichen katholischen Kirche! Die Hauptsach die Bischöfe und kardinäle verfügen über ein dickes Konto, da interessiert die Kirchengemeinde dann nicht.

Didier, Sonntag, 25.März, 15:37 Uhr

16. Warum muss es denn Musik aus der Konservendose sein?

Muss Musik denn hauptsächlich abgespielt oder nachgespielt werden? Ich finde, ohne die Gema wäre das nun eine gute Gelegenheit, daß die Kreativität der Gemeindebands mal anspringt und die Eigenes ausdenken vortragen. Musikalische Vielfalt selber entwickeln. Und weil wir ein so schönes kunderbuntes Land sind, könnten in der Gemeindemusik mannigfaltige Einflüsse viel Neues hervorbringen. Dafür braucht man keine Gema. Vorausgesetzt, man mach sich als Künstler auch mal frei von solchen zwielichtigen Inkasso-Organisationen.
Gibt es im restlichen Europa auch sowas wie die Gema?

Otto, Sonntag, 25.März, 11:58 Uhr

15. GEMA

Hat die GEMA auch so einen überbezahlten Wasserkopf wie die GEZ?

  • Antwort von toter Komponist, Sonntag, 25.März, 12:30 Uhr

    viel, viel schlimmer. (Fragen Sie mal einen Insider, der für den Laden schon mal gearbeitet hat...)

K. Gerhard, Sonntag, 25.März, 11:00 Uhr

14. GEMA

Die Problematik trifft nicht nur Kirchengemeinden. Wir sind ein Theaterverein und führen jährlich im Frühjahr einen bunten Abend mit Sketschen, Tanz, Gesang und mehr auf. Für 4 Abende bezahlen wir über 900,-€ GEMA-Gebühren. Dabei müssten wir noch 20% mehr bezahlen, wenn wir nicht durch den Theaterverband eine pauschale Ermäßigung in Anspruch nehmen könnten. Dabei ärgert uns jedoch nicht dass GEMA fällig wird, sondern das Tarif Wirrwarr. Es gibt niemanden, der uns in vernünftiger Art und Weise sagen kann, weshalb wir nach Tarif X und nicht nach Tarif Y abgerechnet werden. Dadurch entsteht das Gefühl nach "Nasenfaktor" behandelt zu werden. Gibt es denn keine übergeordnete Stelle, die da mal für mehr Transparenz sorgt?

  • Antwort von Wolfgang, Sonntag, 25.März, 12:39 Uhr

    Hallo,
    komponiert selbst oder sucht euch gemeinfreie Musik aus, da gibt es genügend.

  • Antwort von toter Komponist, Sonntag, 25.März, 12:40 Uhr

    Nicht nur nach außen hin ist der Tarifwirrwarr äußerst undurchsichtig, auch intern ist die Verteilung der eingesammelten Gelder mehr als willkürlich. Besser gesagt, die Verteilung des Restes, der nach Abzug der irrsinnig hohen Verwaltungskosten überhaupt noch übrig bleibt.
    Die GEMA war zur Zeit ihrer Gründung - u.a. durch den toten Komponisten Richard Strauss - eine gute und notwendige Idee. Mittlerweile ist daraus - nicht zuletzt als Folge der Gleichschaltung im "Dritten Reich", die nach dem Krieg nur zum kleinen Teil rückgängig gemacht wurde - eine völlig undurchschaubare und undemokratische Machtstruktur geworden, in der sich v.a. wenige Großverdiener (und die schmarotzenden Dienstleister) selbst bedienen.
    Gehört in der heutigen Form genauso abgeschafft wie die GEZ, aber kein einziger Politiker hat ein Interesse daran...