56

Erzbischof Reinhard Marx "Segnung homosexueller Paare ist möglich"

Er ist das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland: Kardinal Reinhard Marx. Wenn er mehr Frauen in Führungsämtern fordert, eine Reform der Pfarrverbände in seinem Bistum durchsetzt oder europaweit eine menschenunwürdige Abschottungspolitik kritisiert, hat das Signalcharakter. Vor zehn Jahren hat ihn der damalige Papst Benedikt XVI. von Trier nach München berufen. Von Karin Wendlinger

Stand: 03.02.2018

Kardinal Reinhard Marx mischt sich ein. Jetzt auch in die kontroverse Diskussion der katholischen Kirche über eine mögliche Segnung von homosexuellen Beziehungen, die der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode angeregt hatte. Im Interview der Woche auf B5 aktuell stellt Marx erstmal Segnungen im Einzelfall in Aussicht.

"Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben. Ich sehe da eigentlich keine Probleme."

Kardinal Reinhard Marx

Ein generelles und weltweites Ja zu einer Segnung von homosexuellen Beziehungen in der katholischen Kirche sei das aber nicht.

"Es gibt Dinge, die lassen sich nicht regeln."

Kardinal Reinhard Marx

Katholische Kirche im Umbruch

Die Mehrheit der Katholiken spüre, dass sich die Kirche derzeit in einer Umbruchssituation befinde. Patentrezepte für die Zukunft habe er nicht, so Marx. Fest stehe aber, dass die Lebensgeschichte jedes einzelnen in der Seelsorge stärker in den Blick genommen werden müsse als bisher.

"Wie wir in unserer Arbeit mit Menschen umgehen, da kann durchaus noch mehr Schwung und Freude da sein."

Kardinal Reinhard Marx

Seit 10 Jahren Münchner Erzbischof

Anfang Februar 2008 trat Reinhard Marx das Amt des Erzbischofs von München und Freising an. Seitdem leitet der leutselige Ostwestfale das größte Bistum in Bayern mit gut 1,7 Millionen Katholiken. Marx ist nicht nur ein enger Berater des Papstes, Vorsitzender der bayerischen und der deutschen Bischofskonferenz, er ist auch europaweit ein kirchenpolitisches Schwergewicht.

Missbrauchsskandal, Ökumene, Wiederverheiratet Geschiedene

Als Erzbischof hat Marx in den vergangenen zehn Jahren vor allem im Umgang mit Opfern und Tätern im Missbrauchsskandal von sich reden gemacht. Aber auch in der Ökumene und im Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen fährt der 64jährige einen ausgleichenden und moderaten Kurs. Die Einsicht, dass sich die Kirche verändern müsse, sei nicht nur unter den Gläubigen gewachsen, sondern auch bei Priestern und kirchlichen Mitarbeitern. Das, so Marx, stimme ihn hoffnungsfroh für die Zukunft seiner katholischen Kirche.


56