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Gesundheitsgefahr Jakobskreuzkraut - das giftige Kraut verbreitet sich in Bayern

Das heimische Jakobskreuzkraut breitet sich seit einigen Jahren vermehrt aus, auch in Bayern. Schon geringe Mengen dieser giftigen Pflanze können zu Leberschäden führen. Vor allem Weidetiere wie Pferde und Kühe sind bedroht, doch auch im Hausgarten ist das Kraut zu finden.

Stand: 05.09.2013

An sich sieht das Jakobskreuzkraut mit seinen gelben Blüten ganz adrett aus, gäbe es nicht die sogenannten Pyrrolizidinalkaloide. Die können schon in geringen Mengen Leberschäden verursachen, im schlimmsten Fall droht gar Leberkrebs.

Alkaloide des Jakobskreuzkrauts im Nahrungskreislauf

Bislang existieren keine Studien, inwieweit sich Alkaloide in Tierprodukten wie beispielsweise Milch anreichern. In einigen Import-Honigsorten wurden indes bereits Konzentrationen in bedenklicher Höhe nachgewiesen.

Ungeborene sind besonders gefährdet, wenn während der Schwangerschaft große Mengen an selbstgepflücktem Gesundheitstee getrunken werden, der aufgrund von Verwechslungen, etwa mit Johanniskraut, besagte Alkaloide enthält. Das bloße Berühren der Pflanze ist hingegen ungefährlich.

Jakobskreuzkraut - Verwechslung mit Johanniskraut möglich

Das Jakobskreuzkraut gehört zu den Korbblütlern und blüht zwischen Juli und September. Es wird 30 bis 100 Zentimeter hoch, alle Pflanzenteile sind giftig. Auf den ersten Blick kann man Jakobskreuzkraut mit Johanniskraut verwechseln. Wenn Sie sich nicht hundertprozentig sicher sind: Finger weg!

Jakobskreuzkraut - Verwechslung mit Rucola

Links Rucola, rechts Kreuzkraut

Auch bei den Blättern gibt es Verwechslungsgefahr: Rucola- und Kreuzkrautblätter sehen sehr ähnlich aus und können von Laien daher leicht verwechselt werden. Wer Kräutertees aufbrüht oder Wildkräuter für einen Salat sammelt, sollte besonders fachkundig sein.

Ein Kraut, viele Arten

Das Jakobskreuzkraut verbreitet sich vor allem in steilem Gelände und auf Weideflächen, die nur selten gemäht werden. Es gedeiht auf eher trockenen Wiesen und Weiden, Eisenbahnböschungen sowie Weg- und Straßenrändern. Die Pflanze ist mehrjährig: Im ersten Jahr sind nur die grünen Blätter zu sehen, erst im zweiten Jahr blüht sie gelb. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 30 Kreuzkrautarten, vier davon sind giftig.

Biobauern trifft es besonders, wenn sich das Jakobskreuzkraut auf ihren Flächen angesiedelt hat, denn sie dürfen keine chemischen Unkrautvernichter verwenden.

Besonders für Weidetiere gefährlich

Insbesondere für Kühe und Pferde ist die Pflanze sehr gefährlich: Die Giftstoffe lagern sich im Körper an und zersetzen allmählich die Leber. Diese Vergiftung kann man bislang nicht behandeln. Ziegen und Schafe hingegen bauen laut Angaben Züricher Agrarforscher in ihren Vormägen einen Teil des Giftes ab. Erfahrene Tiere scheinen die Pflanzen eher zu meiden, wegen des Geruchs und des bitteren Geschmacks. Meist trifft die Vergiftung daher Jungtiere.

Auch getrocknete Pflanzen sind giftig

Prekär ist, dass die Giftstoffe im Heu oder in der Silage genauso wirksam bleiben wie in der frischen Pflanze. Der bittere Geschmack verliert sich durch Trocknung oder im Silo, daher fressen die Tiere das Futter ohne zu zögern, warnt der Arbeitskreis Kreuzkraut, ein engagierter Zusammenschluss von Tierhaltern, Tierärzten und Landwirten.

Mit Stumpf und Stiel entfernen

Sobald man eine Kreuzkraut-Pflanze in seinem Garten entdeckt, sollte man sie samt der Wurzel entfernen, möglichst verbrennen oder im Hausmüll entsorgen, rät der Arbeitskreis Kreuzkraut. Besonders in der Nähe von Nutz- und Weideflächen sollte das Kraut keinesfalls geduldet werden. Durch Herbizideinsatz und Maßnahmen wie häufiges Mähen und Düngen der Fläche kann man das Kraut zurückdrängen.


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