Trauer um Kardinal Lehmann "Ein begnadeter Vermittler zwischen den Kirchen"

Kardinal Karl Lehmann ist tot. Der ehemalige Mainzer Bischof starb heute früh im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Mainz. Politiker und Kirchenvertreter würdigten ihn als Brückenbauer.

Von: Fabian Herrmann

Stand: 11.03.2018

Der ehemalige Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann ist am Sonntag,  11. Maärz 2018 gestorben. | Bild: picture-alliance/dpa/Arne Dedert

Mit 47 hatte Lehmann das Bistum Mainz als damals jüngster katholischer Bischof in Deutschlands übernommen. Er leitete es mehr als 30 Jahre lang, bis er an seinem 80. Geburtstag vor knapp zwei Jahren zurücktrat.

Bequem machte es sich Lehmann in seiner Amtszeit nie - sich nicht und seiner Kirche nicht. Glaube sei ein Gehorsam, der wenigstens potentiell mit der menschlichen Vernunft übereinstimmen müsse, sagte er einmal. Dieser Grundsatz beeinflusste auch seine Arbeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von 1987 bis 2008.

Gespräch mit kritischen Laien

Konservative Kritiker warfen ihm bisweilen vor, die Kirche in Deutschland ohne Not dem Zeitgeist anzupassen. Befürworter seiner Linie lobten Lehmann dagegen als Glücksfall für die deutschen Katholiken, als Brückenbauer und Mann des Dialogs. Immer wieder gab Lehmann Impulse für die Ökumene und suchte das Gespräch mit kritischen Laien.

Auch im politischen Tagesgeschäft blieb er nicht stumm, offen ließ er seine Abneigung gegenüber der AfD erkennen und warf zuletzt den osteuropäischen Ländern mangelnde Solidarität in der Flüchtlingsfrage vor.

Aufruf zum Gebet

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Lehmann im September, als er den Theologieprofessor Peter Kohlgraf zum neuen Bischof des Bistums Mainz weihte. Seit einem halben Jahr kämpfte Lehmann mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung. Am letzten Montag wurde sein Zustand so kritisch, dass Kohlgraf zum Gebet für Lehmann aufrief.

Würdigungen aus Kirche, Politik und Medien

Die Deutsche Bischofskonferenz würdigte Lehmann als einen "großen Theologen, Bischof und Menschenfreund. Mit seinem Tod verlieren wir einen warmherzigen und menschlichen Bischof, den eine große Sprachkraft auszeichnete", erklärte der Vorsitzende, der Münchner Kardinal Reinhard Marx.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, der Kardinal sei "ein Mann klarer Worte gewesen, der bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz auch die politische Kontroverse nicht scheute". Steinmeier betonte, der ökumenische Dialog habe dem Kardinal immer am Herzen gelegen.

"Ein wahrhaftiger Brückenbauer"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, mit seiner "intellektuellen und theologischen Kraft" habe Lehmann sie begeistert. Der Kardinal sei ein "begnadeter Vermittler, zwischen den deutschen Katholiken und Rom, im Geist der Ökumene zwischen den christlichen Kirchen, genauso aber zwischen Christen und den Gläubigen anderer Religionen"gewesen.

Der ARD-Vorsitzende und BR-Intendant Ulrich Wilhelm erklärte, mit Kardinal Lehmann verliere die katholische Kirche "einen großen Denker und streitbaren Geist, der im ganzen Land beliebt und weltweit anerkannt war. Besonders beeindruckt hat mich sein ökumenisches Engagement, das er zunächst als Theologieprofessor und dann als Bischof pflegte und das ihn zu einem wahrhaftigen Brückenbauer machte."

Die ARD sendet einen Nachruf auf Kardinal Lehmann heute um 17.15 Uhr.